Publiziert am: 22.05.2015

KMU und ihre Arbeitsplätze gefährdet

ERBSCHAFTSSTEUER-INITIATIVE – Sämtliche Steuerexperten warnen vor der nationalen Erbschaftssteuer, über die wir am 14. Juni abstimmen. Sie ist brandgefährlich für den Werkplatz Schweiz und birgt selbst für Profis grosse Unsicherheiten.

Am 14. Juni 2015 entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Erbschaftssteuer-Initiative. Bei Annahme der Initiative würden Erbschaften, die 2 Mio. Franken übersteigen, mit einem Satz von 20 Prozent besteuert und zwar rückwirkend per 1. Januar 2012. Die Initiative sieht vor, dass auf Unternehmensnachfolgen ein Freibetrag gewährt wird und der Restbetrag mit einem reduzierten Steuersatz besteuert werden soll, sofern das Unternehmen von den Erben während mindestens zehn Jahren weitergeführt wird. «Trotz dieser vermeintlichen Erleichterungen für Unternehmensnachfolgen wäre die Annahme der Erbschaftssteuer-Initiative äus­serst schädlich für den Werkplatz Schweiz», betont Reto Arnold, dipl. Steuerexperte bei der PrimeTaxe AG in Bern. Die Begünstigung für Unternehmensnachfolgen finde nur Anwendung, wenn das Unternehmen während mindestens zehn Jahren weitergeführt werde. «Was heisst jedoch, das Unternehmen weiterführen? Müssen die Erben aktiv an der Unternehmensführung beteiligt sein oder reicht es aus, dass das Unternehmen nicht verkauft wird? Genügt ein Verwaltungsratsmandat? Reicht die Fortführung durch einen Erben oder betrifft dies alle Erben? Ist die Beteiligung von Kadermitarbeitern am Unternehmen schädlich? Was geschieht, wenn sich ein neuer Investor über eine Kapitalerhöhung am Unternehmen beteiligt, um Inves­titionen zu finanzieren und dadurch das Unternehmen nicht mehr den Erben alleine gehört?», zählt der Steuerexperte zahlreiche ungeklärte Fragen der Ini­tiative auf. Völlig unklar sei zudem, nach welcher Methode das Unternehmen zu bewerten sei.

Nachfolgeregelungen 
werden verhindert

«Die Finanzierung der Erbschaftssteuer dürfte für zahlreiche Unternehmen zum Problem werden. Es wäre volkswirtschaftlich äusserst schädlich, wenn Unternehmen von den Erben einzig deshalb weitergeführt werden bzw. werden müssen, um die Vergünstigung für Unternehmensnachfolgen in Anspruch nehmen zu können», sagt Arnold. Und er betont: «Es ist unschwer zu erkennen, dass die Annahme der Erbschaftssteuer-Initiative gravierende Folgen für die Schweizer KMU hätte. Um Arbeitsplätze und die Finanzierung von Investitionen nicht unnötig zu gefährde ist daher die Erbschaftssteuer-Initiative klar abzulehnen!» ­Genau gleich beurteilt Erich Ettlin, Partner, Leiter Steuern und Recht bei der BDO AG in Luzern, die Sachlage: «Die Erbschafts­steuer­reform ist für Unternehmen verheerend, weil trotz versprochener Erhöhung der Freibeträge eine Zehn-Jahr-Fortführungsfrist Voraussetzung ist. Die Unsicherheit, dass der Unternehmer 20 Prozent Erbschafts­steuer zu bezahlen hat, wenn er die zehn Jahre nicht einhalten kann, wird viele Nachfolgeregelungen erschweren, wenn nicht sogar verhindern.»

Ein zu langer Zeitraum

Die Fortführungsfrist von zehn Jahren funktioniert auch für Roland Jeitziner, Notar und Fürsprecher bei der Rechts- und Steuerberatung der Peter Ruf AG in Langenthal, nicht: Aufgrund des Initiativtextes sei es völlig offen, wie hoch die «besonderen Ermässigungen für die Besteuerung» von Unternehmen im Nach­lassvermögen ausfallen würden. «Die für die Ermässigung verlangten zehn Jahre Weiterführung des KMU sind im heutigen schnelllebigen Wirtschaftsumfeld ein zu langer Zeitraum, auch im Vergleich zu entsprechenden Regelungen im Ausland. Völlig offen ist, ob auch zu Lebzeiten des Unternehmers umgesetzte Unternehmensnachfolgen unter die Ermässigungsregelung fallen», betont Jeitziner.

Arbeitsplätze gefährdet

Auch aus Sicht von Marc Landolt, dipl. Wirtschaftsprüfer bei der Gruber Partner AG in Aarau, ist diese neue Steuer eine Belastung, «welche die Entwicklungs­möglich­keiten unserer KMU und der Schweiz als Arbeitsplatzstandort schadet.» Eine erneute Erbschaftssteuer zwischen Eltern und ihren direkten Nachkommen würde Unternehmer hart treffen. «Im Erbanfall entzieht der Staat den KMU-Chefs erheblich Geld, das sie ihren Unternehmungen für die künftige Entwicklung nicht mehr zur Verfügung stellen können», so der Experte. Corinne Remund