Publiziert am: 18.09.2015

Modell bewährt sich international

FRAUEN IN KMU – Der Abschluss des zweijährigen europäischen Projektes zeigt, dass die Schweiz als Vorbild vorangeht und auch andere Länder die Anerkennung und Validierung von Kompetenzen der Frauen in der Unternehmensleitung transferieren.

2013 wurde durch den Schweizerischen Gewerbeverband sgv als wichtiger Mitträger die Berufsprüfung «Unternehmensführung KMU» über den Weg der Validierung ins Leben gerufen. Der eidgenössische Fachausweis «Unternehmensführung KMU» wurde darauf vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anerkannt und von der Europäischen Union ausgezeichnet. Der sgv und die KMU Frauen Schweiz leisten mit dem neu geschaffenen Fachausweis «Unternehmensführung KMU» bildungspolitische Pionier­arbeit. Die Studie der Universität 
St. Gallen, «Bedeutung und Positionierung von Frauen in Schweizer KMU» zeigt, dass rund 70 000 Frauen ein Familien-KMU führen. Dies bestätigt auch sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler anlässlich der Schlussveranstaltung «Women in SME: using full potential» (Frauen in KMU: schöpfen ihr Potenzial voll aus) in Zürich: «Frauen sind in der KMU-Wirtschaft überdurchchnittlich häufig in Führungspositionen tätig oder als selbständige Unternehmerinnen mit oder ohne Angestellte für eine Firma verantwortlich.»

Mit der neuen Berufsprüfung bestreiten die KMU-Frauen Schweiz einen total innovativen Weg, der auf Kompetenzen basiert, die durch Erfahrungswissen und Berufspraxis erworben wurden. Diese Kompetenzen können nun durch die Erlangung des Fachausweises offiziell anerkannt werden. «Die sogenannte weibliche ‹Schattenarbeit› wird dadurch endlich ernst genommen», betont Christine Davatz, Präsidentin der KMU Frauen Schweiz sowie sgv-Vizedirektorin. «Die Gewerbefrauen müssen, um den Fachausweis zu erhalten, nicht auf die Schulbank zurückkehren, denn sie stellen jeden Tag ihr hohes Können unter Beweis, indem sie vorab Familienunternehmen leiten und deren Fortbestand sichern», schildert Projektleiterin Diane Reinhard die Ausgangslage.

Schweizer Modell adaptiert

Die Erkenntnisse des Schweizer ­Pilotprojektes wurden im Rahmen eines zweijährigen europäischen ­Projektes mit den Pilotpartnern aus Frankreich, Slowenien und Holland ausgetauscht. Dies für den Innovationstransfer zur Erkennung und Validierung von Fachwissen und Kenntnissen an der Spitze von sehr kleinen Unternehmen (SKU) sowie von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Das schweizerische Modell wurde darauf auf diese Länder übertragen. «Auf der Grundlage der in der Schweiz gemachten Erfahrungen hatte dieses auf zwei Jahre ausgelegte Projekt zum Ziel, eine Methodologie, einen Begleitprozess und ein innovatives Instrumentarium zur besseren Anerkennung und Validierung von Fachwissen und Kompetenzen von der Frauen an der Spitze von KMU nach Europa zu transferieren», erklärt ­Davatz. Dieses Ziel wurde erreicht: Sechs Betreuer der Pilotpartner wurden in der Methodologie geschult, und 20 Frauen aus allen vier Ländern erarbeiteten eine Dokumentation dar­über. Davatz ist mit den Schlussresultaten zufrieden. «Unser Modell der Anerkennung und Validierung von Kompetenzen in der Unternehmensleitung wurde in Frankreich und Slowenien adaptiert, allerdings setzten diese Länder die Ausbildung in Gruppen um. In den Niederlanden hingegen ging es Richtung Portfolio, da heisst, die Fähigkeit wurde in einem persönlichen Portfolio dargestellt, ohne die Abgabe eines Diploms. Man wählte also den Weg über das Individuum und nicht über die Validierung.»

Auf dem richtigen Weg

Der Informationsaustauch der vier Länder zeigt klar, dass alle mit derselben Problematik zu kämpfen haben – nämlich, dass die Leistungen der Frauen in den Familienunternehmen sowie an den Führungsspitzen im Hintergrund bleiben und zu wenig oder nicht anerkannt werden. «Der Fachausweis ist ein wertvolles Instrument, dies zu ändern und die beruflichen Kompetenzen und Qualifikationen der Frauen endlich sichtbar zu machen und ihnen einen Namen zu geben», hält Davatz fest. In dieselbe Kerbe schlägt auch die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner bei ihren Schlussfolgerungen: «Wir sind mit diesem Fachausweis ‹Unternehmensführung KMU› auf dem richtigen Weg. Jetzt gilt es, die wirtschaftliche Bedeutung der Leistungen der Frauen in der KMU- Wirtschaft weiterhin noch stärker anzuerkennen und zu fördern.»

Corinne Remund