Publiziert am: 10.04.2015

Mit Köpfchen in die Lehre

ANFORDERUNGSPROFILE – Der sgv hilft bei der Berufswahl und hat dazu eine neue praxisorientierte Grundlage entwickelt. Die Berufsprofile unterstützen die Jungen auf dem Weg in die Lehre.

Viele Jugendliche tun sich schwer, den für sie geeigneten Beruf zu finden. Je nach Branche steigen bis zu 30 Prozent der Jugendlichen aus einem Lehrvertrag aus und wechseln in eine andere Lehre oder einen anderen Betrieb. Eine Minderheit lässt die Lehre sogar sausen. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK haben deshalb in einem gemeinsamen Projekt eine neue Orientierungshilfe entwickelt. Die Anforderungsprofile zeigen, wie wichtig bestimmte schulische Kenntnisse aus Sicht der Berufswelt sind, wenn jemand eine Lehre in einem bestimmten Beruf aufnehmen möchte.

Lehrabbrüche verringern

Mit den Anforderungsprofilen liegt erstmalig eine systematische und (fast) alle Berufe umfassende Darstellung mit den schulischen Anforderungen vor. «Die Berufswahl soll auf realistischen Einschätzungen basieren. Die Jugendlichen und ihr Umfeld müssen beurteilen können, was in welchem Beruf gefragt ist und was für Kompetenzen sie mitbringen müssen», fasst sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler den Mehrwert der Anforderungsprofile zusammen. «Nur wenn es uns gelingt, die jungen Talente mit den für sie geeigneten Berufen zusammen zu bringen, werden wir die Zahl der Lehrabbrüche verringern und mehr qualifizierte Fachkräfte ausbilden können.» Zentral dabei sei, dass diese Anforderungen aus der Praxis stammen und nicht vom Schreibtisch.

Gleiche Sprache zwischen 
Schule und Wirtschaft

Die Anforderungsprofile eignen sich für den Vergleich von beruflichen Grundausbildungen. «Wir versuchen, zwischen Schule und Wirtschaft eine gleiche Sprache zu finden, wenn wir von der Schnittstelle zwischen der obligatorischen Schule und der Berufsbildung sprechen. Und in diesem Sinn haben wir mit dem jetzt vorliegenden Produkt bereits einen wichtigen Schritt gemacht», hält Regierungsrat Christoph Eymann, Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), fest. Später wird die EDK die Profile mit einzelnen Zielen des Lehrplanes verknüpfen.

«Die Anforderungen an einen Buchbinder sind andere als die an einen Polygrafen oder einen Drucktechnologen. Mit den Anforderungsprofilen können wir künftigen Lernenden vergleichbar aufzeigen, was sie wo mitbringen müssen, zeigt Peter Theilkäs, Bildungsverantwortlicher beim Verband der Druckindustrie viscom, auf. «Die Jugendlichen erhalten verlässliche Angaben. Und wir haben gros­ses Interesse, dadurch geeignete Kandidatinnen und Kandidaten auf unsere Lehrstellen zu erhalten.»

Corinne Remund

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