Publiziert am: 03.05.2019

Mehr Gäste, aber weniger Umsatz

SCHWEIZER GASTGEWERBE – In der Restauration wurden im vergangenen Jahr inklusive Teilzeitstellen gegen 10 000 neue Arbeitsstellen geschaffen. Damit konnte rund ein Drittel des Stellenrückgangs seit 2008 kompensiert werden. Doch der Fachkräftemangel bereitet der Branche Sorgen.

Die insgesamt rund 29 000 Hotellerie- und Restaurationsbetriebe der Branche sind ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Das Gastgewerbe gehört zu den grössten Arbeitgebern des Landes. Die Branche gibt über 260 000 Personen eine Beschäftigung und bildet gegen 8000 Lernende aus. Erfreulich deshalb: Die Erholung im Schweizer Gastgewerbe hält an. Doch das geschieht nicht überall. Und: Der Konsum von gastgewerblichen Leistungen hat 2018 zugenommen, die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben im Ausserhauskonsum und der Umsatz pro Logiernacht sind jedoch gesunken.

Mehr Gäste konsumieren weniger

Der «gastgewerbliche Ausserhauskonsum» 2018 belief sich gemäss Hochrechnungen auf insgesamt knapp 23 Milliarden Franken. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Abnahme von gut 700 Millionen Franken (–3 Prozent). Trotz steigender Gästezahl in der Restauration (+2,4 Prozent) ist der Ausserhauskonsum gesunken. Die Zahlen basieren auf der Studie «Essen & Trinken ausser Haus» des Marktforschungsinstituts amPuls Market Research im Auftrag von GastroSuisse.

Die Beherbergung verzeichnete 2018 mit 38,8 Millionen Logiernächten einen neuen Rekord (+3,8 Prozent). Der Umsatz pro Logiernacht indessen ist seit Jahren rückläufig und hat auch 2018 weiter abgenommen (–0,1 Prozent).

Lehrlings- und Fachkräftemangel

«Das Gastgewerbe hat nach wirtschaftlich schwierigen Jahren wieder Tritt gefasst, doch die positiven Nachrichten sind zu relativieren», stellte GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer an der Jahresmedienkonferenz des Branchenverbandes für Hotellerie und Restauration in Bern fest. Die Erhaltung des Umsatzes, steigende Betriebskosten, die Suche nach Fachkräften und überbordende bürokratische Auflagen belasteten die Betriebe. Zu den grössten Sorgen der Branche zählt jedoch der Fachkräftemangel, der sowohl in der Restauration als auch in der Hotellerie zugenommen hat. «Die Rekrutierung von Fachkräften gehört zu den grössten Herausforderungen im Gastgewerbe», so Platzer. «Angesichts der Tatsache, dass die Anzahl der Lernenden im Gastgewerbe seit Jahren rückläufig ist, müssen wir davon ausgehen, dass sich der Fachkräftemangel in der nahen Zukunft sogar noch weiter verschärfen wird.» Auch die Entwicklung der Betriebszahlen beschäftigt die Branche. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Regionen gross. Vor allem bevölkerungsarme Gemeinden verzeichnen einen Rückgang. In den grössten Schweizer Städten hingegen stieg die Zahl der Betriebe an.

Erstmals ein Abstimmungsrating

Mit besonderer Aufmerksamkeit blickt GastroSuisse auf die National- und Ständeratswahlen vom 20. Oktober 2019. «Bundesbern braucht Parlamentarierinnen und Parlamentarier, welche die Interessen der Hoteliers und Restaurateure auf dem

politischen Parkett adäquat vertreten», fordert Präsident Platzer. GastroSuisse hat deshalb analog dem schweizerischen Gewerbeverband sgv – im Rahmen eines Abstimmungsratings eruiert, «welche politischen Fraktionen und Parlamentarier auf eidgenössischer Ebene am gastgewerbe- und tourismusfreundlichsten sind». Aus dem Abstimmungsrating leitet GastroSuisse Wahlempfehlungen zu den eidgenössischen Wahlen ab. Das Ranking der Fraktionen zeigt, dass die bürgerlichen Fraktionen am gastge­werbe- und tourismusfreundlichsten abgestimmt haben. Die CVP-Bundeshausfraktion schnitt am besten ab. Der zweite Platz geht an die BDP-Fraktion. Auf dem dritten Rang folgen gemeinsam die FDP und SVP.

Von aktuellen Trends profitieren

«Die aktuellen Konsumtrends bieten dem Gastgewerbe gute Chancen, um seine Stärken zu zeigen», weiss GastroSuisse-Direktor Daniel Borner. Von besonderer Bedeutung ist das zunehmende Interesse der Gäste an hausgemachten, regionalen und handwerklich hergestellten Lebensmitteln. «Die hausgemachte Küche ist für viele Konsumentinnen und Konsumenten ein relevantes Kriterium bei ihrer Restaurantwahl», stellt Borner aufgrund von neuen Umfrageergebnissen fest und zieht – entgegen dem anhaltenden Medienhype – das Fazit: «Der Trend ‹hausgemacht› ist für Gäste weit relevanter als der zur vegetarischen und veganen Ernährung.»Gerhard Enggist

www.gastrosuisse.ch

stellenmeldepflicht

Verbesserungen nötig

«Die mangelhafte Umsetzung der Stellenmeldepflicht ist noch nicht korrigiert», moniert GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer. Seit der Einführung der Stellenmeldepflicht müssen die meisten offenen gastgewerblichen Stellen dem RAV gemeldet werden. Das Gastgewerbe als personalintensive Branche mit vergleichsweise hohen Fluktuationen im Personalbestand, insbesondere vielen Teilzeitmitarbeitenden und Saisonniers ist von der Umsetzung besonders stark betroffen. «Die langen Wartezeiten führen zu einer Überbelastung des angestellten Personals und erschweren die Betriebsführung.» GastroSuisse fordert weiterhin Verbesserungen in der Umsetzung der Stellenmeldepflicht. Dazu gehört die Automatisierung der Prozesse.