Publiziert am: Freitag, 6. Juni 2014

Nebst schützen auch nutzen

PETITION – Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit der Bergregionen müssen gestärkt werden. Dieses Ziel verfolgen mehrere Berufsverbände. Auch der sgv unterstützt die Anliegen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Natur- und Landschaftsschutz in der Schweiz kräftig ausgebaut, besonders auch in den ländlichen Regionen und in den Berggebieten. Damit werden die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten dieser meistens ohnehin schon strukturschwachen Regionen und das Selbstbestimmungsrecht der dort ansässigen Bevölkerung teilweise massiv eingeschränkt. Man erinnere sich hierbei auch an die Auswirkungen der Zweitwohnungs-Initiative.

Mit einer Petition verschiedener Verbände – der Schweizerische Baumeisterverband, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und der Schweizer Bergführerverband – soll nun Gegensteuer gegeben werden. Der sgv unterstützt dieses Anliegen und ruft alle Leserinnen und Leser der Schweizerischen Gewerbezeitung dazu auf, die Petition online zu unterschreiben.

Warum diese Petition?

Der Alpenraum und der Jura machen zwei Drittel der Schweiz aus. Diese unverwechselbaren Gebirgslandschaften haben unser Land geprägt und es in der Welt bekannt gemacht. Es ist deshalb zweifellos wichtig, dass wir zu dieser Landschaft Sorge tragen. Die Landschaft bietet jedoch mehr als Schönheit, Naturerlebnis und Erholung. Sie bildet ebenso sehr die Lebensgrundlage für die dort ansässige Bevölkerung und ihre Wirtschaft.

Damit die Landschaft die vielfältigen touristischen, wirtschaftlichen, ökologischen, und sozialen Aufgaben erfüllen kann, muss sie für Einheimische und Gäste zugänglich sein. Der Schutzgedanke hat zwar viel dazu beigetragen, die Landschaften zu erhalten, doch bewahren lässt sich auf Dauer nur, was gepflegt und auch aktiv genutzt wird. Es ist deshalb wichtig, die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der Bergbevölkerung zu stärken und die Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen und Berggebieten zu erhalten und auszubauen. Dazu gehört auch eine ausreichende Ausstattung mit den notwendigen Infrastrukturen und Dienstleistungen. Sonst droht, überspitzt formuliert, eine Zweiteilung unseres Landes in eine wirtschaftlich dynamische A-Schweiz im Mittelland und eine zu Naturreservaten degradierte B-Schweiz in den ländlichen Regionen und Berggebieten.

Keine zweigeteilte Schweiz

Mit der Unterzeichnung dieser Peti­tion setzen die Interessenten ein klares Zeichen, dass sie keine zweigeteilte Schweiz wollen und der Nutzen in den Bergregionen ebenso hoch zu gewichten ist wie das Schützen. Bei der Inter­essenabwägung müssen in Zukunft die Nutzungsaspekte und die wirtschaftlichen Anliegen der Bergbevölkerung besser berücksichtigt werden, es braucht mehr Selbstbestimmung in den Bergregionen. Die Bergbevölkerung hat genauso wie die urbane Bevölkerung ein Recht auf wirtschaftliche Entwicklung, sie braucht Zukunftsperspektiven. Attraktive Arbeitsplätze in den Berggebieten tragen schliesslich dazu bei, den Siedlungsdruck im Mittelland und die Pendlerströme zu reduzieren, ganz im Interesse eines Abbaus des viel zitierten, vermeintlichen «Dichtestresses».

Rudolf Horber, Ressortleiter sgv