Publiziert am: 05.02.2016

Kleine würden nicht mehr bedient

WIDERSTAND DES SGV – Kundendiskriminierung für mindestens 300 Millionen: Weil Fidleg und Finig «kleine» Kunden benachteiligen, lehnt sie der Schweizerische Gewerbeverband sgv ab.

Ab nächster Woche werden das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig) beraten (vgl. Haupttext). Beide Vorlagen sollen den Finanzplatz Schweiz völlig neu aufstellen. Insbesondere wurde mehr Kundenschutz versprochen. Doch gerade das Gegenteil trifft zu. Die Vorlagen generieren pro Jahr 300 Millionen Franken Regulierungskosten und schliessen Kunden aus der Beratung aus. Bizarr? Es wird noch schlimmer.

Ganzes Risiko 
beim Kunden...

Wenn es nach dem Entwurf geht, müssen sich Kunden zunächst qualifizieren, um überhaupt beraten zu werden. Nur wer eine Eignungsprüfung hinter sich hat, kann ein Gespräch mit dem ­Finanzdienstleister führen. Und es ist nicht der Kunde, der entscheidet, welches Produkt er will. Nein, der ­Finanzdienstleister muss noch dazu eine Angemessenheitsprüfung machen. Nur «geeignete» Kunden werden mit angemessenen Produkten versorgt. Das heisst konkret: Kunden mit kleinen Vermögen oder wenig Wissen werden womöglich nicht mehr bedient. Oder sie müssen den sogenannten Haftungsausschluss unterschreiben. Damit ist die Gleichberechtigung von Kunde und Berater definitiv verloren. Denn Berater wählen ihre Kunden aus und überwälzen ihnen auch noch das ganze Risiko.

...und dafür noch zahlen

Doch es kommt noch wirrer: Neben dem Risiko werden auch noch die ganzen Regulierungskosten auf den Kunden überwälzt. Fidleg und Finig schaffen es, pro Jahr auf um die 300 Millionen Franken Regulierungskosten anzuhäufen. Das klingt nach viel, und es ist auch viel. Die Schätzung allerdings ist eher konservativ. Denn mit Aufsichtsorganisationen, Prospektprüfern, Ombudsstellen und Registern werden ganze Heerscharen von Kostenfaktoren neu ins Leben gerufen. Ihr Zweck? Regulieren und beaufsichtigen. Wen? Die unabhängigen Vermögensverwalter und andere ­Finanzdienstleister? Warum? Das weiss man nicht so genau, denn in diesen Finanz-KMU kam es bisher weder zu Skandalen noch zu staatlichen Rettungsaktionen. Die viel wichtigere Frage aber ist: Wer bezahlt die Kosten? Die Antwort ist klar: Zahlen müssen die Kunden, logischerweise.

Wer jetzt meint, der schlechten Nachrichten für die Kunden wären jetzt genug, der irrt leider. Auf sie warten weitere Bürden. Hunderte von Seiten an Prospekten, Erklärungen und Haftungsausschussformularen müssen gelesen und unterschrieben werden.

Vernichtende Bilanz

Entsprechend vernichtend fällt sie aus, die Bilanz zu Fidleg und Finig. 300 Millionen Franken Regulierungskosten pro Jahr; schlechter gestellte Kunden, die mit weniger Produkten zu schlechteren Konditionen versorgt werden. Und der Nutzen? Der lässt sich schnell beziffern: null. Weil ­Fidleg und Finig Kundendiskriminierungsvorlagen sind, lehnt sie der Schweizerische Gewerbeverband sgv ab. Sc