Publiziert am: Freitag, 10. Juni 2016

Künftig weitere Leistungssenkungen

STUDIE SWISSCANTO – Die aktuelle Finanzierungssituation der Pensionskassen bleibt mit rund 110 Prozent stabil. Dennoch 
akzentuiert sich das Ungleichgewicht von aktiv Versicherten und Rentnern weiter. So die Rückmeldungen von 467 Pensionskassen.

Die jährlich durchgeführte Umfrage der Swisscanto Vorsorge AG unter den Schweizer Pensionskassen widerspiegelt die anspruchsvolle Situation, in der sich die Pensionskassen und die berufliche Vorsorge aktuell befinden. Nach der Aufhebung des Euromindestkurses und der Einführung von Negativzinsen betrug die durchschnittliche Performance der Pensionskassen im Jahr 2015 1,13 Prozent gegenüber 7,13 Prozent im Vorjahr. Das angespannte Anlagejahr 2015 hat zu höheren Risikopositionen in der Vermögensallokation geführt. Zudem hat es die Pensionskassen im Vergleich zum Vorjahr Deckungsgrade gekostet. Othmar Simeon, Leiter der Swisscanto Vorsorge AG, kommentiert: «Trotz einem angespannten Anlagejahr 2015 verfügen die meisten Pensionskassen mit etwa zehn Prozent noch über genügend Reserven, um auf kurz- und mittelfristige Schwankungen zu reagieren. Damit ist die Finanzierungssituation der Schweizer Pensionskassen stabil.»

Ungleichgewicht von aktiv
Versicherten und Rentnern

Das Altersguthaben der aktiven Beitragszahler sei aufgrund der herausfordernden Kapitalmärkte gegenüber dem Vorjahr tiefer verzinst, im Jahr 2015 durchschnittlich zu 2,03 Prozent (2014: 2,55 Prozent). Im Vergleich dazu betrüge die Verzinsung der Vorsorgekapitalien der Rentenbezüger 2,80 Prozent. Aus der Differenz der Verzinsungen resultiere ein Ungleichgewicht der aktiven Beitragszahler zugunsten der aktuell Pensionierten. Während die Verpflichtungen gegenüber den aktuellen Rentenbezügern durch das Gesetz keine Anpassungen an das anhaltende Tiefzinsumfeld erlaubten, erzielten die Vorsorgekapitalien keine hinreichende Rendite an den Kapitalmärkten, um den Verpflichtungen nachzukommen. Dazu Simeon: «Die entstehende Lücke veranlasst Pensionskassen, ihre in den guten Vorjahren gehäuften Reserven zu nutzen.»

Zukünftig weniger Rente

Die Studie zeigt, dass sowohl die privat- als auch öffentlich-rechtlichen Institutionen auf die ständig steigende Lebenserwartung sowie die herausfordernden Kapitalmärkte reagieren. So korrigierten die Kassen unter Druck der zunehmenden Umverteilung und in Erwartung tieferer Renditen die technische Verzinsung der Altersguthaben weiter nach unten. Durch die Senkung des technischen Zinssatzes werde die Sollrendite geringer. Ziel der Kassen sei es, dank einer niedrigeren Sollrendite ihren Deckungsgrad und damit die Reserven zu halten. Der rückläufige Trend des technischen Zinssatzes wirke sich auf den Umwandlungssatz aus. Dieser sinke seit 2002 kontinuierlich. Eine weitere Massnahme zur Sicherung der Finanzierungssituation sei die Erhöhung des Rentenalters. Derzeit hätten rund 90 Prozent der Pensionskassen das Rücktrittsalter für Männer auf 65 Jahre festgesetzt. Für 31 Prozent der Frauen sei heute das Rücktrittsalter 65 Fakt. René Raths, Leiter Pensionskassen bei der Zürcher Kantonalbank, sagt dazu: «Die Vorsorgeinstitute haben den technischen Zinssatz und den Umwandlungssatz auf ein richtiges Mass gesenkt. Langfristig rechnen wir mit zusätzlichen Anpassungen – auch auf gesetzlicher Seite – denn das Spannungsfeld zwischen der Aktiv- und Passivseite wird sich weiter akzentuieren.»

Im Anlagejahr 2015 hätten die Pensionskassen eine Performance von durchschnittlich 1,13 Prozent (Vorjahr: 7,31 Prozent) erzielt. Somit verfehlten die Vorsorgeeinrichtungen die durchschnittlich angestrebte Zielrendite von 3,9 Prozent, aber auch die Mindestzinsvorgabe von 1,75 Prozent deutlich, trotz einer Zunahme der risikobehafteten Anlagen.

ÜBER DIE STUDIE

Rekordteilnahme

Die «Schweizer Pensionskassenstudie 2016» verzeichnet eine Rekordteilnahme von 467 Vorsorgeeinrichtungen (Vorjahr 437). Deren Vorsorgevermögen beträgt total 581 Milliarden Franken (Vorjahr 560 Milliarden Franken). Die teilnehmenden Kassen stehen für 3,4 Millionen Versicherte, 2,6 Millionen Aktive und 800 000 Rentenbezüger. Die Umfrageergebnisse repräsentieren rund ein Viertel der privaten und rund drei Viertel der öffentlich-rechtlichen Pensionskassen mit zwei Dritteln aller Destinatäre. Gemessen an der Bilanzsumme bringen die Teilnehmer gut 80 Prozent der in der Schweiz aufgeführten Vorsorgevermögen zusammen.