Publiziert am: Freitag, 8. Juli 2016

Jedes fünfte KMU vor der Nachfolge

UNTERNEHMENSÜbergabe – Bis 2021 stehen rund 80 000 Betriebe in der Schweiz vor einem Generationenwechsel. Davon ­werden mehr als die Hälfte familienextern übergeben. Dies stellt die Credit Suisse in ihrer Studie zur Nachfolgeplanung fest.

Die Nachfolgeplanung stellt für jeden Unternehmer und jede Unternehmerin eine der zentralsten strategischen Aufgaben überhaupt dar. Fast jeder KMU-Unternehmer muss sich ihr früher oder später stellen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle, sondern fast immer auch um ideelle Werte, denn der eigene Betrieb ist für viele mehr als eine blosse Einkommensquelle. Bereits zum dritten Mal nach 2009 und 2013 untersuchte die Credit ­Suisse 2016 in Zusammenarbeit mit dem Center for Family Business der Universität St. Gallen basierend auf einer gross angelegten Umfrage das Thema der Unternehmensnachfolge bei kleinen und mittleren Schweizer Unternehmen (KMU).

Die Umfrage bestätigt die hohe Relevanz des Themas für Schweizer KMU: Mehr als drei Viertel der befragten Geschäftsführer haben sich mit der eigenen Nachfolgeregelung schon mindestens ansatzweise auseinandergesetzt. Konkret plant jeder fünfte KMU-Unternehmer eine Unternehmensübergabe innerhalb der nächsten fünf Jahre. Auf die Gesamtwirtschaft hochgerechnet stehen somit bis 2021 rund 70 000 bis 80 000 KMU vor einem Generationenwechsel, welche rund zehn Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz auf sich vereinen. Der Anteil der KMU, die eine Übergabe innerhalb der kommenden fünf Jahre anstrebten, sei im Vergleich zur Umfrage im Jahr 2013 von 22 Prozent auf 20 Prozent leicht gesunken, wird in der Studie festgehalten. Dieser Rückgang stellt gemäss den Studienautoren jedoch höchstwahrscheinlich nur ein vorübergehendes Phänomen dar. Mehr als die Hälfte der KMU-Geschäftsführer sind heute zwischen 50 und 65 Jahre alt, gehören also zur Babyboomer-Generation. Der Altersrücktritt dieser geburtenstarken Jahrgänge führe in den nächsten 15 Jahren daher mit grosser Wahrscheinlichkeit zu deutlich mehr Nachfolgefällen. Da gleichzeitig die Altersklasse der Nachfolgegeneration deutlich langsamer wachse, könne es zu einem zunehmenden Mangel an potenziellen Nachfolgern kommen, geht weiter aus der Studie hervor. Eine mögliche Strategie, um diese sich abzeichnende Lücke zu füllen, stelle die stärkere Berücksichtigung von Geschäftsführerinnen dar, so die Studienautoren. Denn obwohl der Frauenanteil in dieser Position in den letzten Jahrzehnten zugenommen habe, führten Frauen heute nach wie vor nur knapp zehn Prozent aller KMU. Eine steigende Quote an Geschäftsführerinnen könnte das kommende demografisch bedingte Ungleichgewicht zwischen Übergebern und Übernehmern möglicherweise etwas abfedern.

Der Anteil der KMU sinkt

Heute sind gemäss Umfrage 75 Prozent aller Schweizer KMU Familienunternehmen. Im Vergleich zu 2013 sank der Anteil an Familienunternehmen etwas. Die Gründe dafür können sowohl ökonomischer als auch soziologischer Natur sein. Familieninterne und -externe Nachfolgepläne würden sich gemäss den Studienautoren inzwischen die Waage halten. Zwar hege immer noch eine relative Mehrheit von 41 Prozent der KMU den Wunsch, das Unternehmen familienintern zu übergeben. Etwa ein Fünftel davon ziehe aber auch familienexterne Lösungen in Betracht. Insgesamt strebten heute minimal mehr KMU eine rein familienexterne Nachfolgelösung (34 Prozent) an als rein familieninterne (33 Prozent). Unter den familienexternen Nachfolgeplänen werde der Verkauf an ­ehemalige (führende) Mitarbeitende am meisten genannt (Management-­
Buy-Out, 25 Prozent), vor dem Verkauf an ein anderes Unternehmen bzw. eine Private-Equity-Gesellschaft 
(21 Prozent) oder an unternehmensexterne Einzelpersonen (Management-Buy-In, 17 Prozent). In der Realität komme vor allem der Management-Buy-In häufiger vor, als viele KMU planten. 46 Prozent der heutigen Geschäftsführer würden das Unternehmen von einem Familienmitglied übernehmen, 25 Prozent im Rahmen eines Management-Buy-Outs und 30 Prozent per Management-Buy-In, erläutert die Studie.

Stärke des Familieneinflusses 
bestimmt Nachfolgeform

Der Einfluss der Familie im Unternehmen und dabei insbesondere die unter den Eigentümern vorhandenen Familienverhältnisse wirkten sich massgeblich auf die Wahl der Nachfolgeform aus. KMU, in denen es unter den Eigentümern keine Familienmitglieder gäbe, planten das Unternehmen dereinst vor allem an (leitende) Mitarbeitende zu übergeben. Je mehr Familienmitglieder unter den Eigentümern und in der Geschäftsleitung seien, desto eher gewinne der Family-Buy-Out auf Kosten des Management-Buy-Outs an Bedeutung. Die Bereitschaft für einen Verkauf an Familien- und Unternehmensexterne hänge indessen nur wenig von der Stärke des Familieneinflusses im Unternehmen ab. Die Absicht, das Unternehmen in der Familie zu behalten, sei gemäss Umfrage in Familienunternehmen dann am grössten, wenn unter den Eigentümern Elternteile mit ihrem Kind oder Geschwisterbeziehungen vorhanden seien. Seien nur Ehepartner am Eigentum beteiligt, planten fast die Hälfte der Familienunternehmen eine familien­externe Übergabe.

Im Rahmen einer familieninternen Nachfolge stellt sich immer die Frage, an welche Nachkommen die Geschäftsleitung und das Eigentum übertragen werden sollen. Bei dieser Entscheidung könnten gemäss den Studienautoren unterschiedliche Verteilungsprinzipien ausschlaggebend sein. Gemäss Umfrage würde die Mehrheit der KMU es bevorzugen, das Eigentum an alle Nachkommen zu gleichen Teilen zu übergeben 
(65 Prozent). Bei der Übergabe der Geschäftsleitung würden KMU allerdings auf den unternehmerisch fähigsten Nachkommen setzen (81 Prozent). Die Wahl der Verteilungsprinzipien wirke sich auch auf die Unternehmensperformance aus, wie die Analysen der Credit Suisse und der Universität St. Gallen zeigen. Wenn bei der Vorgängergeneration im Hinblick auf den Führungswechsel das Leistungsprinzip im Vordergrund stände, beurteilten die heutigen Geschäftsleiter die Entwicklung der Unternehmensperformance als besser, als wenn das Gleichheitsprinzip zur Anwendung käme.

KMU greifen vermehrt auf ­Governance-Instrumente zurück

Gemäss Umfrage würden Governance-Instrumente unter KMU-Eigentümern rege genutzt: 42 Prozent der KMU griffen auf Aktionärsbindungsverträge zurück, 36 Prozent auf erb- und 35 Prozent auf eherechtliche Verträge. Governance-Instrumente könnten unter anderem dazu dienen, die Weichen für die spätere Nachfolgeregelung zu stellen. So würden jene KMU, die eine grössere Anzahl solcher Instrumente anwenden, eine stärkere Tendenz zu familieninternen Nachfolgeplänen aufweisen.