Publiziert am: 19.03.2021

Kräfte für die Zukunft bündeln

EINRICHTENSCHWEIZ – Die Digitalisierung und Vertikalisierung der Märkte sowie neue Kundenbedürfnisse führen dazu, dass sich auch die Einrichtungsbranche grundlegend gewandelt hat. Die Branche antwortet darauf mit einem starkenDachverband, um künftig noch agiler unterwegs zu sein und die veränderten Kundenbedürfnisse noch besser zu erfüllen.

Möbel kaufen, neue Vorhänge aussuchen oder den Bodenbelag erneuern: Kunden möchten vor und nach dem Kauf der Einrichtung begleitet und beraten werden. «Der Kunde kauft heute ein Lebensgefühl, nicht mehr nur ein Sofa oder einen Tisch. Und dies zu einem wettbewerbsfähigen Preis in bester Qualität bei einfacher Beschaffung und Lieferung nach Hause», sagt Walter Pretelli, Geschäftsführer des neu gegründeten Dachverbandes einrichtenschweiz. Die klassische Rollenaufteilung zwischen Hersteller und Vertrieb verändert sich laufend. «Es braucht eine enge Verzahnung entlang der gesamten Wertschöpfungskette», so Pretelli. Auf diesen Wandel antwortet die Branche mit einem starken Dachverband: einrichtenschweiz, der die drei Teilbranchen Möbelproduktion, Möbelhandel sowie das verarbeitende Gewerk nun unter einem organisatorischen Dach zusammenführt.

«Es braucht eine enge Verzahnung entlang der gesamten Wertschöpfungs-kette.»

Der neu gegründete Verband ist ein Zusammenschluss der Verbände möbelschweiz, smfv/asna und inte­rieursuisse. Die verschiedenen Bereiche der Einrichtungsbranche rücken dadurch zusammen. Der Mehrwert für die Mitglieder liegt auf der Hand: «Der Verband bringt seine Mitglieder zusammen, vertritt ihre Interessen, vernetzt sie mit verwandten Branchenakteuren und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit für eine starke Schweizer Möbelbranche und eine noch bessere Beratung aus einer Hand.»

«Smart Living» gehört zum Alltag

Die genannten strukturellen Veränderungen haben zu Umschichtungen unter den verschiedenen Akteuren geführt. Augenfällig sind die Marktveränderungen im Handel bei den grossen Möbelhäusern und -ketten. Dazu Pretelli: «Der unternehmerisch gewollte Marktaustritt von Schweizer Unternehmen wie Migros, Interio etc. hat den von langer Hand geplanten Eintritt neuer international aufgestellter Möbelkonzerne ermöglicht. Dies wird aber nicht zu einem Wachstum im Gesamtmarkt führen, sondern zu einer weiteren Verschärfung des Verdrängungswettbewerbs.» Dies bedeutet für die Branche Druck auf die Preise und eine damit verbundene Nivellierung der Qualität. Gerade Schweizer Qualität ist eine Stärke und Chance der Schweizer Möbelhersteller. Swiss made ist nicht nur ein Trend, «sondern auch Träger und Stifter von Identifikation und gesellschaftlichem Selbstverständnis», betont Pretelli. Die Schweizer Möbelhersteller sind Tradition und Innovation verpflichtet. Ihre Produktionsstandorte befinden sich vornehmlich in der Schweiz. Sie beschäftigen Schweizer Ressourcen und haben einen hohen Spezialisierungsgrad in den Herstellungsprozessen. «Dies gilt auch für die hergestellten Produkte, die sich in sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit zeigen», so Pretelli.

Längst die Möbelbranche erreicht hat auch der technologische Wandel. Digitalisierung und Vernetzung machen das Wohnen der Zukunft sicherer, bequemer und energieeffizienter. Damit wird auch die Wohneinrichtung technologischer – «Smart Living» ist längst kein Trend mehr, sondern hat Einzug in den Alltag gehalten.

Pandemie als grosse Herausforderung

Zentral für einrichtenschweiz ist die berufliche Grund-, Aus- und Weiterbildung. «Nur mit gut ausgebildeten Fachkräften bleiben wir wettbewerbsfähig und können uns auf dem Markt erfolgreich behaupten», sagt Pretelli. Aktuell lassen sich rund 200 Lernende in einem der Berufe von einrichtenschweiz ausbilden. Allerdings fehlt es oft an Lehrstellen, was eine Herausforderung für die Branche ist.

Der noch junge Dachverband agiert auch auf politscher Ebene. Hier engagiert er sich als Mitglied des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv und betreibt zudem aktiv Branchenlobbying. «Wir nehmen in unserer Branchenkommunikation überparteiliche, umsichtige, aber klar wirtschaftsfreundliche Positionen ein», sagt Pretelli. Dabei setzt sich der Verband für optimale gesetzliche Rahmenbedingungen für die Branche ein. Zunehmende Hürden sind Regulierungen und zeitintensive sowie teure, neue Gesetze, Regelungen und Vorgaben in der Branche. Hier gibt der Verband klar Gegendruck.

Aktuell machen der Branche die zwei Lockdowns mit den entsprechenden behördlich verordneten Schliessungen der «Läden» zu schaffen. «Betriebsstillstände und danach resultierende Kompensationshandlungen haben zu grosser Unsicherheit und vielen wirtschaftlichen Notsituationen geführt», stellt Pretelli fest. «Auf gesetzlicher Ebene haben die willkürlichen Eingriffe ins Marktgeschehen dazu geführt, dass die Spiesse nicht mehr für alle Beteiligten gleich lang sind. Auch kamen wieder systemische Fehler zum Vorschein, wie zum Beispiel der Umstand, dass ein Gesellschafter einer GmbH zwar Arbeitslosenentschädigung bezahlt, aber daraus keine Leistungen beziehen kann», so Pretelli. «Oftmals ist es für unsere Mitglieder eine grosse Herausforderung, nicht den Mut und die Kraft zu verlieren und weiterzumachen.»

Stärken ausspielen

Die Zukunftschancen der Möbelindustrie sieht Pretelli trotzdem positiv. Auf der Basis der aktuellen Corona-bedingten ungewissen Situation gehe die Schweizer Möbelindustrie von einer insgesamt stagnierenden Entwicklung in den kommenden Monaten aus. «Schweizer Möbelhersteller haben national und international Chancen, wenn sie ihre traditionellen Stärken – Innovationsfähigkeit, Funktionalität, Stil und Design, Qualität, Nachhaltigkeit, Flexibilität, hohe Kundenorientierung und Zuverlässigkeit – weiter ausspielen», so Pretelli. Es ist für den Erfolg wichtig, dass sich Händler wie Produzenten ein Profil aufbauen, sich abheben und sich in einer Nische gut positionieren. Der erste Schritt dazu ist mit dem neuen Dachverband bereits erfolgt.

Corinne Remund

www.einrichtenschweiz.ch

DAS MACHT EINRICHTENSCHWEiZ

Unter einem Dach vereint

Der Verband möbelschweiz und interieursuisse bündeln ihre Kräfte. Gemeinsam gründeten sie am 12. Oktober 2020 den Dachverband einrichtenschweiz. Damit reagiert die Einrichtungsbranche auf den Strukturwandel. Während einer mehr als 4-jährigen Phase bereiteten sich die Verbände auf diesen Zusammenschluss unter einem Dach vor.

Zu seinen Dienstleistungen für die Mitglieder gehören Beratung, branchenbezogene Weiterbildungsangebote, Erhebung von Branchendaten sowie das Zusammenbringen der verschiedenen Akteure. Er schafft einheitliche Qualitätsstandards für Möbelhandel und -industrie. Er fördert zudem die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mitglieder und tritt ein für die Grundsätze des fairen Wettbewerbs. Als massgebende Schweizer Branchenorganisation stellt er den Kontakt zu den Behörden, zur Wirtschaft, zu den Sozialpartnern und zur Öffentlichkeit sicher. Dabei formuliert und vertritt er auf nationaler und internationaler Ebene die Brancheninteressen von Möbelhandel und -industrie. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit über die Medien sowie Präsenz im Internet sind weitere Aufgaben. Zu seinen Kerngeschäften zählt ferner die Aus- und Weiterbildung.

einrichtenschweiz vertritt 450 Betriebe der Branche und rund 9000 Beschäftigte. Darunter finden sich die Schweizer Möbelhersteller, die grossen Möbelketten, der Schweizer Möbelfachhandel und das verarbeitende Handwerk der Einrichtungsbranche wie: Innendekorateure, Raumausstatter, Wohntextilgestalter, Einrichtungsplaner etc. 80 Prozent der Mitglieder sind traditionelle Schweizer KMU. Die Branche generiert im Wohneinrichtungsmarkt jährlich rund 4 Milliarden Franken Umsatz.

CR

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