Publiziert am: 24.04.2015

Nachlassplanung sorgfältig vorbereiten

NACHFOLGEREGELUNG – Für den Zürcher Rechtsanwalt Patrick von Arx ist die rechtzeitige Planung des Nachlasses für Unternehmer unerlässlich und Garantie, dass ein KMU erfolgreich weitergeführt werden kann.

Im Rahmen der nationalen Erbschaftssteuer, worüber am 14. Juni an der Urne entscheiden wird, meldet sich Patrick Von Arx, Zürcher Rechtsanwalt und Spezialist für Nachfolgeregelungen zu Wort: In den kommenden Jahren steht bei tausenden von Schweizer KMU der Generationenwechsel an. Nur wenn dieser ge-lingt,können auch die Arbeitsplätze erhalten werden. Jede erfolgreiche familieninterne Unternehmensnachfolgeregelung ist das Resultat einer erfolgreichen erbrechtlichen Nach­lassplanung.

«wenn der Generationenwechsel gelingt, können Arbeitsplätze erhalten werden.»

Nachfolgend wird erläutert, was KMU-Unternehmer bei ihrer Nachlass­planung unter den Gesichtspunkten des Erbrechts und des Ehegüterrechts beachten sollten: Nehmen wir als Beispielfall an, der Unternehmer sei verheiratet, er habe mit seiner Frau zwei gemeinsame Kinder und er habe das Familienunternehmen während der Dauer der Ehe aufgebaut. Da das Unternehmen zum ehelichen Vermögen gehört, wird dieses im Fall des Todes des Unternehmers nach den Regeln des Zivilgesetzbuchs (ZGB) grundsätzlich wie folgt aufgeteilt: Die überlebende Ehefrau erhält vorab die Hälfte des Unternehmens, da dieses zum ehelichen Vermögen gehört. Nur die zweite Hälfte des Unternehmens fällt in den Nachlass und wird unter den Erben des Unternehmers aufgeteilt. Die Erben des Unternehmers sind seine zwei Kinder sowie seine Ehefrau. Der Nachlass wird je hälftig zwischen der Ehefrau und den Kindern aufgeteilt. Gesamthaft erhält die Frau von Gesetzes wegen somit 75 Prozent und die beiden Kinder erhalten zusammen 25 Prozent des Unternehmens. Diese Zahlen zeigen anschaulich, dass das Familienunternehmen nur dann überhaupt in der zweiten Generation weitergeführt werden kann, wenn der Unternehmer seinen Nachlass mit geeigneten Mitteln des Ehegüterrechts und des Erbrechts rechtzeitig regelt.

Ehevertrag und Testament

Will der Unternehmer sein Unternehmen an seine Kinder weitergeben, so sollte er als erste Massnahme mit seiner Ehefrau einen Ehevertrag abschliessen und darin vereinbaren, dass im Fall seines Todes das gesamte Familienunternehmen in seinen Nachlass fallen soll.

«eine professionelle Planung führt zu einer reibungslosen Weiterführung des KMU.»

Als zweite Massnahme sollte der Unternehmer sodann in seinem Testament festlegen, welche seiner Erben (Ehefrau, Kinder) welche Anteile am Unternehmen erhalten sollen, wobei der Unternehmer dabei die Pflichtteile seiner Erben respektieren muss. So kann er beispielsweise seine Ehefrau und ein Kind auf den Pflichtteil setzen und demjenigen Kind, welches das Unternehmen weiterführen soll, nebst dessen gesetzlichem Erbteil auch zusätzlich die gesamte verfügbare Erbquote zuwenden.

Noch grössere Freiheiten bei der Nachfolgeregelung ergeben sich jedoch, wenn der Unternehmer mit seiner Frau und den Kindern einen Erbvertrag abschliessen kann. Soll zum Beispiel eines der zwei Kinder sämtliche Aktien des Unternehmens erhalten, so ist denkbar, dass im ­Erbvertrag die übrigen Erben (überlebende Ehefrau und zweites Kind), allenfalls gegen Bezahlung einer finanziellen Abfindung, auf alle Ansprüche am Familienunternehmen verzichten und sich damit einverstanden erklären, dass sämtliche Aktien und somit das Unternehmen im Fall des Todes des Unternehmers dem ersten Kind zugeteilt wird. In der Praxis sind die Verhältnisse in der Regel viel komplizierter als in unserem Beispielfall. Mit einer professionellen Planung unter Einsatz aller ehegüterrechtlichen und erbrechtlichen Planungsmittel kann erreicht werden, dass das KMU beim Ableben des Unternehmers nicht zerschlagen werden muss, sondern reibungslos und ohne Überraschungen auf die nächste Generation übertragen und von dieser weitergeführt werden kann.