Publiziert am: Freitag, 8. September 2017

Jubiläen und 
runde Zahlen

Vorsorge

Bruder Klaus, Schlacht bei Morgarten oder die Reformation – in den letzten Monaten und Jahren hatten wir einige bedeutende Jubiläen zu feiern. 2018 wird es ein Jubiläum geben, das wohl kaum grosse Beachtung finden wird: 2018 kann die Bernische Lehrerversicherungskasse, die Pensionskasse der Lehrer, ihren 200. Geburtstag feiern. Die Geschichte der Bernischen Lehrerversicherungskasse geht auf die 1818 als freiwillige Not- und Hilfskasse gegründete Schulmeisterkasse des Kantons Bern zurück. Diese hatte zum Zweck, die damalige prekäre soziale Lage der Lehrerschaft, die im Alter oft mit Armut verbunden war, zu mildern. Das Jubiläum steht exemplarisch für eine Erfolgsgeschichte der Idee von Pensionskassen, die nun auf über 200 Jahre zurückblicken kann (die Berner Lehrer waren Pioniere, aber längst nicht die ersten).

Rahmenbedingungen haben sich verändert

Sicherheit im Alter ist auch heute noch ein brandaktuelles Thema. Sucht man bei Google Informationen zum Begriff «Sicherheit im Alter», findet der Algorhythmus in weniger als einer Sekunde ungefähr 30 300 000 Ergebnisse. Offensichtlich wird viel zum Thema geschrieben, wobei sich die heutigen Pensionäre zum Glück nicht mehr damit begnügen müssen, «dass ihre Armut etwas gemildert wird», wie dies die bernischen Schulmeister noch wollten. Wir in der Schweiz haben für die finanzielle Sicherheit im Alter ein Drei-Säulen-System. Eingeführt wurden die drei Säulen in umgekehrter Reihenfolge ihrer heutigen Nummerierung. Die dritte Säule, das individuelle Sparen, hat es schon immer gegeben. Die zweite Säule, die Pensionskassen, gibt es in ihrer heutigen Form – wie bereits erwähnt – seit rund 200 Jahren. Die erste Säule, die AHV, gibt es im kommenden Jahr seit 70 Jahren (kein Jubiläum, aber immerhin eine runde Zahl).

Verändert haben sich neben den Ansprüchen der Rentner (Fortsetzung der gewohnten Lebensweise statt etwas weniger Armut im Alter) auch die Rahmenbedingungen. Wir werden deutlich älter als noch vor 200 Jahren und es lässt sich (im Moment zumindest) mit Sparen kein Geld verdienen (wir sind froh, wenn wir wegen den Negativzinsen nicht weniger erhalten). Das wiederum heisst, dass die Systeme der Alterssicherung ständig an die neue Zeit, an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden müssen. Am 24. September stimmen wir über die Reform der Altersvorsorge ab. Ein Ja wäre bei der AHV die erste Reform seit 20 Jahren, die angenommen wird (noch ein Jubiläum?).

«Die konsensfiNdung unter Zeitdruck war in den letzten 20 Jahren keine Stärke unseres Parlaments.»

Bei einem Ja müssen alle, die arbeiten, ab 2018 Mehrbeiträge leisten. Bei einem Ja erhalten fast alle Alters- und Lohnklassen der Aktiven mehr Rente als bisher. Aber auch das wird nicht die letzte Revision sein. Bei einem Ja hat die Politik rund zehn Jahre gewonnen, um eine weitere Reform auszuarbeiten, denn diese braucht es, wenn das mit der längeren Lebenserwartung so erfreulich weitergeht.

Bei einem Nein muss ebenfalls eine neue Reform ausgearbeitet werden, allerdings steigt der Zeitdruck für eine Lösungsfindung dann enorm. Die Konsensfindung unter Zeitdruck war in den letzten 20 Jahren zumindest nicht eine Stärke unseres Parlaments.