Publiziert am: 18.05.2018

Rolf Büttiker tritt nach elf Jahren zurück

Mehr Qualität statt Quantität

SCHWEIZERISCHER FLEISCH-FACHVERBAND SFF – Zunehmende Bevormundung durch den Staat, 
ein starker Margendruck sowie einseitig offene Landesgrenzen machen der Branche nach wie vor zu schaffen. 
An der Verbandsspitze übernimmt Ständerat Ivo Bischofberger neu die Führung.

In seinem Rückblick bezeichnet der abtretende Verbandspräsident Rolf Büttiker das Fleischjahr 2017als kein einfaches Jahr, obwohl die Grill­saison und das Jahresendgeschäft mehrheitlich erfolgreich verlaufen seien. Unverändert zu schaffen machen der Fleischbranche gemäss dem alt Ständerat (FDP/SO) jedoch der nach wie vor grosse Margendruck, die faktisch einseitig offenen Landesgrenzen für Fleischeinkäufe, die häufige Instrumentalisierung des Fleischkonsums in der Öffentlichkeit sowie der anhaltende Fachkräftemangel. Die Konsumentinnen und Konsumenten setzten ganz nach dem Motto «Wahlfreiheit statt Bevormundung» vermehrt auf Qualität statt Quantität und nutzten zunehmend auch das breite Sortiment an Fleischalternativen. «Daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass der erfasste Pro-Kopf-Konsum im Vergleich zum Vorjahr über nahezu 
alle Fleischarten hinweg im Mittel um 1,9 Prozent abgenommen hat», stellt Büttiker fest. «Berücksichtigt man dabei aber auch die schwer einschätzbaren und daher nicht erfassten Fleischmengen des Einkaufstourismus und des illegalen Fleischschmuggels, dann dürfte sich der Pro-Kopf-Konsum», so Rolf Büttiker, «hierzulande mit schätzungsweise gegen 60 kg pro Kopf und Jahr (ohne Fische und Krustentiere) auf einem nach wie vor hohen Niveau bewegen.»

«Die hohen Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem grenznahen Ausland fördern gerade beim Fleisch Phänomene wie den Einkaufstourismus sowie den illegalen Schmuggel», betont Verbandsdirektor Ruedi Hadorn. Als Ursache dafür erachtet er vor allem das allgemein hohe Kostenniveau in der Schweiz, das auf rund doppelt so hohe 
Rohmaterialkosten, ca. 60 Prozent 
höhere Bruttolöhne, deutlich höhere Infrastruktur- und Regulierungskosten zurückzuführen ist. Hinzu komme noch der Druck der übrigen Wirtschaft nach einer Öffnung der Märkte, nachdem sich Handelsabkommen mit neuen Ländern nicht wie bislang ohne, sondern nur noch unter Einschluss von Agrargütern realisieren lassen.

«Wir befürworten 
daher eine vor­sichtige, abgestufte Marktöffnung 
unter Einbezug 
von ent­sprechenden Abfederungs­massnahmen.»

Die Schweizer Volkswirtschaft zeichne sich seit jeher durch eine 
hohe Exportquote aus. «Bei einer Weiterführung der bisherigen Blockadehaltung vor allem aus bäuerlichen Kreisen werden wir auch zunehmend in anderen Wirtschaftssektoren diskriminiert, so Hadorn, und er doppelt nach: «Wir befürworten daher eine vorsichtige, abgestufte Marktöffnung unter Einbezug von entsprechenden Abfederungsmassnahmen.»

«Hände weg von unseren Tellern»

Eine grosse Herausforderung für den Fleisch-Fachverband ist die Bevormundung durch den Staat. Sie kommt unter anderem in der Ernährungsstrategie 2017–2024 stark zum Ausdruck. «Die Tendenz zur Bevormundung beim Fleisch ist leider heute schon auf kantonaler, lokaler und unternehmerischer Ebene Realität. Ich denke dabei beispielsweise an den Hype bezüglich vegetarischer und veganer Ernährung», so Hadorn. Das Motto des SFF ist daher «Wahlfreiheit statt Bevormundung». Dazu Hadorn: «Hände weg von unseren Tellern, dies gilt selbstverständlich auch für alle diejenigen, die sich fleischlos ernähren.»

Corinne Remund

www.sff.ch