Publiziert am: 03.04.2020

Kompromiss für nationale Umsetzung

qualifikationsverfahren – Der sgv setzt sich dafür ein, dass die Lehrabschlussprüfungen national pro Beruf durchgeführt werden. Der Bundesrat wird nach dem Spitzentreffen vom 9. April mit den Bildungsdirektoren und Sozialpartnern darüber entscheiden.

Das Coronavirus hat auch seine Auswirkungen auf die berufliche Grundbildung. Seit dem 19. März sind die Berufsfachschulen und überbetrieblichen Kurszentren (ÜK) geschlossen. So finden bis auf weiteres keine Präsenzveranstaltungen in Schulen, Berufs- und Fachhochschulen und anderen Ausbildungsstätten statt. Wichtige Instrumente, um effizient weiter ausbilden zu können, sind «Distance Learning» und digitale Lehrangebote. «Sowohl die Betriebe als auch die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) haben in den letzten Wochen viel geleistet, damit die Lehrverhältnisse trotz der Einschränkungen durch das Coronavirus gemäss den Ausbildungszielen durchgeführt werden können», sagt Christine Davatz, sgv-Vizedirektorin und Verantwortliche für die Berufsbildung. «Die Mehrheit der Betriebe arbeitet weiterhin, und selbst die geschlossenen Lehrbetriebe haben teils sehr innovative Ansätze gefunden, um die Lernenden weiter zu beschäftigen.» Unmittelbar betroffen davon sind auch die Lehrabschlussprüfungen von 70 000 Lernenden, die Ende Sommer damit ihre Ausbildung abschliessen.

Die Verbundpartner der Berufsbildung – darunter auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv – waren sich von Anfang an einig, dass die Qualifikationsverfahren (LAP) – insbesondere auch die praktische Arbeit – trotz der momentanen Rahmenbedingungen durchgeführt werden können und dabei auch die Qualität entsprechend hochgehalten wird. Dazu Davatz: «Der Bewerbungsprozess für die rund 70 000 Lehrabgängerinnen und -gänger wird aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in diesem Sommer erschwert sein. Es ist daher zwingend zu verhindern, dass der diesjährige Abschluss der jungen Berufsprofis aufgrund von zu stark vereinfachten oder gar nicht stattfindenden Qualifikationsverfahren als minderwertig abgetan wird.» Und die Bildungsfachfrau doppelt nach: «Das wird den jungen Fachkräften noch lange schaden. Im Vergleich zu den schulischen Bildungen ist der Eintritt in den Arbeitsmarkt unmittelbar. Entsprechend wichtig ist die Attestierung der praktischen Fähigkeiten.»

Gesamtschweizerisch umsetzen

Auch in der aktuellen Verordnung 2 über die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus ist die Durchführung der Qualifikationsverfahren vorgesehen. Allerdings haben einzelne Kantone die Prüfungen gestoppt. Eine Gruppe aus Bund, Kantonen und Sozialpertnern hatdarauf einen Kompromiss für die nationale Umsetzung der Qualifikationsverfahren ausgearbeitet, der auf der fachlichen Ebene von sämtlichen Parteien unterstützt wird. Darin wird festgehalten, dass gesundheitliche Vorschriften eingehalten werden und die Arbeitsmarktfähigkeit wie auch die berufliche Differenzierung berücksichtigt werden müssen. «Die Lehrabschlussprüfungen müssen gesamtschweizerisch umsetzbar sein», betont Davatz. Auf der politischen Ebene sehen es einige Kantone aber anders. Deshalb lädt der Bundesrat am 9. April zu einem Spitzentreffen Berufsbildung mit den Sozialpartnern und der Spitze der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Davatz hofft auf grünes Licht für den vorliegenden Lösungsvorschlag. CR

www.berufsbildung2030.ch

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