Publiziert am: 13.05.2016

Jeder für sich selbst verantwortlich

ÄLTERE ARBEITNEHMENDE – An der zweiten Nationalen Konferenz zum Thema bezog der 
Gewerbeverband Stellung für einen flexiblen Arbeitsmarkt und gegen mehr Kündigungsschutz.

Für den Schweizerischen Gewerbeverband sgv liegen die wichtigsten Massnahmen in der Zielgruppe der älteren Arbeitnehmenden einerseits in der Berufsbildungspolitik, anderseits in der persönlichen Verantwortung jedes Einzelnen.

Gut in den Arbeitsmarkt integriert

«In der Schweiz sind ältere Arbeitnehmende gut in den Arbeitsmarkt integriert», stellt sgv-Direktor und Nationalrat Hans-Ulrich Bigler fest. Sie wiesen eine hohe Erwerbsbeteiligung auf und seien unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Erwerbsquote beträgt bis und mit einem Alter von 59 Jahren über 80 Prozent und auch mit 62 Jahren liegt sie über 63 Prozent. Häufiger als jüngere finden sich ältere Arbeitnehmende in relativ stabilen Arbeitsverhältnissen wieder. Zwar sinkt ab Mitte des Erwerbslebens die Erwerbsquote. Bis zum Schluss bleibt sie aber auf einem hohen Niveau.

«Die Bereitschaft der Betriebe, ältere Mitarbeitende zu beschäftigen bzw. einzustellen, ist hoch», stellt Bigler weiter fest. Mehrheitlich haben die Unternehmer eine positive Einstellung zu einer längeren Beschäftigung. Zu diesen Erkenntnissen kommt ein Bericht der Universität Zürich und des smm Stellenmarktmonitor Schweiz über Altersgrenzen in Stelleninseraten 2006–2015.

Viel Engagement des sgv

Ältere Arbeitnehmende haben primär dann Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie Mehrfachdefizite aufweisen. Haben sie die Stelle verloren, dauert es im Schnitt länger, bis sie wieder eine Anstellung finden. Folglich muss bei der Qualifizierung angesetzt werden. Seit der ersten «nationalen Konferenz ältere Arbeitnehmende», welche im April 2015 stattgefunden hat, war der sgv auf diversen Feldern aktiv. Engagiert hat er sich in der Qualifizierung. Z.B. bietet er zusammen mit dem Netzwerk der KMU Frauen den Erwerb eines eidgenössischen Fachausweises Fachfrau/Fachmann Unternehmensführung KMU an. Mittlerweile ist der Pilotbetrieb abgeschlossen und das Projekt in den Normalbetrieb überführt worden. Das neue, innovative daran ist, dass die Validierung von Berufserfahrung das erste Mal auch in der höheren Berufsbildung angewendet wird. Bis jetzt wurde die Validierung von informell erworbenen Bildungsleistungen nur in der Grundbildung eingesetzt.

Eine weitere Massnahme ist der Individuelle Kompetenznachweis (IKN) für Personen, die keinen eidgenössischen Berufsabschluss auf Stufe Attest (EBA) erlangen. Hier geht es darum, dass für eine reelle Weiterbildungschance vorgängig unbedingt ein anerkannter Abschluss nötig ist. Schafft man eine zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest nicht, soll es künftig für die geschafften Kompetenzen einen IKN geben, der von der Branche anerkannt und abgegeben wird. Zurzeit ist das Projekt noch in der Pilotphase mit drei EBA-Ausbildungen im Bürobereich, in der Logistik und bei den Schreinern. Diese werden im 2017 evaluiert und dann ist es an den Branchen, solche IKN einzuführen.

«BEREITSCHAFT, ÄLTERE MITARBEITENDE ZU BESCHÄFTIGEN, IST HOCH.»

Zusammen mit den Berufsverbänden hat der sgv die schulischen Anforderungsprofile von rund 190 Berufen erhoben und mit typischen Berufssituationen versehen, die nun direkt vergleichbar abgerufen werden können. Zielpublikum sind primär junge Leute. Doch auch ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich mit Blick auf eine Neuorientierung oder Weiterbildung wichtige Informationen beschaffen.

Zudem wird der sgv im Rahmen der Beratung der BFI-Botschaft für zusätzliche finanzielle Mittel von jährlich 100 Mio. Franken kämpfen mit dem Ziel, die Vorbereitung auf die eidgenössischen Prüfungen zu optimieren: Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung sollen gegenüber Studierenden an einer Uni nicht länger benachteiligt werden.

Flexibler Arbeitsmarkt als Trumpf

«Verantwortungsvolle Politik heisst, sich auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die gesamte Wirtschaft zu fokussieren», ist sgv-Direktor Bigler überzeugt. Einer der Trümpfe ist der flexible Arbeitsmarkt. Er darf nicht mit weiteren Regulierungen weniger attraktiv gemacht werden. Aus diesem Grund lehnt der sgv neue Einschränkungen wie z.B. einen Kündigungsschutz für ältere Mitarbeitende ab. «Solche Massnahmen hätten negative Auswirkungen für die Betroffenen, wenn die Firmen sie nicht mehr anstellen würden.» In erster Linie aber liegt es in der persönlichen Verantwortung jedes einzelnen Arbeitnehmers, dass er für den Arbeitsmarkt vorbereitet ist.

Dieter Kläy, Ressortleiter sgv