Publiziert am: 09.08.2019

Die Meinung

Internationale KMU

KMU sind wichtige Akteure im internationalen Geschäft. Neuste Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung bestätigen dies. Tatsächlich ist nichts anderes zu erwarten: Die Schweiz ist eine offene Volkswirtschaft; sie ist ein Teil der globalen Wertschöpfungskette. Das gilt natürlich auch für KMU.

Etwa elf Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts BIP gehen auf den Aussenhandel zurück. Das ist viel. Denn selbst beim Exportweltmeister Deutschland beträgt der Aussenbeitrag etwas über sieben Prozent des BIP; in Österreich etwas über drei Prozent.

Buchhalterisch wird der Aussenhandel in der Berechnung des BIP als Exporte minus Importe behandelt. Dieses Minus bedeutet jedoch keineswegs, die Wertschöpfung der Importe sei negativ. Im Gegenteil: Eine spezialisierte Volkswirtschaft erkennt, dass es günstiger ist, bestimmte Güter fremd einzukaufen, statt sie zu produzieren. Eine entwickelte Volkswirtschaft konzentriert sich also auf die Produktion jener Güter, wo sie Spezialisierungsvorteile sieht.

Gerade deswegen werden Importe gemäss Weltbank und Welthandelsorganisation als Teil der Wertschöpfung dazugezählt. Sie stellen den Überschuss an Spezialisierung dar. Importe sind also Spezialisierungsgewinne.

Eine spezialisierte und offene Volkswirtschaft, wie die Schweiz eine ist, sollte also sowohl hohe Importe in Geldwerten als auch hohe Exporte in Geldwerten ausweisen. Deswegen zählt man, wenn man vom Aussenhandelsvolumen spricht, Exporte und Importe zusammen. Das wird in der Aussenhandelsstatistik festgehalten.

Die neuste Publikation der Aussenhandelsstatistik beleuchtet das Jahr 2016. Sie weist ein Aussenhandelsvolumen von rund 564,5 Milliarden Franken aus, wobei etwa 298 Milliarden Franken Exporte und 266 Milliarden Franken Importe sind. Damit hat die Schweiz etwa ­32 Milliarden Franken Exportüberschuss. Interessant ist, diese Zahlen nach Unternehmensgrösse aufzuteilen.

Etwa 60 Prozent der Schweizer Importe gehen auf KMU zurück; die Grossunternehmen verantworten rund 37 Prozent davon; etwa 3 Prozent der Importe können nicht eindeutig zugeteilt werden. Bei den Exporten gehen um die 45 Prozent auf KMU und circa 53 Prozent auf Grossunternehmen zurück. Das bedeutet ganz konkret, dass etwa die Hälfte des Schweizer Aussenhandels von den KMU gestemmt wird.

Gemäss dieser Statistik sind um die 200 000 KMU im Aussenhandel aktiv. Bei etwa 580 000 Unternehmen in der Schweiz bedeutet dies, dass etwa ein Drittel der KMU in Importen oder Exporten tätig ist. Allerdings betrachtet diese Zählung verschiedene Formen vom Auslandsengagement nicht. Dazu gehören etwa Investitionen, Joint Ventures, Lizenzverträge, Franchising oder gar Zweigniederlassungen und Anteile an Unternehmen im Ausland.

Weil diese Verbindungen nicht Handel sind, erscheinen sie in der Aussenhandelsstatistik (zu Recht) nicht. Doch die Partizipation an der globalen Wertschöpfungskette kann anders als durch reinen Export und Import stattfinden. Andere Statistiken des Bundes zeigen, wie wichtig beispielsweise Schweizer Investitionen ins Ausland oder etwa Lizenzverträge an ausländische Firmen sind. Und auch hier glänzen die KMU.

P.S.: Es ist auch nicht schlecht, in der Schweizer Binnenwirtschaft tätig zu sein. Immerhin ist sie die 20-grösste der Welt…