Publiziert am: Freitag, 21. September 2018

«Nachfolge fängt im Kopf an»

RAIMUND STAUBLI – Der Themenführer Nachfolge der Raiffeisen-Unternehmenszentren über 
die hohe Kunst des Loslassens und den Wert eines neutralen Gesprächspartners.

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Schweizerische Gewerbezeitung: Herr Staubli, was ist zentral, wenn Sie mit einem Unternehmer über das Thema Nachfolge diskutieren?

Raimund Staubli: Ganz klar der Unternehmer selbst und nicht sein Unternehmen. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass jemand zum ersten Gespräch seine Jahresabschlüsse mitgebracht hat und dann erstaunt war, dass wir nicht darüber sprachen.

Worüber denn?

Über Dinge wie seine persönlichen Erwartungen, Befürchtungen, Hoffnungen und Bedürfnisse. Für mich dreht sich alles um den Menschen im Unternehmer. Sind die emotionalen Aspekte zum Thema Nachfolge geklärt, ist der Weg meist frei für eine nachhaltig erfolgreiche Nachfolgeregelung.

Aber am Ende geht es doch um Daten und Fakten?

Am Ende ja. Und es gehört selbstverständlich dazu, das Unternehmen mit Hilfe von Experten zu analysieren und zu bewerten, juristische Fragen zu klären, etc. Das ist die technische Abwicklung einer Nachfolgeregelung – und meist der kleinste Teil. Der «grosse Brocken» sind die Menschen mit ihren Wünschen und Erwartungen, mit ihren unausgesprochenen Sorgen und Ängsten.

Wie gehen Sie den «grossen Brocken» an?

Indem ich Unternehmer zuerst einmal dabei unterstütze, den Mut aufzubringen, sich mental von der bisherigen Rolle zu lösen und sich in der Zukunft vorzustellen. Oder bildlich gesprochen: Indem ich Unternehmer auffordere, sich mit mir auf die Tribüne zu setzen und das Spielfeld einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen und so zu erkennen, wo sie stehen. Und dann bitte ich sie, sich in die Situation zu versetzen, ab dem nächsten Tag nicht mehr dabei zu sein und zu realisieren, was das in ihm auslöst.

Und was löst das aus?

Die meisten sind erst einmal überrascht. Unternehmer, die ihr ganzes Leben in den Dienst ihrer Firma gestellt haben, identifizieren sich ganz und gar mit dieser Rolle und oft auch mit dem damit verbundenen gesellschaftlichen Status. Sich da herauszunehmen und sich eine Zukunft ohne all das vorzustellen, ist nicht einfach, aber hilfreich beim Loslassen. Nachfolge beginnt im Kopf.

Bedeutet das, Loslassen ist die grösste Herausforderung?

Ja. Sich von der Identität des Unternehmens zu lösen, ist der Schlüssel zum Erfolg. Diesen Schritt zu machen, ist die grosse Herausforderung, nicht für mich, sondern für den Unternehmer. Oftmals handelt es sich um ein Lebenswerk, und man war bislang der Einzige, der alle Fäden in der Hand hatte. Kommt dazu, dass bei diesem Prozess oftmals ganz verschiedene Menschen mitbetroffen sind, beispielsweise Partner, Kinder, Ehefrau, etc. Auch sie haben ihre 
Erwartungen und Wünsche.

Was gilt es bei einer Nachfolge zu vermeiden?

Man sollte keine Lösung erzwingen. Ich habe einen Fall erlebt, bei 
welchem ein Unternehmen fast Konkurs gegangen wäre, nur weil der Patron sich darauf versteift hatte, den Betrieb innerhalb der Familie weiterzugeben, dabei aber von der Qualität des einzigen Sohnes nicht überzeugt war. Der Sohn wurde 
systematisch vorbereitet und eingesetzt, aber der Patron hatte kein Vertrauen und liess ihn nicht gewähren. Dies artete soweit aus, dass sie sich gegenseitig bekämpften und vor lauter Streit den Anschluss an den Markt verpasst haben. Der Umsatz brach in der Folge um 50 Prozent ein, und das Unternehmen geriet in eine bedrohliche Schieflage. Unter Druck des Verwaltungsrates wurde ein externer Geschäftsführer eingestellt – eine Bestätigung für den 
Patron, dass er recht gehabt hatte.

Sie haben nun schon unzählige Nachfolgen begleitet. Welches sind Ihre drei wichtigsten Erkenntnisse?

1. Frühzeitig einen erfahrenen neutralen Nachfolgecoach als wohlwollend kritischen Sparringpartner beiziehen. Eine nachhaltig erfolgreiche Nachfolgelösung ist komplexer als vielfach angenommen.

2. Offen sein, auch für unkonven­tionelle Lösungen, denn nicht 
die erstbeste ist auch die für alle 
Beteiligten nachhaltig optimale 
Lösung.

3. Die Erwartungen und Bedürfnisse aller Beteiligten müssen sehr früh abgeholt und auf einen Nenner 
gebracht werden.

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Raiffeisen-Nachfolgebox

Raiffeisen bietet Unternehmern in Zusammenarbeit mit dem Raiffeisen-Unternehmerzentrum (RUZ), Business Broker AG und Vorsorge Partner AG eine ganzheitliche Begleitung während des gesamten Nachfolgeprozesses. Dabei werden von neu­tralen und erfahrenen Unternehmern die individuellen Bedürfnisse thematisiert, Emotionen berücksichtigt und mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt. Alle Infos zur Raiffeisen-Nachfolgebox und mehr Hintergrundwissen zur Nachfolge finden sich im Internet unter www.raiffeisen.ch/­nachfolge.