Publiziert am: Freitag, 23. Februar 2018

Jetzt handeln, Zahlungsflüsse wahren

ZAHLUNGSVERKEHR – Alles spricht von der Umstellung des Zahlungsverkehrs. Doch geht das Thema auch wirklich alle etwas an? 
Raiffeisen-Experte Daniel Hollenstein erklärt, wie dies jedes Unternehmen für sich herausfinden und entsprechend handeln kann.

ISO-20022 ist weder ein neues Sportlergetränk noch eine revolutionäre Methode, mit der modernen Häusern eine optimal wärmegedämmte Fassade verpasst wird. Wer das auch wusste, gehört zu den Unternehmern, die sich bereits mit dem neuen internationalen Standard für den Zahlungsverkehr (ZV) befasst haben, der zum Stichtag 1. Juli 2018 auch in der Schweiz flächendeckend gilt. Andersrum formuliert: Wer bei ISO-20022 zum jetzigen Zeitpunkt nur Bahnhof versteht, könnte schon bald ein gröberes Problem haben. Denn die Zeit drängt.

«Ohne Umstellung auf ISO-20022 kann auch die QR-Rechnung nicht ab 2019 genutzt werden.»

Dies, weil sich alle Schweizer Finanzinstitute verpflichtet haben, ab dem 1. Juli nur noch die neuen Zahlungsformate zu verarbeiten. Hat ein Unternehmer also bis dahin sein System nicht angepasst, können keine DTA-Zahlungen (Datenträger­austausch­­verfahren) mehr verarbeitet werden. Das Unternehmen wäre als Folge gezwungen, seine Zahlungen manuell im E-Banking zu erfassen. Dies bedeutet einen markanten Mehraufwand, den sich gerade KMU-Betriebe in der Regel kaum leisten können.

Liquiditätsplanung könnte in 
Gefahr geraten

Die Banken selbst fordern ihre Firmenkunden deshalb mit Nachdruck auf, nun aktiv zu werden, und warnen vor weiteren unangenehmen Konsequenzen. «Neben dem Mehraufwand durch die manuelle Erfassung müsste natürlich auch die Buchhaltung im Unternehmen manuell nachgepflegt werden. Ab einem gewissen Volumen ist dies kaum mehr zeitgerecht möglich. Dementsprechend hätte dies dann auch negative Auswirkungen auf die Liquiditäts­planung respektive -steuerung», sagt 
Daniel Hollenstein, der das Thema bei Raiffeisen Schweiz verantwortet.

«Die Dauer der 
Migration ist je nach Infrastruktur völlig unterschiedlich.»

Aufschieben sei deshalb keine Option mehr. «Denn jeder Unternehmer profitiert nach der Umstellung auch unmittelbar von Effizienzgewinnen.» Ferner gilt es laut Hollenstein, einen weiteren wichtigen Punkt zu beachten: «Ohne die erfolgreiche Umstellung auf ISO-20022 kann auch die ab 2019 einsetzbare QR-Rechnung nicht genutzt werden.»

Aus dem Selbstcheck ergibt sich der Handlungsbedarf

Was ist konkret zu tun? Als erstes müssen sich Unternehmen im Rahmen eines Selbstchecks die Frage 
beantworten, ob sie überhaupt von der ZV-Umstellung betroffen sind. Simple Antwort: Betroffen sind alle Firmen- und auch Privatkunden, die heute Zahlungen als Datei bei der Bank einliefern bzw. Kontoauszüge oder ESR-Gutschriften mittels Datei bei der Bank beziehen.

Wer zu diesem Kreis gehört, sollte in Absprache mit Bank und Softwareanbieter unverzüglich eine Planung erstellen und die angestrebte Migration koordinieren. Es müssen dabei auch die Stammdaten zwingend überprüft werden. Bankkonten­nummern gehören ins IBAN-Format und Adressen in eine strukturierte Form. Wie viel Zeit muss für eine erfolgreiche Migration eingeplant werden? «Die Dauer ist je nach Konstellation und Komplexität der Infrastruktur einer Firma völlig unter­schiedlich», sagt Daniel Hollenstein und bezieht sich auf konkrete Erfahrungen mit Raiffeisen-Firmenkunden aus der nahen Vergangenheit. Im Durchschnitt sei eine fehlerfreie Umstellung innerhalb von ein bis drei Monaten machbar. Dies setze aber die notwendige Planung voraus. Die Botschaft ist 
unmissverständlich. Der 1. Juli 2018 rückt immer näher.

die vorteile

Umstellen zahlt sich aus

Wer den ISO-20022-Zahlungsstandard in seinem Unternehmen etabliert hat, profitiert unmittelbar von den folgenden Vorteilen.

Harmonisierte Verfahren, Standards 
und Formate

Dank ISO-20022 erfolgt eine weitestgehende Angleichung an bewährte internationale Standards. Alle Zahlungsinformationen können komplett in den Zahlungsprozess integriert und abgebildet werden, zudem werden die Fehlerquellen minimiert.

Einheitliches Kontonummernformat IBAN

Die herkömmlichen Kontonummern werden vollständig abgelöst durch die strukturierte Schweizer IBAN, die ihrerseits nach dem internationalen IBAN-Standard (ISO-13616) aufgebaut ist.

Doppelspurigkeiten werden eliminiert

Im Zuge von ISO-20022 wird das bislang duale System von Postfinance und den Banken vereinheitlicht und standardisiert, somit können die Zahlungen schneller verarbeitet werden.

Weiterentwicklungs- und Unterhaltskosten werden minimiert

In- und ausländische Überweisungsverfahren 
werden einander angeglichen, was die Zahlungs­prozesse erheblich vereinfacht.

Automatisierungsrate steigt

Dank durchgängiger Referenzen wird die Zahlungsverarbeitung automatisiert, was Aufwand und Kosten einspart.

Regulatorische Vorgaben 
sind einfacher umsetzbar

Der flexible ISO-20022-Standard ermöglicht die Einhaltung der Anforderungen des Geldwäschereigesetzes (GwG) und anderer regulatorischer Vorgaben.