Publiziert am: Freitag, 12. August 2016

«Künftig noch näher zusammenrücken»

VERBAND TEXTILPFLEGE SCHWEIZ – Mit dem Präsidiumswechsel will der Verband den Puls der Mitglieder noch besser fühlen. ­Zudem will er mit einer attraktiven Aus- und Weiterbildung den Nachwuchs sichern. Eine Hürde ist die Konsolidierung der Betriebe.

Mit dem neuen Präsidenten Eric Oswald weht im Verband Textilpflege Schweiz VTS nicht nur ein frischer Wind, sondern die Bindung zu den Mitgliedern soll sich verstärken. Der Betriebsleiter der Hotel Zentralwäscherei Gstaad in Saanen kennt die Branche nämlich bestens und weiss somit auch, was die Bedürfnisse der Mitglieder sind und wo der Schuh drückt. «Die Branche muss noch näher zusammenrücken und gemeinsam für die Ziele des VTS einstehen», hat er sich auf die Fahne geschrieben. Dabei möchte Oswald auch die ­Passivmitglieder stärker einbinden, «denn die haben noch viel Potenzial für unseren Verband». Die Aus- und Weiterbildung ist in diesem Verbandsjahr ein Aufgabenschwerpunkt. «Wir widmen uns dieses Jahr spe­ziell der Totalrevision der beruflichen Grundbildung Textilpfleger/in EFZ. Dabei ist es wichtig, die Grundbildung möglichst auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes auszurichten und natürlich so attraktiv wie möglich zu gestalten», betont VTS-Projektleiterin Melanie Saner.

Das Image der Branche fördern

Die Aus- und Weiterbildung ist ein Kerngebiet des Verbandes. Zwischen 12 und 15 Lernende starten pro Jahr die dreijährige Lehre Textilpfleger/Textilpflegerin EFZ. Dazu Saner: «Dies ist ein Kleinstberuf, dennoch sind wir auf gut ausgebildetes Fachpersonal angewiesen.» Allerdings sei es leider sehr schwer, genügend Nachwuchs zu rekrutieren. Das Angebot bestehe, doch die Nachfrage sei zu niedrig. Und Oswald erklärt: «Unser Beruf hat ein Imageproblem. Viele Jugendliche, Eltern und Lehrer haben von unserem Beruf ein falsches oder gar kein Bild. Dabei ist es ein komplexer und interessanter Beruf, der ein grosses Wissen in den Bereichen Chemie, Physik über Textilkunde bis hin zum Verkauf voraussetzt.»

Oftmals entdeckten Lernende diesen Beruf via Bekannte, die in diesem Metier arbeiten. Viele Lehrverhältnisse seien jedoch auch eine «Not­lösung». «Wir wollen dies ändern, es ist wichtig, dass unser facettenreicher Berufsstand die Anerkennung bekommt, die er verdient. Deshalb muss das Image der Branche gefördert werden, beispielsweise indem wir unseren Beruf an Berufsmessen vorstellen», konkretisiert Saner. In diesem Sinne seien auch Weiterbildungskurse für ausgebildete Fachkräfte und Quereinsteiger beispielsweise in den Bereichen Hygienemanagement, Verkauf, Arbeitssicherheit oder Maschinenwartung zentral. Zudem wurde eine paritätische Weiterbildungskommission PWK gegründet, um neue Angebote zu schaffen und Systematik in die Weiterbildungslandschaft der Branche zu bringen.

«Es ist leider sehr schwer, genügend Nachwuchs zu 
rekrutieren.»

Gewerbliche Wäschereien als auch Textilreinigungen haben in den letzten Jahren ein starkes Bewusstsein für die Relevanz des Energie- und Ressourcenverbrauchs entwickelt. Seit mehr als zehn Jahren erarbeiten rund ein Dutzend Vertreter grosser Schweizer Wäschereien unter der Federführung der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) Benchmarks und Lösungen für Energiespar- und CO2-Reduktionsmassnahmen. Somit hat die Textilpflegebranche in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle übernommen. Dass sie diese auch behalten will, zeigt das Nachschlagewerk «Ressourceneffizienz in Textilreinigungen und Wäschereien». Das RessEff-Handbuch für die Praxis wurde durch den VTS in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Umwelt BAFU und für Energie BFE erarbeitet. Dafür wurde der VTS als kompetenter Partner, wenn es um die saubere und energieeffiziente Textilpflege geht, mit dem Watt d’Or 2014 in der Kategorie Gesellschaft ausgezeichnet. Ebenso relevant für die Betriebe ist der Umweltschutz. «Jeder versucht, Wasser und Energie zu sparen und mit chlorfreiem Waschen und Niedertemperaturen die Umwelt zu entlasten – das gehört zu unserem Leitbild», betont Oswald.

Grosser Konkurrenzdruck
aus dem Ausland

In den letzten 20 Jahren veränderte sich die Landschaft der Wäschereien und Textilreinigungen stark. «In der Textilreinigung gibt es viele Klein- und Kleinstbetriebe sowie einige grös­sere Ketten», so Saner. Bei den Wäschereien hätte es früher viel mehr KMU gegeben. «Jetzt findet, nach jener in den 80er-Jahren, quasi eine zweite Strukturbereinigung in der Branche statt», sagt Oswald. «Heutzutage wird weit über die Region hinaus Wäsche in die Betriebe gebracht, das begünstigt auch den Eintritt von ausländischen Wäschereien in die Schweiz. Sie untergraben unsere Preise und mindern unsere Auslastungen», so Oswald. Nicht nur in Grenzgebieten würden die Schweizer Wäschereien deshalb unter einem grossen Konkurrenzdruck stehen.

«Ausländische 
Wäschereien untergraben unsere 
Preise und mindern 
unsere Auslastung.»

Weiter ist auch der starke Franken eine grosse Hürde für die Branche. Grosse Auswirkungen habe er vor allem in Tourismusgebieten, wo sich das Ausbleiben der ausländischen Touristen auf Wäschereien abwälzt. «In früheren Jahren hat ein Fünf­sternhaus täglich die Bettwäsche gewechselt, heute werden in diesem Bereich Kosten eingespart», so Oswald. Grenznahe Textilreinigungen leiden unter dem Einkaufstourismus besonders. Generell werde im Vergleich zu früheren Jahren mehr selber gewaschen, und Textilien würden immer billiger und daher nicht mehr gereinigt, was sich ebenfalls auf den Umsatz der Betriebe auswirke.

Melanie Saner und Eric Oswald sind jedoch überzeugt, dass die Branche noch lange weiterbesteht und sich mit viel Innovation und Weitsichtigkeit behaupten wird, denn Textilien werden immer gewaschen und gepflegt werden. «Wir befinden uns allerdings in einem Wandel: Grosse Wäschereien werden noch grösser, und kleinere Betriebe werden vermehrt zu Nischenverarbeitern», betont Oswald. Nicht zu vergessen ist die Digitalisierung, die Prozesse und Dienstleistungen rund um den Kunden optimiert und so in der Branche neue Möglichkeiten eröffnet.

Corinne Remund

DER VTS KURZ ERKLÄRT

Das Aushängeschild der Textilpflege-Branche

Der Verband Textilpflege Schweiz 
VTS ist 1998 aus der Fusion des Ver­bandes Textil­reiniger Schweiz und 
des Schweizerischen Wäscherei­verbandes entstanden. Beide Ver­bände hatten vorher eine jahrzehnte­lange Tradition. Mit dem neuen Verband können ­jedoch Überschneidungen vermieden und ­Synergien 
genutzt werden. Der VTS ist somit 
Repräsentant und Sprecher der Schweizerischen Textilpflegebranche. 
Er setzt sich für ­geordnete Verhältnisse in der Branche ein, so etwa durch die Forderung nach gleich langen Spiessen im Wettbewerb, durch die Harmonisierung der Anstellungs- und Sozialversicherungsbedingungen, durch den Erlass von allgemeinen Geschäfts- und Lieferbedingungen sowie durch die konsequente Durchsetzung der Umweltvorschriften in sämtlichen Kantonen. Beratung und Information der Mitglieder, kostenlose Rechtsauskünfte, eine eigene EKAS-Branchenlösung «Sicherheit und Gesundheitsschutz in Textilpflegebetrieben» sind unter anderen weitere Dienstleistungen für die Mitglieder. Mit zielgerichteten Aktionen pflegt der engagierte Verband das Image der Textilpflegebranche. Er wahrt die Anliegen und Interessen seiner Mitglieder als kompetenter Gesprächspartner gegenüber Behörden, Verbänden, Medien und Konsumentenschutzorganisationen. Ein wichtiges Standbein ist die Aus- und Weiterbildung. Mit ihr fördert der VTS seinen Berufsstand.

 

Grosse Branchenorganisation

Der VTS vereint über 200 Textilreinigungen, Wäschereien und Zulieferfirmen mit insgesamt rund 3000 Beschäftigten. Seine Mitglieder – davon die meisten KMU – generieren rund drei Viertel des in der Schweiz in der Textilpflegebranche realisierten Umsatzes. 
Somit sind die grössten und wichtigsten Textilpflegebetriebe im VTS organisiert. Der Verband ist zudem Mitglied bei der Euro­paen Textile Services Association ETSA, beim 
Comité International de l’Entretien du ­Textile CINET, beim Forschungsinstitut für Reinigungstechnologie wfk und bei der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege EFIT. Zudem hat er auch Zugang zu internationalem Wissen aus den Bereichen Textilservices, Wäscherei und Textilreinigung. CR