Publiziert am: 07.01.2019

Initiative gefährdet Arbeitsplätze

GEWERBE SAGT NEIN – Ein Beispiel aus dem Kanton Freiburg zeigt auf, welch verheerende Auswirkungen eine Annahme der Zersiedelungsinitiative auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz haben dürfte.

Im Bernbiet lautet ein böses Bonmot: «Wo entwickelt sich die Berner Wirtschaft am besten? In Freiburg …» Tatsächlich ist der einst ländlich geprägte Kanton an der Sprachgrenze seit längerem eine Boom-Region. Die Wirtschaft wächst, mit ihr die Bevölkerung – und der Bedarf an Flächen für Wohnen, Wirtschaften und Infrastruktur.

Drei Firmen auf einem Platz

In Bulle, unweit der Autobahn A12, führt die Familie Rime seit drei Generationen einen grossen Gewerbebetrieb mit heute drei Zweigen. Die 1896 gegründete Despond SA ist eine der grössten Sägereien der Schweiz und beschäftigt ungefähr 40 Personen. Bei Sagérime arbeiten ebenfalls 40 Mitarbeitende, die Firma konzentriert sich unter anderem auf Leitplanken und Abschrankungen bei der Sanierung von Autobahnen. Und schliesslich ist die Familie im Garten- und Landschaftsbau tätig, wo sie 15 Angestellte auf der Lohnliste hat.

Zusammen belegen die drei Firmen rund acht Hektaren Land im heutigen Zentrum von Bulle. Vor allem die Sägerei braucht Platz – viel Platz. «Wir haben vor einiger Zeit eine Verlegung des gesamten Firmenareals ins Auge gefasst – und wieder verworfen», sagt Despond-Geschäftsleiter Jacques Rime. Schon nur die Verschiebung des Maschinenparks hätte Kosten von etwa 50 Millionen Franken zur Folge gehabt; für neues Land wäre rund dieselbe Summe fällig geworden.

Zersiedelungsinitiative würde jegliche Entwicklung blockieren

Müsste die Firma heute wegziehen, so bräuchte sie – um sich weiterentwickeln zu können – eher mehr Land als bis anhin. «Im Kanton Freiburg eine Fläche von 100 000 Qua­dratmetern zu finden, ist heute schon fast nicht möglich», stellt Rime fest. «Und in die Höhe zu bauen ist für uns wegen der tonnenschweren Baumstämme und der massiven Geräte schon gar keine Lösung. Käme die Initiative der Jungen Grünen durch, so würden die Bodenpreise ins Unermessliche steigen, und wir müssten – wenn überhaupt mög-lich – in einen anderen Kanton ausweichen. Die total 95 Arbeitsplätze unserer drei Firmen in Bulle wären mit Sicherheit nicht mehr zu halten; und die rechtlichen Auseinandersetzungen rund um den Landtausch zwischen zwei Kantonen mag ich mir schon gar nicht vorstellen.»

Angst um Arbeitsplätze

In der Tat fürchten Fachleute eine enorme Rechtsunsicherheit und endlose juristische Auseinandersetzungen, sollte die Zersiedelungsinitiative am 10. Februar angenommen werden. Bei einem Ja dürfte es nahezu unmöglich werden, neues Bauland zu finden – ob für das Gewerbe, die Industrie, fürs Wohnen oder für andere Tätigkeiten. Der Bestand heutiger und die Ansiedlung neuer Unternehmen wäre gefährdet – mit entsprechenden Folgen für die Arbeitsplätze.

«Für mich ist klar», so Rime: «Die Initianten haben die wirtschaftlichen Folgen ihrer Initiative nicht durchdacht. Sie würde nicht nur zu steigenden Mieten – auch für Geschäftsliegenschaften – führen, sondern auch zu einem Mangel an Wirtschaftsraum. KMU wie die unseren, aber auch Industrieunternehmen könnten ihre Betriebe nicht mehr an ihrem angestammten Standort erweitern.»

Die Bereitstellung von ausreichend Grundstücken aber, die für die Bedürfnisse von Unternehmen und Bevölkerung geeignet sind, ist für eine gute Entwicklung des Landes unverzichtbar. Die bei einem allfälligen Ja zur Initiative absehbare Verteuerung von Bauland wird die Ansiedlung und Entwicklung von Unternehmen in der Schweiz viel komplizierter machen, so dass einige Gesellschaften in Betracht ziehen könnten, einen Teil ihrer Geschäftstätigkeit zu verlagern.

Genügend Gründe für ein Nein

«Für mich sind das mehr als genügend Gründe, die unsägliche Zersiedelungsinitiative abzulehnen», sagt Jacques Rime. «Und ich hoffe, dass dies alle tun, denen der anhaltende Erfolg der Schweiz ein Anliegen ist.»