Publiziert am: Freitag, 24. Juni 2016

Jeder Zehnte ist kreativ tätig

KREATIVWIRTSCHAFTSBERICHT 2016 – Die Anzahl der Beschäftigten in den Creative Economies ist sprunghaft angestiegen und macht elf Prozent aller Schweizer Betriebe aus. Dies ist auch auf eine neue Begriffsdefinition zurückzuführen.

Egal ob in Zürich, London, Los Angeles oder Berlin: Die Kreativwirtschaft ist im Aufschwung und das, obwohl überall mit anderen Parametern gemessen wird. Wie der Schweizer Kreativwirtschaftsbericht 2016 nun zeigt, ist die Branche aber nicht nur im Hoch, sondern ihre Tragweite wird endlich vollständig erfasst.

«Erstmals wurde die Gesamtheit der kreativen Berufe aus allen Branchen
beleuchtet.»

Erstmals wurde nämlich nicht nur die traditionelle Kreativwirtschaft beleuchtet, sondern die Gesamtheit der kreativen Berufe aus allen Branchen. Damit ist auch der sprunghafte Anstieg von 270 000 auf 466 000 Personen zu erklären, die einer Arbeit im kreativen Bereich nachgehen. Ganz dieser Tatsache folgend, titelt der Kreativwirtschaftsbericht 2016 «Von der Kreativwirtschaft zu den Creative Economies».

Die Schweiz – 
ein dynamischer Standort

Die Gründe für die Erweiterung des bisher in der Schweiz etablierten Verständnisses der Kreativwirtschaft hin zu den Creative Economies sind unterschiedlich. «Ein zentraler Faktor ist die Globalisierung», sagt Simon Grand, Gründer und akademischer Direktor des RISE Management Innovation Lab. «Die Kreativwirtschaft ist ein weltweites Phänomen, für welches sich je nach Georegion unterschiedliche Modelle, Ansätze und Definitionen etabliert haben.»

Der erste Teil des Kreativwirtschaftsberichtes zeigt auf, in welchen Sektoren die Kreativen beschäftigt und in welchen Regionen sie angesiedelt sind. Dies reicht von den grossen Teilmärkten, wie dem Architekturmarkt, der Software-/Games-Industrie, über die Musikwirtschaft bis zu kleineren Märkten wie dem Kunsthandwerk oder dem Rundfunkmarkt. Die Kreativwirtschaft wird im Bericht als «ein dynamischer Forschungs-, Entwicklungs- und Produktions­standort, auch im internationalen Vergleich» beschrieben. Wie wichtig die Kreativwirtschaft in der Schweiz schon heute ist, halten Roman Page, Datenanalyst im Statistischen Amt des Kantons Zürich, und Christoph Weckerle, Direktor des Departements Kulturanalysen und Vermittlung der Zürcher Hochschule der Künste 
ZHdK, fest: «Es wird deutlich, dass die Erwerbstätigen der Creative Economy rund einen von zehn Jobs in der Schweiz ausmachen.»

Kreative im Interesse der 
gesamten Wirtschaft

Der Bericht macht neue Wirkungsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven sichtbar. Und zwar explizit nicht nur für die Akteure im Umfeld der eigentlichen Kreativwirtschaft, sondern auch für Politiker, Unternehmer, Organisationen oder Institutionen. Laut den Autoren sei das Ziel, «Entwicklungen an der Schnittstelle von Kultur, Ökonomie und Technologie zu analysieren und weiterzuentwickeln».

Adrian Uhlmann

Das sagen die KREATIVEN

«Es gibt viele Synergien»

Tobias Lutz, Managing Director Architonic: Als Teil der Kreativwirtschaft können wir attraktive und international ausgerichtete Jobs anbieten. So entsteht eine multikulturelle Unternehmenskultur mit Top-Leuten aus aller Welt. Die Frankenstärke und drohende Hindernisse bei der Einstellung ausländischer Mitarbeiter haben jedoch die Hälfte unseres 90-köpfigen Teams ins Ausland zersplittert. Mit einer Exportrate von 90 Prozent bietet die Schweiz für uns leider nicht mehr die richtigen Rahmenbedingungen. Start-ups bilden in der Kreativwirtschaft die Basis für die Zukunft. Die neuen steuerlichen Auswüchse in Zürich sind jedoch ein Genickschlag für jedes Start-up. LINK: www.architonic.com

Mara Truog, Fotografin: Die Kreativwirtschaft ist kompetitiv und besteht mehrheitlich aus KMU, die sich schon früh auf einem globalen, digitalen Markt bewegen mussten. Auch bewegen sich kreativwirtschaftliche Betriebe an vielen Schnittstellen zu anderen Branchen sowie zur Technologie. Dadurch gibt es viele Synergien. Gerade für die KMU-Wirtschaft kann die Kreativwirtschaft Impulsgeber und Innovationstreiber sein. Sie ist eine der Wachstumsbranchen überhaupt. LINK: www.maratruog.com

Oliver Rosa, Veranstalter Swiss Music Award: Die Kreativwirtschaft bietet attraktive Arbeitsplätze für Menschen, die gemeinsam Inhalte und Produkte schaffen, die bleiben. Wir sind täglich auf Synergien mit Partnern aus der KMU-Wirtschaft angewiesen, oftmals auch aus anderen Bereichen der Kreativwirtschaft. Die Zusammenarbeit unter den einzelnen Disziplinen der Branche ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. LINK: www.rozbero.comCR

CREATICE ECONOMY

Traditionelle Definition gelockert

Der Kreativwirtschaftsbericht 2016 ist ein Projekt von CreativeEconomies, einem Venture der ZHdK in Zusammenarbeit mit dem RISE Management Innovation Lab der Universität St. Gallen und der Critical-Thinking-Initiative der ETH Zürich. Kooperationspartner ist das Statistische Amt des Kantons Zürich. Neben der Analyse der traditionell definierten Kreativwirtschaft werden im Bericht auch kreative Berufe von aus­serhalb berücksichtigt. Dafür wurde der Begriff «Creative Economies» geschaffen und somit das Branchenspektrum erweitert. So zeigt sich, dass in der Schweiz über 450 000 Personen in der Creative Economy arbeiten, wovon die eine Hälfte in den traditionell definierten Creative Industries erwerbstätig ist, während die andere Hälfte einem kreativen Beruf ausserhalb der Creative Industries nachgeht.uhl

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