Publiziert am: 20.11.2020

KMU sind die bewährten Kräfte

CORONA-KRISE – Die reinen Fallzahlen lassen zumindest einen Silberstreifen am Horizont erahnen. Die Realität bleibt weiterhin brutal, es geht um Abertausende von Arbeitsplätzen. Während man sich um Detailfragen streitet, gibt es glücklicherweise einen glasklaren Konsens: Ein zweiter Lockdown muss unbedingt verhindert werden.

Die Fallzahlen sinken tendenziell wieder, es gibt durchaus Grund zur Hoffnung. Die Probleme liegen aber im Hier und Jetzt und sind vielerorts noch ungelöst.

Hart getroffen wurde und wird weiterhin das Gastgewerbe. Das gesamte Jahr über gab es viele Rückschläge zu verdauen, dazu gehören viele abgesagte Feiern oder Firmenanlässe. Nun trifft es auch die vielerorts beliebten Weihnachtsessen. Ob diese im Frühjahr 2021 nachgeholt werden (können), ist mehr als fraglich. Umso mehr ist schnelle und unbürokratische Hilfe angesagt, namentlich mittels Härtefallmassnahmen (vgl. Seiten 1 und 7).

Probleme ...

Bundesrat Ueli Maurer sprach an der Medienkonferenz vom 4. November davon, dass eine Strukturbereinigung in der Gastronomie und Hotellerie unvermeidbar sei. GastroSuisse konterte darauf in einer Mitteilung, dass der Bundesrat verkenne, «dass längst auch viele Betriebe von der Corona-Krise betroffen sind, die gut gewirtschaftet und nachhaltig investiert haben, deren Reserven nun aber aufgebraucht sind».

Es bleibt also in vielen Branchen dabei: Die Probleme sind längst bekannt. Was fehlt, sind griffige Lösungen. Wobei Letzteres nicht auf alle zutrifft. Wie schon in der ersten Welle im Frühling beweist das Gewerbe, dass es nicht dafür bekannt ist, auf der faulen Haut zu sitzen und auf Lösungen zu warten, sondern die Probleme aktiv und innovativ angeht.

... Lösungen

Zum Beispiel der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden. Mit der Werbekampagne «Das Bewährte bleibt, kommen Sie zu uns!» soll die Bevölkerung aktiviert werden, um das regionale Angebot des Gewerbes zu benutzen. Es wird klar betont, dass der Aufruf den Massnahmen des Bundes und des Kantons in keinster Weise zuwiderläuft. Im Gegenteil: Es wird aufgezeigt, was weiterhin erlaubt ist, und dazu gehört nun mal auch der Besuch beim lokalen Beck, der Dorfmetzg oder dem Blumenladen nebenan als Alternative zur Onlinebestellung beim Grossisten. Kurz: Die KMU sind die bewährten Kräfte, die auch in Krisenzeiten für die Bevölkerung da sind. Sie schaffen Nähe auch in Zeiten, in denen Abstandhalten angesagt ist.

Die Kampagne wurde auch vom SRF und vom Regionalsender TVO aufgegriffen, entfaltet also Wirkung. Ein positives Signal in schwierigen Zeiten.

Und es ist längst nicht das Einzige: Wir kommen zurück zu den ausfallenden Weihnachtsessen. Auch der Bündner Gewerbeverband hat sich dazu seine Gedanken gemacht und schreibt: «Viele Unternehmen überlegen sich in diesen Tagen, wie sie ihren Mitarbeitenden trotzdem Wertschätzung zum Ausdruck bringen können.» Die Lösung liefert der BGV gleich mit: «Ein Geschenk als Dank und Zeichen der Anerkennung, gerade in diesem schwierigen Jahr.» Denn: Wer Produkte und Dienstleistungen aus der Region berücksichtige, tue damit Gutes im doppelten Sinne.

Der Wert der KMU

Mit dem im Frühling gegründeten Bündner Marktplatz und der Initiative «Ein Herz für die Bündner Gastronomie» sorgt auch der BGV dafür, dass der Wert der lokalen KMU wahrgenommen wird. Das systemrelevante Rückgrat der Schweizer Wirtschaft beweist auch in Krisenzeiten, dass es weitergehen muss und kann.

Derweil hat nämlich der Gewerbeverband Basel-Stadt den Titel «Lehrling des Jahres» 2020 vergeben. Die Finalshow fand ohne Live-Publikum und online statt, genauso wie auch die Basler Berufsmesse (vgl. Seite 9). The show must go on. Das Rennen machte der 20-jährige Alessio Schnell, der eine Ausbildung zum Zeichner EFZ absolviert. Die Berufsbildung, eine weitere Stärke der KMU, kann nicht einfach ausgesetzt werden, auch wenn ansonsten so vieles stillsteht. Das Gewerbe denkt auch in Krisenzeiten weiter.

Es ist noch so ein positives Signal. Möglich gemacht dank den bewährten Kräften. Den KMU.

Adrian Uhlmann

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