Publiziert am: Freitag, 16. Juni 2017

KMU erfinden sich ständig neu

INNOVATION – In gesättigten Märkten sind neue Ideen gefragt. Der Hotel Innovations-Award zum Beispiel sucht, fördert und feiert die besten Konzepte von KMU-Betrieben, damit auch andere Unternehmen von den neuen Inputs profitieren.

Nicht immer muss es die grosse Produktneuheit sein, wenn eine Innovation entsteht. Und nicht immer braucht es für innovative Leistungen modernste Technik. Auch in Sachen Innovation sei das traditionelle Handwerk sogar die Basis der KMU-Landschaft, meint Kurt Müller, Leiter des Raiffeisen Unternehmerzentrums Gossau (vgl. Nebenartikel).

Um Innovation in gesättigten Märkten zu ermöglichen, sind eben auch kleinere Schritte und Erfolge wichtig. Eine These von Kurt Müller lautet deshalb, dass ein Unternehmen, 
welches sich nicht um Innovation 
gekümmert hätte, schon längst von 
der Bildfläche verschwunden wäre. Innovation findet also häufiger statt, als man denkt, und beinhaltet nicht selten den Faktor Mensch. In einem gesättigten Markt bietet die Konkurrenz möglicherweise das gleiche 
Produkt an. Fortan zählen für den Kunden deshalb weiche Faktoren 
wie Service, Dienstleistung oder der direkte Kundenkontakt. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz top.

Innovation findet auf 
sämtlichen Stufen statt

Die Schweiz hat den Ruf als weltweit innovativste Volkswirtschaft. Dies bestätigt zum Beispiel der Global-Innovation-Index 2016 oder auch der Bericht «Forschung und Innovation in der Schweiz 2016» vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Letzterer sieht die Schweiz in diversen wichtigen Faktoren an der Spitze. Diese Erfolge im internationalen Kontext sind das Ergebnis aus Fortschrittlichkeit, Zuverlässigkeit und Experimentierfreudigkeit, die in den einzelnen Unternehmen – gerade auch in KMU – ständig betrieben werden. Sie erfinden sich ständig neu, passen sich dem Wettbewerb an und betreiben Innovation auf sämtlichen Stufen. Und das in der gesamten Bandbreite bis zum Einmannbetrieb hinunter.

Unter gesättigten Märkten und schwierigem Umfeld leidet auch die Hotellerie. Sie zeichnet deshalb besonders innovative Ideen mit dem Hotel Innovations-Award aus.

Grösste Innovation 
in der kleinsten Gemeinde

Der Hotel Innovations-Award für 
das beste Konzept eines KMU geht in diesem Jahr an das Tessiner Projekt Albergo Corippo (vgl. Kasten). «Das Projekt Albergo Corippo steht exemplarisch für die Zukunftstrends in der Hotellerie: Authentizität, Regionalität und ein ganzheitlicher 
Ansatz bei der Vermarktung einer Destination», würdigte Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, das innovative Hotelkonzept.

Eine weitere Besonderheit des Konzeptes: Der Gastgeber ist für die 
Vermarktung der gesamten Ortschaft Corippo verantworlich. Das gibt es sonst nirgends in der Schweiz und es ist bezeichnend für die gesamte Volkswirtschaft, dass eine der 
grössten Innovationen in der kleinsten Gemeinde des Landes produziert wird.

Adrian Uhlmann

Hotel 
Innovations-Award

Die Finalisten

In Graubünden soll das schweizweit erste Hotel für Yoga-Fans eröffnet werden. Das Yoga-Hotel Villa Maria in Vulpera-Tarasp soll gemäss Konzept ein Rückzugsort für jene werden, die Yoga ausüben, erlernen oder unterrichten. Auch andere Disziplinen wie Pilates, Tai-Chi oder Qi-Gong können von Lehrpersonen in Kursen angeboten werden. Damit sollen laut Projektleiter Philippe Kemmler rund 40 Prozent der Logiernächte generiert werden. Geplant ist, dass die Villa Maria im November 2017 oder 2018 in Pacht übernommen wird. Im folgenden April soll dann die Eröffnung stattfinden.

Bergland Hof Hotel BnB und Restaurant Erner Garten

Bereits im Jahr 2006 ist das Beherbergungskonzept im Walliser Bergdorf Ernen entstanden. 2016 konnte dann endlich mit der Umsetzung 
begonnen werden. Das Projekt – «Generationenhaus» genannt – 
bietet Wohn- und Lebensraum für rund 25 Personen. Primäre Zielgruppe sind ältere, aktive Menschen. 
Geschäftsführerin Ingrid SchmidBirri möchte zudem Synergien mit dem Landschaftspark Binntal und dem Musikdorf Ernen nutzen. Das «Generationenhaus» konnte bereits am 20. Mai 2017 fertiggestellt und eröffnet werden.

Hotel Nest- und Bietschhorn, Ried/Blatten

Das älteste Lötschentaler Hotel ­feiert im nächsten Jahr seinen 150. Geburtstag. Als Geschenk streben Esther Bellwald und Laurent Hubert, die Gastgeber und Eigentümer des Hotels, einen grösseren Umbau an. 14 Gault-Millau-Punkte, ein Bib Gourmand Michelin und 6 Punkte 
im «Guide Bleu» erklären am besten, 
weshalb das Hotel bereits als «das Genuss-Hotel» positioniert wurde. Mit der Renovation der Zimmer soll die Infrastruktur der Restaurant­leistung angepasst werden. Anfang 
Juli sollen die Zimmer bezugsbereit sein, im November folgt dann noch die Komplettsanierung der Küche.

Siegerprojekt: Albergo Corippo, Corippo, Valle Verzasca

Die Fondazione Corippo 1975 
hat es sich zur Aufgabe gemacht, 
das Leben im Dorf Corippo in der Valle Verzasca zu erhalten. Mittels 
Schaffung eines touristischen Be­herbergungs- und Gastronomie-
angebots soll die kleinste Gemeinde der Schweiz mit 14 Einwohnern eine Renaissance erfahren. Ein einzig­artiges Projekt. Und es hat schon eine längere Geschichte hinter sich. 
Denn nach einer Machbarkeits­-
studie im März 2010 sowie einer 
Sicherung der nötigen Finanzen im Februar 2014 folgt nun im 2017 die Umsetzung. Das Herz des Projektes ist die Schaffung des Albergo Corippo. Denn ein Hotelbetrieb bringt nicht nur mittels Gästen wieder Leben ins Dorf, sondern kurbelt auch die Wertschöpfungskette an. Die Baugenehmigung wird auf Ende 2017 erwartet. Während der Wintersaison 2017/18 wird umgebaut, sodass der Betrieb im Albergo Corippo im Frühling 2018 aufgenommen werden kann.

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