Publiziert am: 07.11.2014

Motivationsspritze für Berufswettkämpfe

BERUFSBILDUNG IM TESSIN – Die SwissSkills Bern 2014 sind für den Sonnenkanton in zweifacher Weise ein Erfolg: Das Team reüssierte mit fünf Medaillen und gleichzeitig waren diese Berufsmeisterschaften ein Auftrieb für die Entwicklung der Berufsbildung.

An den SwissSkills Bern 2014 war der Kanton Tessin mit 29 jungen Berufsleuten in 22 Berufen gut vertreten. Auch der Erfolg blieb für die Sonnenstube der Schweiz nicht aus: Drei Gold- und zwei Bronzemedaille sind die erfolgreiche Ausbeute der ersten gesamtschweizerischen Berufsmeisterschaften. Zudem hat der Berufs-Schweizer Meister Blerton Ahmeti aus Paradiso als Detailhandelsfachmann den höchsten Punktequotienten aller Berufswettkämpfe der SwissSkills Bern 2014 erzielt. Die begehrten Lorbeeren gehen somit ins Tessin. Doch dieser berufliche Megaevent in Bern ist für den Kanton Tessin mehr als bloss eine einzigartige und spannende Erfahrung. Paolo Colombo, Abteilungsleiter des Berufsbildungsamtes des Kantons Tessins, sieht die SwissSkills Bern 2014 als Motivationsspritze für die Berufsbildung im Tessin: «20 Prozent unserer kleinen Delegation hat eine Medaille erhalten. Dies hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Qualität der Berufsbildung im Tessin vorhanden ist. Wir müssen nur noch ihren Bekanntheitsgrad steigern und hierbei hat dieser Megaevent in Bern bereits für viel Auftrieb gesorgt.» Dies bestätigt auch Sara Rossini, Delegierte SwissSkills in der italienischsprachigen Schweiz: «Die Beteiligung der Tessiner Kandidatinnen und Kandidaten an den Berufs-Schweizer-Meisterschaften steigert sich von Jahr zu Jahr. Zu Beginn waren es aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades nur wenige Kandidatinnen und Kandidaten und immer in denselben Berufen. Doch jetzt ist das Interesse an solchen Wettkämpfen gerade auch wegen SwissSkills Bern 2014 sowohl auf der Seite der Berufsverbände als auch der Seite der Lernenden und der Lehrbetriebe erheblich gestiegen.»

«Das Interesse an Wettkämpfen ist bei verbänden und ­Lernenden gestiegen.»

Erste TicinoSkills

Der Kanton habe diese Berufsmeisterschaften auch als Plattform genutzt, via Medien die Bevölkerung für das duale Berufsbildungssystem zu sensibilisieren. «Wir fördern das Mitmachen der Tessiner Berufsleute an den Meisterschaften. Leider verhindert bei einigen Verbänden die Sprachbarriere noch eine Teilnahme», stellt Sara Rossini fest. Sie initiierte im Hinblick auf die Rekrutierung der Tessiner Kandidatinnen und Kandidaten für Bern die ersten TicinoSkills, welche künftig zu einem festen Eintrag in der Agenda des Kantons werden sollen.

In den letzten Jahren verzeichnet der Kanton Tessin mit fünf Jugendlichen eine eher geringe Beteiligung an den internationalen Wettkämpfen wie ­EuroSkills und WorldSkills, doch waren die jungen Berufsleute mit einer Bronzemedaille an den EuroSkills Lissabon 2010, einer Goldmedaille an den EuroSkills Spa-Francorchamps 2012 sowie der Goldmedaille und den Titel Best of Nation an den WorldSkills London 2011 an der Spitze dabei. «Wir hoffen, dass unsere Berufsleute auch an den WorldSkills 2015 in São Paulo vertreten sein werden und sich die Beteiligung der Tessiner Teilnehmenden noch mehr steigern wird», so Rossini.CR

Tessiner Berufsbildung im AUFWIND

Jährlich 3000 neue Lehrverträge

Der Stellenwert der Berufsbildung im Tessin unterscheidet sich zu demjenigen in der Deutschschweiz: Während in der Deutschschweiz rund zwei Drittel der Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit eine Berufsbildung absolvieren, verhält es sich im Tessin gemäss Claudia Sassi, Stv. Geschäftsführer des SIC Tessin, fast umgekehrt. «Im Tessin ist diese Quote tiefer und erreicht rund 40 Prozent», betont Sassi. Und Paolo Colombo, Abteilungsleiter des Berufsbildungsamtes des Kantons Tessins, konkretisierte: «Die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge beträgt jährlich 3000 und steigt stetig.»

Mangel an Arbeitskräften

Der Arbeitsmarkt in der Grenzre-
gion stehe unter grossem Druck der italienischen Arbeitskräfte aus der Lombardei. In diesem Kontext sei es entscheidend, dass die ansässigen Betriebe von der Qualität der Schweizer überzeugt seien und den jungen Leuten eine Ausbildung und damit eine Zukunft ermöglichten. Allerdings seien rund 80 Prozent der Tessiner Betriebe Kleinstunternehmen, so dass im Vergleich zur Deutschschweiz nur verhältnismässig wenige Firmen 
einen Ausbildungsplatz anbieten könnten. Dazu Colombo: «Wir konnten in den letzten Jahren eine Menge neue Ausbildungsbetriebe gewinnen.» Einzelne Berufsfachschulen wurden zudem zu Kompetenzzentren umgestaltet, dies aus geografischen Gründen, um Synergie zu schaffen und um ein vielfältiges Angebot aufrecht zu erhalten. Das Tessin möchte zudem verstärkt in die Höhere Berufsbildung investieren, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

CR