Publiziert am: 06.07.2018

Jeder Handgriff muss sitzen

EUROSKILLS BUDAPEST 2018 – Lea Meier aus dem bernischen Eggiwil wird im September an den Berufs-Europameisterschaften die Malerbranche vertreten. Ihr Ziel ist es, eine Medaille zu holen – vorerst muss sie noch hart trainieren.

Konzentriert und mit stoischer Ruhe streicht Lea Meier eine Wand. Ihr Arbeitsplatz ist die Wohnstube eines Einfamilienhauses in Hasle Rüegs­au/BE. «Wir streichen hier alle Wände neu sowie einzelne Türrahmen und die Balkontüren», erklärt die gelernte Dekorationsmalerin. «Das ist eine gute Übung für mich. Ich kann dabei für die EuroSkills in Budapest das fachgerechte Abdecken und Abkleben sowie das Türestreichen und Türrahmentapezieren üben.» Lea Meier freut sich auf die Wettkämpfe: «Das ist für mich nicht nur eine grosse Ehre, mein Metier dort zu vertreten, sondern auch eine Chance, mein Können zu zeigen und meinen beruflichen Horizont zu erweitern.» Dass sie einst an den ­Berufs-Europameisterschaften teil-nimmt, habe sie sich nie träumen lassen. Eine Arbeitskollegin hätte sie motiviert, an den Berufsmeisterschaften mitzumachen. «An den Schweizer Meisterschaften in Luzern 2016 bin ich Zweite geworden und habe mich damit für die Europameisterschaften qualifiziert. Das hätte ich nie erwartet. Für mich war der Wettkampf mehr Spass und Plausch», sagt Lea Meier.

«Es ist nicht selbstverständlich, dass der Betrieb mir einen ganzen Tag fürs Training einräumt.»

Seit Mitte Mai ist die 21-Jährige fleissig am Trainieren. «Zurzeit bin ich 100-prozentig am Arbeiten. Nebenbei trainiere ich einen Tag pro Woche. Ab Juli werde ich dann meine Trainings intensivieren», so Lea Meier. Die Aufgabenstellung sei in den Grundzügen bekannt, werde am Wettkampf selber aber noch angepasst. Verlangt werden verschiedene Disziplinen wie unter anderem die Freie Technik, das Streichen der Türe mit Profilstab, das Tapezieren um einen Türrahmen herum, fachgerechtes Abkleben, Konstruieren nach strengen Vorschriften sowie als Hauptteil Design. «Da muss man Freihandzeichnen. Das ist sehr aufwändig und macht mir am meisten Sorgen», erklärt Lea Meier. «Ich muss noch viel üben, damit ich effizienter werde – jeder Handgriff muss absolut sitzen.» Fachliche Inputs und Tipps bekommt die junge Emmentalerin von ihrem Trainer Andreas Marbacher aus Küssnacht am Rigi/SZ.

 

Unterstützung vom Arbeitgeber und der Familie

Grosszügig unterstützt wird Lea Meier von ihrem Arbeitgeber – dem Malerbetrieb G. Beck AG in Rüegsauschachen/BE – der sogleich ihr Lehrbetrieb war. «Meine Chefs haben grosses Verständnis und stellen mir zum Trainieren ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Die Zeit kann ich selber einteilen», erklärt Lea Meier und ergänzt: «Es ist nicht selbstverständlich, dass der Betrieb mir einen ganzen Tag fürs Training einräumt, muss doch die tägliche Arbeit zuverlässig und termingetreu erledigt werden.» Bestätigung und Halt in ihrem Vorhaben bekommt die junge Frau auch von ihrer Familie und ihrem Freund. «Zwei meiner Geschwister, mein Freund sowie Kolleginnen und Kollegen werden auch nach Budapest kommen und mich dort moralisch unterstützen», freut sich Lea Meier.

Die Bauerstochter aus Zollbrück/BE ist auch in ihrer Freizeit sehr ­engagiert. «Ich gehe ins Fitness, bin Kampfrichterin in der hiesigen Hornusser-Gesellschaft Zollbrück und betätige mich auch im Schützenverein Unterfrittenbach/BE. Dies alles muss jetzt aber hinten anstehen, ebenso meine Kolleginnen und Kollegen. Priorität hat der Job und meine Vorbereitung für die EuroSkills», betont Lea Meier. In den Teamweekends des Swiss­Skills-Teams werden die zwei Kandidatinnen und sechs Kandidaten auch mental geschult. «Das ist eine gute Sache. Es herrscht immer eine tolle Atmosphäre, und man kommt topmotiviert mit viel positiver Energie nach Hause.»

 

Ohne zu grossen Druck an den Wettkampf

Die junge Bernerin wusste immer schon, dass sie einmal einen handwerklichen Beruf ergreifen wollte. Sie hat verschiedene Berufe genauer unter die Lupe genommen. Malerin habe ihr am besten gefallen. «Dieser Beruf ist so abwechslungsreich. Besonders schätze ich, dass ich bei schönem Wetter mehrheitlich draussen arbeiten kann.» Der zum Teil rüde, direkte Umgang auf der Baustelle entspreche ihr sehr: «Das sogenannte Baustellenfeeling ist beruhigend für mich. Man braucht hier kein Blatt vor den Mund zu nehmen.»

Ihr Ziel ist es, an den EuroSkills einen Podestplatz zu erreichen. «Wenn ich unter die ersten drei komme, bin ich zufrieden. Ich möchte entspannt und ohne zu grossen Druck an diese Wettkämpfe reisen», so Lea Meier. Corinne Remund

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