Publiziert am: Freitag, 27. Mai 2016

«Meine Marke steht für swissmade»

JUNGUNTERNEHMER – Alexander Heyde ist erst 17 Jahre alt, aber bereits im Begriff, sich ein eigenes kleines Unternehmen ­aufzubauen. Dabei setzt er auf typisch schweizerische Werte: Innovation, Herzblut und Fleiss.

Auf dem Tisch ausgebreitet liegen viele Taschen, typische «Turnsäckli», wie wir sie alle kennen. Oder eben «Bags», wie er sie nennt. Er, das ist der Student Alexander Heyde, 17 Jahre jung aus Benglen, eine ehemalige Hofsiedlung die zur Gemeinde Fällanden im Zürcher Oberland gehört. Er spricht ruhig, aber durchaus überzeugt von seinem Start-up. Auch ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme mit. «Ich träume davon, dass jemand in der Stadt mit einem meiner Bags herumläuft», sagt Alexander Heyde. Bis dahin könnte es noch ein weiter Weg für ihn sein.

«Ich wollte schon immer ein Start-up gründen.»

Angefangen hatte alles in den Hauswirtschaftswochen. Dort hat Alexander Heyde zum ersten Mal einen Bag genäht. «Es ist gar nicht so schwer», habe er sich damals dabei gedacht. Und das Resultat wusste zu überzeugen. Seine Schwester und seine Eltern waren an einem Bag interessiert und auch seine Freunde fanden ihn «ziemlich cool». Es schien wie die perfekte Gelegenheit für den jungen Zürcher, etwas auf eigene Faust zu erschaffen. Ein lange gehegter Wunsch: «Ich wollte schon immer ein Start-up gründen.» Dass dieser Satz nicht einfach so daher gesagt ist, bewies er mit seinem Fleiss. Er machte sich viele Gedanken über die verschiedensten Aspekte eines Unternehmens. Wie ist die Nachfrage? Wie und wo produziere ich? Was genau will ich anbieten? Alexander Heyde stellte sich diesen Fragen und opferte dafür fast seine gesamte Freizeit.

Etwas Neues kreieren

Seine Chance entdeckte der Jungunternehmer darin, dass sich die meisten Leute mit den gleichen Bags zufrieden geben mussten. Gleiche Farben, gleiche Marken. Also begann er zu zeichnen, entwarf eigene Designs und nähte seine ersten Taschen. Nicht nur Hand-, sondern auch Kopfarbeit war angesagt. Er begab sich auf die Suche nach geeigneten Stoffen und Textilfirmen. Sogar über einen Eintrag ins Markenregister machte er sich Gedanken. Bei letzterem entschied er sich allerdings dagegen, da es finanziell schlicht (noch) nicht dringelegen wäre. Die Ferien für sein eigenes Start-up zu opfern, damit hatte Alexander Heyde keine Probleme. «Wenn mich etwas interessiert, dann sitze ich dahinter und mache es auch», meint der 16-Jährige, angesprochen auf sein Zeitmanagement.

Hohe Ansprüche 
und Schweizer Qualität

Seine Marke nennt Alexander Heyde «Pine Tree». Sie soll ein Zeichen für Schweizer Qualitätsprodukte werden. «Meine Marke steht für swissmade», sagt der Gymnasiast. Die geeigneten Stoffe suche er wenn möglich in der Schweiz, produziert werde ausschliesslich hierzulande. So könne er den Prozess am besten überwachen. Und auch wenn es schwer sei mitzuhalten, ist er von seinem Vorhaben überzeugt. Dafür sieht er zwei Hauptgründe: «Es gibt noch keine solchen Bags aus der Schweiz. Ausserdem finde ich, werden sie bei der Textilfirma hier sehr gut gemacht.» Diese Qualität ist ihm offensichtlich sehr wichtig, denn mit den selber genähten Bags ist er schon lange nicht mehr zufrieden. «Sie sind mir zu ungenau, wenn ich sie selber nähe», sagt er und fügt an, «ich will, dass jeder Bag gleich aussieht.»

Geld sammeln 
mittels Crowdfunding

Ideale Begleiter für den Alltag und coole Accessoires – das sollen die Pine Tree Bags von Alexander Heyde sein. Er gibt aber auch zu, dass er im Moment in einer schwierigen Phase stecke. Auf Vorrat produzieren sei aus Kostengründen nicht möglich, aus­serdem fehle noch eine Verkaufsmöglichkeit. Ideal dafür wäre ein Online-Shop. Ein solcher ist das nächste grosse Ziel von Heyde. Deshalb sammelt er Geld mittels Crowdfunding (siehe Link). Nicht nur der Online-Shop, auch Website-Hosting, werbefreies Design und die Kreditkarten-Akzeptanz kosten ziemlich viel Geld. Der bodenständige Gymnasiast investiert zwar viel in sein Start-up-Unternehmen. Sowohl Zeit, als auch Geld. Aber Risiken geht er keine ein. Es wird nur produziert, was finanziell drinliegt. Weil Heyde kein Fremdkapital benutzt, steht er mit seinem Unternehmen weder unter Zeit-, noch unter Leistungsdruck.

«Ich habe noch 
viele Ideen.»

Aktuell werden 55 Bags genäht und in der Region verkauft. Wer weiss, vielleicht reicht das schon, um die Werbetrommel zu rühren und auf die Pine Tree Bags aufmerksam zu machen? An den Ideen von Alexander Heyde wird das Projekt nämlich sicher nicht scheitern. Er hat bereits Etuis genäht und weitere Produkte sollen später noch dazukommen. «Ich habe noch viele Ideen», sagt er überzeugt. Gut möglich, dass sein Mut, ein eigenes Unternehmen zu gründen, früher oder später belohnt wird. Ob der Durchbruch mit seinen Bags gelingt oder dann mit ganz anderen innovativen Produkten, das steht noch in den Sternen. Das Fundament aber steht. Innovation, Herzblut und Fleiss sind drei Eigenschaften von erfolgreichen Unternehmern. Alexander Heyde hat sie.Adrian Uhlmann

nachgefragt BEi Christine DAvatz

«Talente frühzeitig fördern»

Schweizerische Gewerbezeitung: Alexander Heyde beschäftigt sich schon sehr früh mit dem Unternehmertum. Ist dies eine Ausnahme oder wie beurteilen Sie das unternehmerische Engagement der Jugendlichen generell?

Christine Davatz: Es freut mich sehr, wenn junge Leute ein unternehmerisches Flair zeigen und dies auch ausleben wollen. Es gilt, diese Talente frühzeitig zu entdecken und zu fördern, egal ob man eine berufliche Grundbildung absolviert oder ins Gymnasium geht. Denken wir nur daran, wie viele Kinder gerne «Verkäuferlis» spielen. Wenn dieses Interesse und die Begabung dafür schon von klein auf beachtet und unterstützt würde, bin ich überzeugt, hätten wir noch viel mehr junge Unternehmerinnen und Unternehmer.

«Ich hoffe, dass Schweizer Qualität, Präzision, Exaktheit und Innovationskraft noch in unseren jungen Berufsleuten steckt.»

Wir haben in den Betrieben Nachfolgeprobleme. Wie könnte man die Jungen motivieren, sich vermehrt mit dem Unternehmertum auseinanderzusetzen?

Zentral ist sicher das positive Vorbild. Sehen die Jungen, dass neben der (zweifellos sehr vielen und harten) Arbeit auch viel Freude, Erfolg und Zufriedenheit, aber auch Selbstbestimmung und Führung möglich sind, motiviert es sie auch, diese Ziele anzustreben.

Die Marke «swissmade» scheint auch bei den Jungen hoch im Kurs zu sein. Wie sensibilisiert sind die jungen Berufsleute bezüglich Schweizer Qualität?

Ich hoffe, dass Schweizer Qualität, Präzision, Exaktheit und Innovationskraft noch in unseren jungen Berufsleuten steckt. Das hat die Schweiz zum Erfolgsmodell gemacht und wird es hoffentlich auch in Zukunft tun.

Interview: Corinne Remund