Publiziert am: Freitag, 19. September 2014

Mit viel Innovationsgeist bestehen

VERBAND SCHWEIZER PAPETERISTEN – Der VSP hat sein nachhaltiges Engagement schon oft unter Beweis gestellt. Als erster 
Detailhandelsverband hat er das «Blending Learning» eingeführt. Mit viel Agilität passt er sich neuen Anforderungen an.

Die Papeterielandschaft ist bunt und vielfältig wie ihre rund 40 000 Produkte. «Es gibt vom Einmannbetrieb bis zum 20-Filialen-Unternehmen alle Grössen. Die meisten Papeterien sind im stationären Geschäft und im Streckenhandel tätig. Daneben entwickeln sich je länger, je mehr Online-Shops», erklärt Christoph Meier, Zentralsekretär des VSP. Heute gibt es fast keine «reinen» Papeterien mehr, die ausschliesslich Büromaterial als Produkte führen. «Viele Papeterien erweitern in einem kontinuierlichen Prozess ihr Sortiment Richtung Bücher, Spielwaren, Bastelartikel, Fotos, Souvenirs, Büromöbel usw.», so Meier. «Da die Konkurrenz zum Teil aus völlig fremden Branchen – beispielsweise Grossverteiler, Post, Drogeriemärkte usw. – zugenommen hat, sichert sich die Branche ihre Existenz mit einfallsreichen und unkonventionellen Ideen. Es gibt sogar Papeterien, die Ablagen für die chemische Reinigung anbieten.»

«Es hat ein Verdrängungswettbewerb stattgefunden.»

Mit einem besonders aggressiven Preiskampf im Streckengeschäft bläst ein kühler Wind im Papeterie- und Bürobedarfsmarkt. «Es hat hier ein regelrechter Verdrängungswettbewerb stattgefunden. Je länger, je mehr sind auch die Grossisten und Lieferanten versucht, sich direkt an den Endkonsumenten zu wenden», stellt Meier fest. Ein weiterer neuralgischer Punkt, mit dem sich nicht nur die Papeteriebranche auseinandersetzen muss, ist die Nachfolgeregelung und Überalterung.

Die Ausbildung gehört für den Verband zum Kerngeschäft. Der VSP und der VSSD stecken dabei sehr viel Manpower in diese wichtige Aufgabe. Dazu Regula Meier, die auf der Geschäftsstelle für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich ist: «Unsere Mitglieder sind auf sehr gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal angewiesen, da ihr Fachgeschäft sonst seine Existenzberechtigung verliert.» Die Ausbildung übernehmen mit rund 200 Papeterien vorwiegend die Fachgeschäfte. Jährlich absolvieren 130 Detailhandelsfachleute und Detailhandelsassistenten in der Fachrichtung Bürobedarf/Papeterie ihre drei- respektive zweijährige Lehre. Es sind dies hauptsächlich Frauen. Die Nachfrage nach Lehrstellen sei gut, allerdings hapere es oft am schulischen Rucksack der Auszubildenden. «Da die Ausbildung immer anspruchsvoller wird und die jungen Schulabgänger zum Teil oft über mangelhafte Sozialkompetenzen verfügen, sind die ausbildungswilligen Betriebe eher rückläufig», erklärt Regula Meier.

Pionierrolle in der Ausbildung

Der VSP hat mit der Einführung des «Blending Learnings» vor rund zehn Jahren in der Detailhandelsbranche eine Vorreiterrolle übernommen. Damals wurde dieses Innovationsprojekt vom Bund finanziell unterstützt. Inzwischen hat der Verband diese Lernplattform erfolgreich aufgebaut. Diese Mischform zwischen dem Online-Lernen am Computer und fünf Präsenztagen vor Ort ersetzt die herkömmlichen ÜK. «Dabei werden die Jugendlichen immer von einem (Tele-)Coach betreut», ergänzt Regula Meier. Auch für Wieder- und Quereinsteiger bietet der Verband dieses E-Learning an. Die Lernplattform steht im Übrigen allen Interessierten als Nachschlagewerk sowie zum Selbststudium zur Verfügung.

Zahlreiche Dienstleistungen fürs Porte­monnaie

Der VSP hat seine Innovationsfähigkeit nicht nur mit dem «Blending Learning» unter Beweis gestellt. Parcel Shops in Zusammenarbeit mit DPD als erster Konkurrenzbetrieb der Post, die Mitinitiative der gewerblichen Interessengemeinschaft AS und GS sowie die Initiative der Interessengemeinschaft Rahmenverträge im ­Verbund der Verbände der Gruppe Handel des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv sind weitere Beispiele für die aktive Verbandstätigkeit und das fortschrittliche Denken dieses Detailhandelsverbandes. «Wir müssen und wollen uns auch neuen Anforderungen ständig anpassen und unsere Mitglieder durch vielfältige und auch geldwerte Dienstleistungen in eine erfolgreiche Zukunft führen», betont Meier. Es sei nämlich heute immer wichtiger, dass der Verband seinen Mitgliedern finanzielle Vorteile bieten könne. «Heute wird knallhart kalkuliert», bemerkt Meier. Wichtig sei auch, mit den Grossisten und Lieferanten zum Wohle der Bürobedarf- und Papeteriebranche zusammenzuarbeiten. Corinne Remund

VSP KURZ ERKLÄRT

2 Mia. Franken Umsatz jährlich

Der Verband Schweizerischer Papeteristen VSP wurde 1919 gegründet. Allerdings gibt es kantonale Sektionen, die schon länger existieren. Der Verband zählt rund 350 Mitglieder ganz unterschiedlicher Grösse. Nebst der Interessenvertretung, allgemeinen Branchenaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit bietet der VSP eine breitgefächerte Palette von Mitgliedervorteilen, die auch dem Portemonnaie zugute kommen. Dazu gehören Rahmenverträge mit Sonderkonditionen, vergünstigte Paketversände mit DPD usw. Das Kerngeschäft ist die Berufsbildung und die ÜKs sind im Monopolbereich des Verbandes.

Enge Synergie mit dem VSSD

Die Administration des Verbandes Schweizerischer Spielwarendetaillisten VSSD läuft ebenso über das Sekretariat des VSP. Die grosse Nähe der beiden Branchen äussert sich durch einen intensiven Austausch sowie bei der Ausbildung. Dort ist die Papeterie- und Spielwarenbranche in einer sogenannten Branchengruppe zusammengefasst und an der Berufsschule wird das Unterrichtsfach «Allgemeine Branchenkunde» gemeinsam besucht.

Der Papeterie- und Bürobedarfsmarkt in der Schweiz setzt rund 2 Mia. Franken jährlich um. Davon entfallen etwas mehr als ein Drittel auf den Verkauf an den Privatkonsumenten, der Rest auf die Belieferung von Handel, Industrie und Gewerbe. Der Papeterie-Facheinzelhandel partizipiert daran mit einem Marktanteil von ca. 30 Prozent. Der Umsatz im Spielwarenmarkt wird auf jährlich rund 400 Mio. Franken geschätzt. Ein grosser Teil davon wird im letzten Quartal des Jahres umgesetzt.