Publiziert am: 09.11.2018

Mehr Nachwuchs für die Werften

FACHKRÄFTEMANGEL – 110 Jugendliche machen eine Lehre als Bootbauer und Bootfachwart. Doch die Branche braucht dringend noch mehr qualifizierten Nachwuchs. Denn Boote sind in der wasserreichen Schweiz ein begehrtes Hobby. Sie müssen nicht nur gebaut, sondern auch liebevoll gepflegt, repariert und umgebaut werden.

100 000 Boote sind auf den zahlreichen Seen und Flüssen der Schweiz unterwegs, und jährlich kommen etwa 300 Stück hinzu. Manche werden importiert und an Kundenbedürfnisse angepasst, andere ganz neu gebaut. Von Rettungsbooten und Kursschiffen abgesehen, handelt es sich praktisch immer um Liebhaberobjekte. Sind die Boote einmal gebaut, brauchen sie weiterhin Pflege. So kommen sie zum Winter wieder in die Werft und werden dann frühlingsfit gemacht. Und ab April verlassen sie die Werft und werden zum Fluss oder See gebracht. Und während für die Bootsbesitzer in der warmen Jahreszeit «Hochsaison für Boot- und Wasserspass» herrscht, beginnt im Herbst die eigentliche Hochsaison für die Bootbauer und Bootfachwarte in den Werften. Sie konstruieren, planen und unterhalten die schwimmenden Schmuckstücke.

Noch mehr Lernende

Obwohl die Fachkräfte national und international gesucht sind, kämpft die Branche mit einem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Erst seit dem Auftritt der Bootbauer im Fernsehen anlässlich der Eröffnung der SwissSkills 2018 in Bern hat ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung die Berufe wahrgenommen. «Wir ­liegen aktuell bei 110 Lernenden bei beiden Berufen und möchten auf 160 Lernende wachsen. Dann sind wir auf einem guten Weg», sagt Vinzenz Batt, Berufsbildungsverantwortlicher beim Schweizerischen Bootbauer-Verband. Und er ergänzt: «An den SwissSkills haben wir recht oft erlebt, dass die Besucher unseres Standes überrascht waren, dass es die beiden Berufe Bootbauer und Bootfachwart überhaupt gibt, und konnten so über 100 Jugendliche für die Berufe interessieren.» Die beiden Berufe seien sehr vielseitig. «Man kann mit sehr schönen Objekten und verschiedenen Materialien arbeiten, beherrscht verschiedenste Arbeitstechniken und ist auf dem Arbeitsmarkt sehr begehrt.»

Der beste Bootbauer kommt aus Bern

Einer dieser glücklichen Bootbauer ist Florian Widmer. Der 32-Jährige Berner hat zuerst Vermessungszeichner gelernt und später bei der Firma Hächler Bootbau in Einigen/BE eine Zweitlehre als Bootbauer angehängt. Damit hat er sich den Traum erfüllt, einmal «ein richtiger Handwerker» zu werden. Am Beruf Bootbauer fasziniert ihn das vielseitige Handwerk, das «auch den Kopf ziemlich fordert», und der Bezug zu seiner ersten Lehre. Heute bietet sich ihm die Chance, einmal in Bern eine kleine Bootbau-Werkstatt zu übernehmen. Für die Zukunft träumt er davon, in ebendieser Werkstatt Boote in Einzelanfertigung zu bauen.

An den SwissSkills war Florian Widmer einer von acht Berufsleuten, die an der ersten Berufsmeisterschaft der Bootbauer teilgenommen haben. Er hat dabei sein persönliches Ziel erreicht: «Man geht hin, um zu gewinnen. Alles andere geht nicht», lacht und freut sich über seine Goldmedaille. Florian Widmer ist überzeugt, dass die gute Vorbereitung, das sichere und genaue Arbeiten, das präzise Ausmessen, das überlegte Vorgehen und die ruhige Hand zu seinem guten Ergebnis beigetragen haben. Er meint: «Gute Vorbereitung ist der beste Weg zum Erfolg.»

Paddelhobeln und Bootstaue

An den SwissSkills haben die Bootbauer und Bootfachwarte der breiten Öffentlichkeit auch die Berufe vorgestellt und sie zum Mitmachen eingeladen. Vinzenz Batt: «Im Angebot hatten wir Paddelhobeln, die Herstellung eines Schlüsselanhängers aus Karbon und Spleissen. Dabei ging es darum, Bootstaue so zu bearbeiten, dass man sie eben für den Gebrauch mit Booten benutzen kann.» An den Wettkämpfen haben acht junge Bootbauer, vier Bootfachwarte und eine Bootfachwartin teilgenommen. Die Aufgabe der Bootbauer war, ein kleines Schaukelschiff zu bauen. Die Bootfachwarte konnten dabei ihre Skills bei der Herstellung eines Bootsteils mit Einbau eines Spülbeckens unter Beweis stellen.

www.bootbauer.ch

Bootbauer und Bootfachwart

Berufe, die den Horizont erweitern

Bootbauerinnen und -bauer bauen, reparieren und restaurieren Motor-, Segel-, Ruder- und andere Boote aus Kunststoff, Metall und Holz. Zudem bauen sie Motoren, elektrische Anlagen, Kajüteneinrichtungen und diverses Schiffszubehör ein. Sie übernehmen auch Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie die Winter­lagerung der Boote. Bootfachwarte und -fachwartinnen arbeiten in Werften, wo sie sich mit der Wartung und der Reparatur von Booten und deren Zubehör wie Motoren, elektrische Installationen und Inneneinrichtungen befassen. Sie sind auch für den Transport und die Winterlagerung der Boote zuständig. Die beiden vierjährigen Ausbildungen sind vielfältig und vermitteln den Jungen ein breites Spektrum an Wissen und Arbeitstechniken mit verschiedenen Materialien.