Publiziert am: 25.10.2019

Mitten im Fachkräftemangel

FEUSUISSE – Der Verband für Wohnraumfeuerungen, Plattenbeläge und Abgassysteme hat gerade eine Umbruchphase hinter sich. Organisatorisch neu aufgestellt, richtet er seinen Fokus auf die Imagekampagne sowie die Nachwuchsförderung. Zudem will er das Potenzial der Holzenergie im Rahmen der Energiewende mehr ausschöpfen.

Ofen- und Plattenbau ist ein modernes Handwerk, bei dem das Feuer als zentrales Element im Mittelpunkt steht. «Es ist ein traditioneller und auch emotionaler Beruf. Die Liebe zum Feuer sowie die Verbindung zur Keramik verlangen ein geschultes Auge für Formen und Proportionen sowie einen Sinn für Ästhetik», erklärt Corsin Farrér, Geschäftsführer von feusuisse. Deshalb sei Ofenbauer auch für Frauen wohl einer der attraktivsten Berufe im Baugewerbe. Die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses sowie der Fachkräfte ist denn auch eines der zentralen Anliegen des Verbandes. Die jungen Berufsleute werden im Ausbildungszentrum im luzernischen Dagmersellen während dreier Jahre zum Ofenbauer ausgebildet. «Hier wird eine bedürfnis- und zukunftsorientierte Grundausbildung vermittelt. Der Fachunterricht dazu erfolgt in der Berufsschule Luzern.» Ca. 15 junge Ofenbauer EZF absolvieren pro Jahr ihre Ausbildung. Dies sind aber zu wenige.

«Wir kämpfen ums Überleben des kreativen Handwerks.»

«Die Situation ist dramatisch, wir kämpfen ums Überleben der Ausbildung zu diesem kreativen Handwerk», so Farrér, und er ergänzt: «Können nicht mindestens 20 Lernende pro Lehrjahr ausgebildet werden, ist ein kostendeckender Betrieb der Fachschule nicht gewährleistet. Um genügend Fachkräfte rekrutieren zu können, benötigt die Branche rund 40 Lehrabgänge pro Jahr.» Ebenso mangelt es auch an Lehrbetrieben. Der Beruf sei einfach zu wenig bekannt, dabei verfüge er über ein grosses Potenzial nicht nur für Frauen, sondern auch für Quereinsteiger. «Als Ofenbauer hat man die Möglichkeit, sehr schnell die ganze Breite des Unternehmertums kennen zu lernen und auch mittels Fachhochschule Karriere zu machen», betont Farrér.

feusuisse gibt mit einer Nachwuchsoffensive und Imagekampagne Gegensteuer. Mit den drei Kern­botschaften «Laufbahnperspektive», «ökologisch sinnvoll» und «guter Verdienst» wird das Zielpublikum mit modernen, gewinnenden Massnahmen angegangen. Im Zuge der Kampagne, die nächstes Jahr noch intensiviert wird, wurde neu eine Teilzeitstelle für die Nachwuchsförderung geschaffen. Erstmals widmet sich eine Person ganz dieser Herausforderung. Zum Nachwuchsförderungskonzept gehören auch die Präsenz in den sozialen Medien sowie die Teilnahme an den SwissSkills Bern 2020. «Dort stellen wir den Ofenbauer bei den Kleinstberufen vor. Dies ist für uns ein wichtiges Schaufenster, das Potenzial unseres Handwerkes der Öffentlichkeit zu zeigen und somit auch wahrgenommen zu werden.»

Beruf im Wandel

Der Beruf hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre massiv gewandelt: «Aus dem ursprünglichen Hafner und Ofenbauer, welche die Kacheln des Ofens vor Jahrhunderten noch selbst hergestellt haben, ist immer mehr ein Spezialist für Wohnfeuerung geworden. Er installiert die ganze Palette von Wohnraumfeuerungen: vom traditionellen Kachelofen über das Cheminée, Cheminéeöfen, Pelletfeuerungen bis hin zu Ganzhausheizungen in modernster Haustechnikumgebung und in Kombination mit anderen Energieträgern wie der Solarenergie. Aber auch der Unterhalt von Ofenanlagen sowie die Renovation von alten, wertvollen Kachelöfen gehört zum Metier. Der Verband arbeitet im Bereich des Brandschutzes eng mit der öffentlichen Hand zusammen. «Ein wichtiger Aspekt ist für uns auch der richtige Betrieb der Holzfeuerung, wobei der Aspekt des Umweltschutzes ein wichtiger Faktor ist.» Der entscheidende Punkt ist der richtige Betrieb einer Wohnraumfeuerung. Deshalb zeigen gute Ofenbauer den Endverbrauchern auch, wie man eine Anlage richtig betreibt. So ist feusuisse ständig in konstruktivem Einvernehmen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). Auf politischer Ebene setzt sich der Verband für eine branchenverträgliche Luftreinhalteverordnung (LRV) und deren Vollzug ein.

Energiewende als grosse Chance

Gefordert wird der Verband auch im Rahmen der Energiewende. «Wir sind ein wichtiger Teil davon. Holz ist ein CO2-neutraler Energieträger und in Hülle und Fülle vor der Haustür vorhanden, weshalb es sinnvoll ist, Holzenergie effizient zu nutzen. Die modernen Holzfeuerstellen sind zudem absolut minergietauglich. Dafür brauchen wir aber genügend Fachkräfte – eine grosse Herausforderung», sagt Farrér. Er glaubt an die Zukunft der Branche: «Die Energiewende ist eine grosse Chance für uns. Unsere Umfrage anlässlich unserer Imagekampagne (siehe Kasten) hat zudem gezeigt, dass der Ofen- und Cheminéebau mehr als nur eine Nische ist.»

Corinne Remund

www.feusuisse.ch

IMAGEKAMPAGNE

Mit der Kampagne «Faktenfeuer» will feusuisse mehr Feuer in die Kommunikation bringen. Momentan läuft die Kampagne, die dem Verband zu mehr Publizität verhelfen soll, im dritten Jahr. Mit der Feuerinitiative wurde eine Um­frage zum Thema «Wohnraumfeuerungen» bei 1000 Mietern und Eigentümern durchgeführt. Das Resultat zeigt, dass Cheminées und Holzofen gefragt sind:

• Die Wohnraumfeuerung zählt bei den Eigentümern und Mietern zu den beliebtesten Ausstattungen.

70 Prozent der Mieter wären bereit, für eine Wohnraumfeuerung mehr Miete pro Monat zu zahlen.

30 Prozent der Befragten benutzen ihre Feuerung im Winterhalbjahr mehrmals in der Woche.

53 Prozent der Eigentümer benutzen ihre Feuerung zum Heizen.

60 Prozent würden im Nach­hinein noch ein Cheminée oder einen Holzofen einbauen.

Neun von zehn Eigenheimbesitzern mit einer Wohnraumfeuerung würden wieder eine wählen.

www.faktenfeuer.ch

DAS MACHT FEUSUISSEBeratungen und gut vernetzt

Unterstützung und Austausch

Der Ursprung von feusuisse findet sich in der Gründung des Schweizerischen Hafnermeisterverbandes (SHV) im Jahre 1889. Damals mussten sich die Hafnermeister und die Kachelfabrikanten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten wie der deutschen Konkurrenz, Lohnproblemen und Streiks auseinandersetzen. Gemeinsam konnte man seine Kräfte bündeln und war so stärker. An der Delegiertenversammlung 1970 in Appenzell wurden die Verbandsstatuten revidiert und damit die rechtlichen Grundlagen geschaffen, dass künftig auch reine Plattenlegergeschäfte in den SHV aufgenommen werden konnten. Dies hatte zur Folge, dass der Verbandsname auf Verband Schweizerischer Hafner- und Plattengeschäfte (VHP) abgeändert wurde. Nach der Fusion 2014 mit der Schweizerischen Kamin- und Abgasanlagenvereinigung (SKAV) stimmte die Delegiertenversammlung des VHP 2015 der Umbenennung zu feusuisse, Verband für Wohnraumfeuerungen, Plattenbeläge und Abgassysteme, zu. An der Delegiertenversammlung im Frühling in Basel gab sich der Verband eine neue Verbandsstruktur. Dabei wurden die meisten Sektionen aufgelöst, und es erfolgte ein Wechsel vom Delegiertensystem zur Direktmitgliedschaft.

Beratungen und gut vernetzt

feusuisse ist der Branchenverband für Ofenbauer, Plattengewerbe und für Abgasanlagen der Schweiz. Aktuell vereinigt der Verband rund 300 Mitglieder. Dies sind Ofenbauer-, Plattenleger- und Kaminbaubetriebe sowie Hersteller und Händler der Zulieferbranche. Der Verband fördert den Austausch für Fachleute der Branche. Zu den Dienstleistungen gehören fachtechnische und betriebswirtschaftliche Beratungen und Gutachten für Kamin- und Ofenbau, Berechnungs- und Kalkulationsprogramme sowie kostenlose Beratungen bei Rechtsfragen und zum LGAV, eine Branchenlösung für die Arbeitssicherheit EKAS, Ausgleichs- und Pensionskasse, Krankentaggeldversicherung etc. Zudem ist feusuisse Kompetenzzentrum für den Beruf des Ofenbauers und Plattenlegers. Er fördert eine qualitativ hochwertige Grundausbildung und gewährleistet ein breites Weiterbildungsangebot.

feusuisse setzt sich politisch für die Bedürfnisse seiner Mitglieder ein, vertritt die Anliegen der Branche gegenüber der Öffentlichkeit und pflegt ein verbandsübergreifendes Netzwerk mit anderen Verbänden, Organisationen und Institutionen. CR