Publiziert am: 27.03.2014

«Kaum jemand würde noch eine Anlehre machen»

Steht die Lehre vor dem Aus ?– 
Ein gesetzlich geregelter Mindestlohn schadet dem dualen Berufsbildungssystem in der Schweiz. Statt eine Lehre oder eine Attestlehre zu absolvieren, tappen unsere Jugendlichen
künftig ohne Abschluss in die Armutsfalle.

«Die Mindestlohn-Initiative bedroht unmittelbar die zweijährige Anlehre, die sogenannte Attestlehre», ist Malermeister Alfons Paul Kaufmann überzeugt. Seiner Meinung nach wird kaum jemand mehr bereit sein, eine zweijährige Lehre zu machen. Doch nicht nur hier sieht Kaufmann negative Auswirkungen der Initiative: «Die Problematik sehe ich vor allem auch bei Migranten oder jungen Leuten, die unser Bildungssystem kaum kennen. Sie werden nicht abschätzen können, wie gross der Stellenwert der Berufsausbildungen in der Schweiz ist und sich folglich vom rekordhohen Mindestlohn (auch für Ungelernte) locken und die Ausbildung sausen lassen.»

«4000 wären zu viel»

Kaufmann befürchtet weiter, dass viele Jugendliche auch eine dreijährige Berufsbildung gar nicht mehr in Betracht ziehen würden. «Es ist definitiv sehr reizvoll, direkt nach der Schule und ohne Grundausbildung in das Berufsleben einzusteigen und direkt 4000 Franken zu verdienen.» Eine weitere Gefahr, die einigen Branchen drohen könnte, seien branchenspezifische Probleme. «Vor allem jene Branchen, die schon heute Nachwuchsmangel haben, wie beispielsweise die Baubranche, Plattenleger oder Dachdecker, würden noch weniger Zulauf erhalten.» Auch in der Gipserbranche würden sich negative Auswirkungen zeigen: «Schon heute lassen sich sehr wenige Jugendliche zum Gipser ausbilden. Bei Annahme der Mindestlohn-Initiative würde diese Berufsbranche wohl noch mehr zu kämpfen haben.»

Armutsfalle für Jugendliche

Dass Bildung wichtig und eine solide Lehre der beste Garant gegen Arbeitslosigkeit und somit gegen Armut ist, werden sich viele Jugendliche wohl erst dann bewusst, wenn sie in der nächsten Wirtschaftskrise als erste ihre Stelle verlieren. «Mit der Mindestlohn-Initiative setzen wir gegenüber unseren Jugendlichen völlig falsche Anreize und locken Sie so in die Armutsfalle», meint Kaufmann. Von der steigenden Jugendarbeitslosigkeit erfasst würden besonders stark diejenigen Jugendlichen, welche einen schwachen schulischen Rucksack mitbringen. Sie werden dazu tendieren zwischenzeitlich nicht zu arbeiten. Denn auch ohne Job können sie von einem Arbeitslosengeld, bezogen auf den letzten Lohn von 4000 Franken, noch gut leben. Das Risiko, dass Sie mit der Mindestlohn-Initiative Schaden nehmen werden, ist besonders hoch.

«Wir setzen 
Jugendlichen falsche Anreize.»

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