Publiziert am: 21.09.2018

Mehr Kapazität auf Flughäfen

AEROSUISSE – Die Luftfahrt ist ein Teil des öffentlichen Verkehrs, sie bindet die Schweizer 
Wirtschaft an die Welt an. Deshalb setzt sich der Verband vehement dafür ein, dass die An- und Ab
flugregime der Landesflughäfen optimiert und die bestehenden Betriebszeiten erhalten bleiben.

Der Luftverkehr boomt: Letztes Jahr haben insgesamt 55 Millionen Passagiere die Schweizer Linienflug­häfen benutzt. Das sind 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. «Die Luftfahrt ist Teil des öffentlichen Verkehrs und wird unter dem Aspekt der globalen Anbindung an die Schweiz zunehmend wichtiger sein als Strassen und Schienen. Die Schweiz gehört pro Kopf der Bevölkerung zu den Ländern mit der weltweit höchsten Luftverkehrsnachfrage», sagt Philip Kristensen, Geschäftsführer von ­Aerosuisse.

Die Branche hat sich in den ­letzten Jahren verändert. «Es haben zahlreiche Konso­li­dierungen stattgefunden und weniger Akteure sind in der Luft», so Kristensen. «Dafür haben wir immer mehr Passagiere und Destinationen und grössere Flug­zeuge. Dazu ist die Fliegerei billiger geworden», stellt Kristensen fest. Für kleine Akteure wie die Schweiz sei dies eine grosse Herausforderung, sich im globalen Markt zu behaupten. «Wir müssen dazu die Entwicklungsmöglichkeiten und Kapazitäten haben, damit sich unsere Luftinfrastruktur nachfragegerecht entwickeln kann», so Kristensen. Ebenso spielten Faktoren wie die Güterabwägung zwischen Wirtschafts- und Umweltschutzinteressen und die Siedlungsentwicklung eine zentrale Rolle. «Ein grosses Anliegen ist für uns die Wettbewerbsfähigkeit der Flughäfen, die unter anderem von Gebühren, Kosten und behördliche Auflagen abhängig ist», sagt Kristensen und er ergänzt: «Es ist wichtig, dass sich die Aerosuisse für eine leistungsfähige nationale Luftverkehrsinfrastruktur und wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen einsetzt. Dazu gehören neben den Landesflughäfen auch die Regionalflugplätze.»

Die Aerosuisse befürwortet deshalb klar die Dreifachnutzung des Flugplatzes Dübendorf mit Business Aviation, Luftwaffe und Innovationspark. Der ursprüngliche Militärflugplatz ist zurzeit nur beschränkt in Betrieb. Der Dachverband unterstreicht dabei auch die grosse Bedeutung der Business Aviation für die Schweizer Volkswirtschaft. «Die Geschäftsluftfahrt generiert jährlich in der Schweiz mit über 17 300 Beschäftigten eine Wertschöpfung von über 1,4 Milliarden Franken», so Kristensen. Die Flugplätze Zürich und Genf stossen an Kapazitätsgrenzen. «Die Business Aviation hat auf dem Flughafen Zürich keinen Platz. Deshalb muss sie ausgelagert werden», erklärt der Geschäftsführer. Momentan liegt das Geschäft beim Bund. Die Aerosuisse fordert in diesem Zusammenhang auch, dass die Landesflughäfen endlich optimiert werden. «Das heisst eine raumplanerische Schaffung von Entwicklungsperspektiven bis 2040. Es braucht einen Geradeausstart auf der Piste 16 in Zürich und keine weitere Aufbürdung von Kosten und admi­ni­strativem Aufwand», konkretisiert Kristensen. «Nur so kann sich der Flughafen Zürich entlang der steigenden Nachfrage entwickeln.»

Bestehende Betriebszeiten anpassen

Optimierungspotenzial gibt es auch bezüglich Betriebszeiten in den Landes­flughafen. Die heute im internationalen Umfeld sehr restriktiven Betriebszeiten sind nach Ansicht der Aerosuisse besser abzusichern. Dazu Kristensen: «Die vergleich­baren Drehkreuze in Europa wickeln in dieser Zeit ein Vielfaches an Verkehr ab. Ein optimal funktionierendes Drehkreuzsystem ist unumgänglich, wenn wir die inter­nationale Anbindung des Wirtschafts- und Wissensstandortes Schweiz künftig nicht ­gefährden wollen.»

Dies sind auch Themen im luftfahrtpolitischen Bericht des Bundesrates (Lupo 2016). 2004 hat der Dachverband den Bundesrat motiviert, einen politischen Bericht zu machen. Wie und wo konkret der Lupo umgesetzt wird, hat die Aerosuisse 2017 laufend verfolgt und wird es auch weiterhin tun. «Mit dem Lupo 2016 ver­fügen wir über eine sehr gute Grundlage», so Kristensen.

Keine unfaire Doppelbelastung für Schweizer Airlines

Ein wichtiger Schritt für den globalen Klimaschutz im Luftverkehr ist die Ausge­staltung des CO2-Kompensationssystems Corsia, das die UN- Luftfahrtorganisation ICAO beschlossen hat. «Wir erachten dies als einen wichtigen Meilenstein. Damit sind rund 90 Prozent der weltweiten Verkehrsluftfahrt-Akteure an Board. Deshalb macht es keinen Sinn, dass Schweizer Fluggesellschaften dem europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS unterstellt werden», sagt Kristensen. «Das käme einer Doppelbelastung gleich und würde zweifellos den Wettbewerb verzerren.»

Corinne Remund

www.aerosuisse.ch

DAS macht AEROSUISSE

50 Jahre alt

Aerosuisse – der Dachverband der Schweizerischen Luft- und Raumfahrt – wurde 1968 auf Initiative des Aero-Club Schweiz, unter Mitwirkung von AOPA Switzerland, Swissair und andren Firmen und Vereinen gegründet. Damit wollte die gesamte Branche stärke in der Öffentlichkeit auftreten und die geplante Grossoffensive der Lärmliga auf die Schweizer Luftfahrt abwehren. Heute ist die Hauptaufgabe von Aerosuisse, die Interessen der Schweizer Luft- und Raumfahrt zu wahren, die Bedürfnisse der einzelnen Akteure gegen aussen zu vertreten und die Existenzgrundlagen zu sichern. Der Verband betätigt sich auch auf politischer Ebene und nimmt unter anderem Einfluss auf die Gestaltung der gesetzlichen Grundlagen im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Aerosuisse ist bestens vernetzt mit anderen Organisationen, Institutionen und Verbänden und fungiert auch als wichtige Informationsplattform für seine Mitglieder.

Der Aerosuisse gehören heute rund 150 Firmen und Organisationen an. Dazu gehören Linien- und Charterfluggesellschaften, Landes- und Regionalflughäfen, Flugplätze, Abfertigungsgesellschaften, Flugsicherung, Instand­haltungs­betriebe, Flugzeug- und Komponentenhersteller, die Luftwaffe, Firmen der Raumfahrtindustrie, Flugschulen, luftfahrtorientierte Dienst­leistungs­unter­nehmen, alle massgebenden Verbände der Schweizer Luftfahrt sowie im weiteren Sinne mit der Luft- und Raumfahrt verbundene Firmen. Davon sind rund ein Drittel KMU. Die Schweizer Raum- und Luftfahrt beschäftigt rund 190'000 Personen. Die gesamte Branche erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund 33,5 Milliarden Franken. CR