Publiziert am: Freitag, 10. August 2018

In Ruhe für Krisenzeiten planen

BUSINESS CONTINUITY MANAGEMENT – Haben Sie einen funktionierenden 
Plan für den Notfall? Entscheidend ist die Strategie. Mit intelligenter 
Geschäftsfortführungsplanung zu mehr Gelassenheit im Ernstfall.

«Was wäre, wenn…?» Diese hypothetische Frage stellt sich wohl jeder, der seinen Lottoschein abgibt und den möglichen Gewinn bereits vor Augen hat. Optimisten malen sich die Verwirklichung ihrer Wünsche gar bis ins Detail aus. Was das mit Geschäftsfortführungsplanung oder Business Continuity Management (BCM) zu tun hat? Eine ganze Menge. Die Fähigkeit, sich genau vorstellen zu können, «was wäre, wenn…», ist bei der Erarbeitung von Krisenplänen für den Notfall nämlich 
essenziell.

Mit einem BCM plant ein Unternehmen vorsorglich und in aller 
Ruhe, wie es mit Krisen umgehen will und welche Risiken in welchem Ausmass reduziert werden sollen. Folgendes schrittweise Vorgehen hat sich bewährt und sorgt für ziemlich viel Gelassenheit im Ernstfall:

Das Unternehmen verstehen

Ohne Risikoanalyse kein Business Continuity Management: Risiken können erst benannt werden, wenn klar ist, welche Prozesse im Unternehmen wo ablaufen (Schnittstellen, Abhängigkeiten!) und welche für das Unternehmen überlebenswichtig sind (sogenannte kritische Geschäftsprozesse). Konkret stellen sich folgende Fragen: Was würde es für mein Unternehmen bedeuten, wenn Daten verloren gehen oder Server ausfallen, wenn ein Stromausfall die Produktion lahmlegt, ein Feuer im Lagerraum ausbricht, wichtige Lieferungen streikbedingt ausbleiben oder meine Entwicklungsabteilung infolge Grippeepidemie wochenlang ausfällt?

Wichtig: Entscheidend bei diesen Überlegungen ist das zu erwartende Schadensausmass, nicht die Eintrittswahrscheinlichkeit.

Strategie entwickeln, 
Prioritäten setzen

Die Risiken sind bekannt und müssen nun gewichtet werden. Hier entscheidet sich, wie hoch die Kosten für die tatsächlichen Massnahmen sein werden oder dürfen. Je höher das Sicherheitsbedürfnis und je grösser und komplexer das Risiko für das Unternehmen, umso höher die Aufwendungen und Kosten. Je nach 
Risikopriorität kann zum Beispiel für den Betrieb der Informatik der Aufbau eines zweiten Rechenzen­trums die Lösung sein, vielleicht 
genügt aber auch schon die Anschaffung eines zusätzlichen Servers.

Ins Detail gehen

Aufgrund der gewählten BC-Strategie werden nun detaillierte Krisenpläne erarbeitet und die geplanten Abläufe getestet. Um beim Lösungsansatz «Zusätzlicher Server» zu bleiben: Dieser muss in dieser Phase nicht schon angeschafft werden. Vielmehr gilt es in Erfahrung zu bringen, wo ein geeignetes Modell erhältlich ist, ob es vorrätig (Lieferfristen) und mit bestehenden Anschlüssen/Geräten tatsächlich kompatibel ist. Auf diese kleinen, feinen Details, auf die richtigen Fragen kommt es an. Jetzt haben Sie Zeit dazu, im Ernstfall nicht mehr.

Üben, testen, überprüfen…

Ob Ihre Krisenpläne tatsächlich funktionieren, zeigt sich erst, wenn die Abläufe – bestenfalls unter erschwerten Bedingungen – trainiert werden. Schwachstellen, die Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit entdecken werden, eliminieren Sie jetzt ohne Zeitdruck. So optimierte Abläufe sorgen für mehr Sicherheit und Gelassenheit.

Umstände ändern sich, Abhängigkeiten auch, und jede Veränderung verändert Ihr BCM. Das heisst, dass Sie nicht umhinkommen, Ihr BCM periodisch zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen und zu 
verbessern. Wirkungsvolles BCM 
bedingt gute Kommunikation und konsequente Mitarbeitersensibilisierung und -schulung. Nicht einmal, nicht beliebig, sondern regelmässig und zielorientiert. Auch deshalb ist BCM Chefsache.

Was wäre, wenn Sie sofort mit dem Aufbau eines BCM beginnen würden? Ihr Unternehmen kann nur gewinnen.

Cornel Furrer, Experte für Geschäftsfortführung (BCM)