Publiziert am: 07.02.2020

Mit frischem Wind im Rücken

2RAD SCHWEIZ – Der Zweirad­branchen­verband befindet sich mit der Umsetzung der Strategie 2020 mitten in einer wegweisenden Phase für die Zukunft. Erfolgreiche Projekte wie die Einführung der Werkstatt­zertifizierung, vermehrtes politisches Engagement oder aktive Nachwuchs­förderungen zeigen, dass das Zweiradgewerbe sein Potenzial voll ausschöpft.

In diesem Jahr heisst es für den Verband des Zweiradfachhandels mit beiden Händen fest am Lenker kräftig in die Pedale zu treten und Vollgas zu geben: Anlässlich der im letzten Frühling verabschiedeten Strategie 2020 erfolgt eine Statutenrevision. «Dabei werden wir die bisherigen Delegiertenversammlungen in eine Generalversammlung mit allen Mitgliedern umwandeln und diese im Rahmen eines Tages des Zweirades zusammenführen», erklärt Geschäftsführer Daniel Schärer. Frischer Wind weht auch auf kommunikativer Ebene.

«Gerade im urbanen Gebiet sind Elektrofahrräder sinnvoll und voll im Trend.»

Der Klimaschutz ist in aller Munde, was sich positiv auf die Zweiradbranche insbesondere auf das Segment der Elektrobikes auswirkt. «Letztes Jahr wurden gesamthaft 345 000 Fahrräder verkauft, davon 111 000 Elektrobikes und 230 000 traditionelle Fahrräder inklusive Kindervelos», sagt Schärer und ergänzt: «Gerade im urbanen Gebiet sind Elektrofahrräder sinnvoll und voll im Trend.» Der Verband hat die Zeichen der Zeit erkannt und will auf der grünen Welle mitreiten. «In den nächsten Jahren wird sich in der Mobilitätsbranche einiges verändern, da müssen wir parat sein», so Schärer. «Wir engagieren uns mit Partnern für eine effiziente und nutzerzentrierte Umsetzung des Bundesbeschlusses Velo. Dabei hat sich der Bund 2018 verpflichtet, die Infrastruktur für Fahrräder wie Parkraum, Radwegnetze etc. attraktiver zu gestalten und zu optimieren.» Allerdings sind die Elektroflitzer mit bis zu 45 km/h auch nicht ganz ungefährlich. «Die Unfälle sind nicht überverhältnismässig, wie dies die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) immer wieder glaubhaft machen will», relativiert Schärer. Der Velohelm werde dank Elektro­velo mehr genutzt. Vielmehr ein Problem stelle jedoch das Tuning dar, das verboten sei.

Auf hohem Niveau rückläufig ist der Markt der Motorräder. Im letzten Jahr wurden rund 40 000 Töffs verkauft. «Hier fehlt uns momentan der Nachwuchs. Doch dies dürfte sich im nächsten Jahr mit der EU-Anpassung unseres Gesetzes ändern. Dann dürfen 16-Jährige bereits 125er-Maschinen fahren», stellt Schärer fest. Neuster Trend ist, eine Vespa mit Elektromotor auszustatten. So will Harley demnächst einen Elektrotöff auf den Markt bringen.

Ausbildung zum Fahrradmechaniker boomt

Einen wichtigen Stellenwert in der Verbandsarbeit hat die Aus- und Weiterbildung. 2rad Schweiz bietet die drei Grundausbildungen Fahrradmechaniker/-in EFZ, Kleinmotorrad-Fahrradmechaniker/-in EFZ sowie Motorradmechaniker/-in EFZ an. Pro Jahr werden insgesamt 280 Lernende ausgebildet. «Die Ausbildung zum/zur Fahrradmechaniker/-in EFZ entwickelt sich erfreulich. Der Beruf ist auch bei Frauen sehr beliebt. Besonders in der Westschweiz boomt ­dieser Beruf», weiss Schärer. «Wir haben zu wenig Lehrbetriebe und planen nun eine Kampagne. So hoffen wir, mehr Firmen dafür zu gewinnen, Ausbildungsplätze anzubieten.» Hart ist der Kampf um qualifizierte Fachkräfte: «Unsere Branche würde problemlos jährlich 350 neue Berufsleute aufnehmen. Die Fluktuation ist in unserem Berufsfeld gross, viele bleiben nach der Lehre nicht in der Branche», weiss Schärer. In absehbarer Zeit will der engagierte Verband seine Berufsbilder überarbeiten.

Erste Höhere Fachprüfung Betriebsleiter Zweiradbranche

Eine beliebte Massnahme, um die Jugendlichen auf die Zweiradberufe aufmerksam zu machen, sind die sogenannten Schnupperlehrboxen mit Infomaterial und Fragebogen zur Beurteilung der zweitägigen Schnupperpraktiken. «Dies ist ein wertvolles Instrument sowohl für die Jugendlichen als auch die Betriebe. Damit können wir auch das Niveau in der Selektion etwas anheben.» 2rad Schweiz ist bereits zum dritten Mal am grössten Schweizer Berufsbildungsevent Swiss Skills Bern 2020 mit dabei. «Dies ist für uns eine optimale Plattform, unsere Berufe näher vorzustellen. Zudem führen wir dort unsere Schweizer Meisterschaften der Motorrad- und Fahrradmechaniker durch», freut sich Schärer. Mit einem neuen Konzept, das den Ausstellungsrundgang direkt durch den Stand führt, erhofft sich der Verband, noch intensiver Kontakt zum Nachwuchs herzustellen und die jungen potenziellen Fachkräfte für die Zweiradberufe zu begeistern. Ein Höhepunkt in der Nachwuchsförderung ist zudem die Teilnahme am Europacup der Zweiradmechaniker. Dabei messen sich die Schweizer Berufsleute mit Kandidatinnen und Kandidaten aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien sowie den Niederlanden.

«Wir wollen uns politisch für gute Rahmenbedingungen für den Zweiradverkehr engagieren.»

Dass sich die Branche dem Wandel der Zeit anpasst, zeigt auch die erste Höhere Fachprüfung Betriebsleiter Zweiradbranche, die kürzlich in Goldau nach der neuen Prüfungsordnung durchgeführt wurde. «Die neuen Betriebsleiter sind mit ihrer nun abgeschlossenen Ausbildung bereit, Führungsaufgaben in ihren Betrieben zu übernehmen oder selbst ein Unternehmen zu führen.»

Kunden werden immer anspruchsvoller

Im Rahmen der Strategie 2020 will sich der Verband auf politischer Ebene vermehrt engagieren. «Wir sind Mitglied der parlamentarischen Gruppe Langsamverkehr und wollen uns dort für gute Rahmenbedingungen für den Zweiradverkehr engagieren», so Schärer. Themen wie die Trennung von Fahrradwegen, Velo-Schnellwege, kostenloses Parkplatzangebot in Innenstädten für Zweiräder aller Art usw. sind politische Anliegen, für welche sich der Verband künftig noch mehr Gehör verschaffen will. Immer grössere Ansprüche und Bedürfnisse der Kundschaft und immer steigende Anforderungen der Importeure im Motorradsektor sind Herausforderungen für das Zweiradgewerbe. «Der Umgang mit Lieferanten bei den Motorrädern braucht oft Fingerspitzengefühl. Ebenso ist es nicht immer einfach, in der heutigen schnelllebigen Zeit die richtige ­Betriebsgrösse zu finden.» Gemäss Schärer gehört jedoch die Zukunft der Zweiradbranche. «Gerade in urbanen Gebieten haben wir ein hohes Zukunftspotenzial.»

Corinne Remund

www.2radschweiz.ch

WERKSTATTZERTIFIZIERUNG

Vorsprung auf die Konkurrenz

Die Werkstatt im Fahrradgeschäft wird immer wichtiger. Umso zentraler ist es, sie fit zu machen und zu halten. «Das Ziel muss sein, in der Werkstatt mehr Geld zu verdienen, die Abläufe möglichst schlank und effizient zu halten und die Digitalisierung im eigenen Betrieb weiterzuentwickeln», betont 2rad-Schweiz-Geschäftsführer Daniel Schärer. Dazu hat der Verband vor einem Jahr die Werkstattzertifizierung für Fahrradbetriebe eingeführt. «Wir haben dieses Projekt von unserem deutschen Partnerverband übernommen. Der Lehrgang bietet in vier Ausbildungstagen die Basis zur Zertifizierung der Werkstatt.» Danach werden zwei Fachpersonen vor Ort kritisch, aber fair die Werkstatt nach einem standardisierten Ablauf überprüfen. «Die bisher zwölf zertifizierten Betriebe sind sehr zufrieden mit der Entscheidung, die Werkstatt neu organisiert zu haben. Dies gibt unserer Branche Schub und einen Vorsprung auf die Konkurrenz», so Schärer. CR

DAS MACHT 2RAD SCHWEIZ

Ausbildung als Kernaufgabe

Der Verband wurde 1897 gegründet und umfasste ursprünglich die Fahrrad- und Nähmaschinenbranche. In den 20er-Jahren gesellten sich die Vertreter der Motorradfachbetriebe dazu. Um 1930 gründeten die Nähmaschinenmechaniker einen eigenen Verband. 2011 erfuhr der Verband einen Namenswechsel von «Schweizerischer Fahrrad- und Motorradgewebeverband» zu 2rad Schweiz. Heute zählt der Verband 820 Mitglieder (Motorrad-, Fahrradgeschäfte sowie Mischbetriebe). Diese umfassen rund 50 Prozent aller Betriebe in der Schweiz.

2rad Schweiz ist sehr schlank organisiert. Zu den klassischen Verbandsaufgaben gehören verbandseigene Sozialwerke (AHV-Ausgleichskasse oder Pensionskasse Mobil), eine Mitgliederzeitschrift, Versicherungskollektivrabatt, Paketversandlösung sowie die arbeitsrechtliche und betriebswirtschaftliche Erstberatung usw. Eine Kernaufgabe ist die Aus- und Weiterbildung. Ebenso bietet er diverse Aus- und Weiterbildungskurse an. Der Verband wahrt die wirtschaftlichen, beruflichen und standespolitischen Interessen seiner Mitglieder. Dazu pflegt er ein breites Netzwerk mit Behörden, Ämtern, Berufsschulen und anderen Berufsverbänden, Interessen­gemeinschaften und Organisationen. Rund 12 000 Personen sind im Zweiradgewerbe beschäftigt, und der Branchenumsatz beträgt 1,2 Milliarden Franken pro Jahr. CR

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