Publiziert am: 06.03.2020

Kampf um die besten Köpfe

UNBEZAHLTER URLAUB – Obwohl Arbeitnehmende keinen

Rechtsanspruch darauf haben, zeigen sich viele Unternehmen kulant.

Obwohl unbezahlte Urlaube den Arbeitnehmenden per Gesetz nicht zustehen, werden sie von vielen Unternehmen gewährt. Der Grund ist vor allem in der Arbeitnehmerbindung zu suchen.

«Bei 110 Arbeitnehmern planen wir für das kommende Jahr drei bis fünf unbezahlte Urlaube ein», sagte Patrick Freiburghaus, Personalleiter bei Mathys & Scheitlin (M&S), gegenüber dem KMU-Portal des Bundes. Beim auf die Entwicklung von Informatiksoftware spezialisierten Berner KMU stellt man fest: «Der Wunsch nach unbezahlten Ferien wird immer häufiger geäussert.»

Einfacher als die Rekrutierung

Weil es keinen Rechtsanspruch auf unbezahlten Urlaub gibt, steht die Handhabung den Unternehmen frei. In der Praxis werden oft Deals ausgehandelt. Besonders dann, wenn der Antrag von einem Arbeitnehmenden kommt, der für das Unternehmen eine zentrale Rolle spiele, so Freiburghaus. «Man wird immer eine gemeinsame Lösung finden. In unserer Branche herrscht ein Kampf um die besten Köpfe. Ich gehe von dem Prinzip aus, dass es einfacher ist, auf die Wünsche unserer Talente einzugehen, als sich in einen Rekrutierungsprozess zu begeben.»

Vor allem in KMU ist es wichtig, die Vertretung für die längere Auszeit frühzeitig organisieren zu können. Für kürzere Zeiträume lohnt sich unbezahlter Urlaub nicht. «Grundsätzlich wird unbezahlter Urlaub bei uns nicht für ein paar Wochen gewährt, weil damit zu viele Verwaltungsabläufe verbunden sind. Für einen kurzen Zeitraum sind der klassische Urlaub oder ein Teilzeitmodell besser.»

Das gilt es zu beachten

Und auch wenn kein Gesetz dazu besteht, sollten die Abmachungen schriftlich festgehalten werden. Denn: In rechtlicher Hinsicht bedeutet ein unbezahlter Urlaub, dass beide Parteien von ihren Pflichten suspendiert sind. Es gibt keine Arbeitsleistung und im Gegenzug keinen Lohn. Dauert der unbezahlte Urlaub länger als einen Monat, fällt man aus der Sozialversicherung. Das Gleiche gilt für das Recht auf Entschädigungen im Fall von Nichtberufsunfällen oder Krankheit. Arbeitnehmer müssen für diese Zeit eine private Versicherung abschliessen oder die bestehende Versicherung verlängern.

Ebenfalls festhalten kann man im schriftlichen Dokument, wie es sich mit dem 13. Monatslohn oder der Gratifikation verhält. Wenn der unbezahlte Urlaub den Arbeitnehmer daran hindert, seine Ziele zu erfüllen, «hat er keinen Anspruch auf den an Bedingungen geknüpften Bonus. Allerdings können die Parteien schriftlich eine Anpassung der Ziele für das laufende Jahr vorsehen», erklärt Marianne Favre Moreillon von der Rechtsanwaltskanzlei Droit Actif in Lausanne. Zudem könne der Anspruch auf Ferien für jeden Monat, in dem man vollständig aussetzt, um einen Zwölftel verringert werden.

Während eines unbezahlten Urlaubs bleibt der Arbeitnehmer ein Mitarbeiter seines Unternehmens und darf nicht für eine Drittperson tätig sein. Wird er krank, muss der unbezahlte Urlaub neu verhandelt werden. Und: Der Arbeitgeber kann eine Kündigung aussprechen. Diese wird zwar für die Zeit des unbezahlten Urlaubs aufgeschoben. Sobald der Arbeitnehmer jedoch zurück ist, erhält die Kündigung ihre Gültigkeit.

Angenehme Rückkehr

In der Praxis werde unbezahlter Urlaub nur sparsam und eher «als Belohnung für die tragenden Säulen des Unternehmens» eingesetzt, wie es Patrick Freiburghaus sagt. Er erachtet es als sehr wichtig, dass sich ein Arbeitnehmer bei der Rückkehr nach längerer Zeit sofort wieder wohl fühlt. «Ich bitte jeweils darum, dass das Team eine kleine Aufmerksamkeit für ihn vorbereitet, damit er sich willkommen fühlt und man ihm zeigt, dass man ihn nicht vergessen hat.»uhl

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