Publiziert am: Freitag, 6. Juli 2018

Neue Aufgaben für Apotheker

PHARMASUISSE – In der Branche hat in den letzten Jahren ein starker Wandel stattgefunden. Die Politik überträgt den Apotheken mehr Verantwortung und sieht sie als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Grosse Herausforderung sind die Digitalisierung und der Schritt zu zeitgemässen Apotheken.

Die Apothekerbranche hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung durchgemacht. «Die Apotheker haben sich von Medikamentenherstellern über Logistiker zu Gesundheitsdienstleistern entwickelt», erklärt Fabian Vaucher, Präsident von pharmaSuisse. In der Schweiz gibt es 1800 Apotheken, davon sind 1500 pharmaSuisse angeschlossen. «Es besteht ein Trend zu Ketten und Gruppierungen», so Vaucher. Bei den Neueröffnungen und Schliessungen fällt auf, dass vor allem die Städte von strukturellen Änderungen betroffen sind: Neue Apotheken öffnen ihre Türen an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfen, Einkaufszentren und in der Innenstadt. Umgekehrt erfahren Stadtquartiere und ländliche Gebiete gerade das Gegenteil. Dazu Vaucher: «Fehlt hier die Apotheke, ist dies für chronisch kranke Menschen eine einschneidende Beeinträchtigung ihrer medizinischen Grundversorgung.»

«Wir spüren den Fachkräftemangel und können mit unseren Absolventen nicht mal die Hälfte des Bedarfs abdecken.»

Das Kostenwachstum im Schweizer Gesundheitswesen ist eine grosse Heraus­forderung. Die nötigen Einsparungen sollten nicht zulasten der Gesundheit der Bevölkerung gehen, auch wenn die Nachfrage von Herrn und Frau Schweizer nach leicht ­zugänglichen Gesundheitsdienst­leistungen steigt. Angesichts des Mangels an Hausärzten sind deshalb ­clevere Lösungen gefragt. Das Parlament hat dies erkannt und beschlossen, die Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker zu erweitern. Sie sollen kranke Menschen betreuen und beraten, die Gesundheit ihrer Kunden fördern und als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen rasch und unkompliziert unterstützen. «Dies wird von der ­Bevölkerung begrüsst. Täglich über 300 000 Kunden und Patienten setzen auf die Beratung von Apothe­kerinnen und Apothekern», sagt ­Vaucher.

Der Kulturwandel hin zu einer wichtigeren Rolle der Apotheker geschieht gemäss Vaucher langsam, ist aber dennoch klar erkennbar. «Heute kann die Mehrheit der Bevölkerung sich vorstellen, ein Krankenkassenmodell zu wählen, dass bei gesundheitlichen Problemen eine Erstabklärung in einer Apotheke ­beinhaltet.»

Die moderne Apotheke

Ein grosses Thema, das angepackt werden muss, ist die Digitalisierung. In diesem Zusammenhang sehr wichtig ist das elektronische Patientendossier ePD. «Wir möchten zusammen mit anderen Partnern eine Gesundheitsplattform realisieren», so Vaucher. Und er ergänzt: «Es ist wichtig, das Thema Digitalisierung rasch anzugehen. Deshalb haben wir mehrere Spezialisten beigezogen. Es braucht hier das Engagement der gesamten Apothekerschaft.» Mit dem Medikamentenroboter, der gesamten Bestelllogistik und Automatisierung der Abrechnung hat die Digitalisierung bereits in den Apotheken Einzug gehalten. «Es werden uns damit aber noch mehr Möglichkeiten eröffnet», so Vaucher. «Auch die Modernisierung der Apotheken beschäftigt uns sehr. Nur so können wir die Bedürfnisse der Kunden vollumfänglich erfüllen und noch viel präsenter für unsere Kundschaft sein», sagt Vaucher.

«Wir sind kosten-sparende Akteure mit einem enormen Potenzial.»

Im schwierigen gesundheitspolitischen Umfeld ist es für die Apotheken immer wieder eine Herausforderung, sich als Kostensenker zu beweisen. «Wir sind kostensparende Akteure mit einem enormen Potenzial, da wir nahe beim Kunden sind sowie schnell verfügbar und lösungsorientiert sind», betont Vaucher und bedauert gleichzeitig: «Leider sind die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht adaptiert und die Ärzte haben noch immer das Monopol für die von den Kranken­kassen bezahlten Leistungen. Hier braucht es dringend neue Ansätze, insbesondre auch, wenn es um interprofessionelle Arbeiten (Betreuung durch Spitex/Heime) geht.»

Ein zentrales Anliegen im Verband ist die Aus-, Weiter- und Fortbildung. Der Weg zum Apotheker führt über das fünfjährige Pharmaziestudium. In der Schweiz ist seit dem Herbstsemester 2017 das Pharmazie­studium in voller Länge an den vier Hochschulen Basel, Genf, ETH Zürich und neu in Bern möglich. «Die Zahl der Studierenden ist in den ­vergangenen Jahren relativ stabil ­geblieben, wobei der Frauenanteil ­circa zwei Drittel beträgt», sagt Vaucher. Obwohl die Zahl der Studienanfänger steigt, schliessen nur rund 50 Prozent ab. Wir spüren den Fachkräftemangel und können mit unseren Absolventen nicht mal die Hälfte des Bedarfs abdecken», so Vaucher. Rund 1000 Lernende absolvieren jährlich die dreijährige Lehre zur Pharma-Assistentin EFZ. «Hier mangelt es uns zum Teil an qualifizierten Schulabgängern. Ebenso spüren wir Lehrabbrüche sowie die Akademisierung der Berufsausbildung», so Vaucher. Die Lehre soll mit der Perspektive auf eine spannende Weiterbildung attraktiver werden.

Vaucher blickt aber optimistisch in die Zukunft. «Wir Apotheker sind uns gewohnt, vorauszuschauen und uns in einem agilen und innovativen Umfeld zu bewegen. Dies werden wir auch weiterhin tun, denn nur so können wir unser Potenzial voll ausschöpfen. Nicht ohne Grund heisst unser Jubiläumsmotto «Seit 175 Jahre voraus.» Corinne Remund

www.pharmasuisse.org/de

Das macht PHARMASUISSE

Gesundheitspartner verbinden

1842 gründeten auf Initiative von Theodor Hübschmann führende Apotheker in Zürich den Schweizerischen Apothekerverband. Heute heisst der Berufs­verband mit Sitz in Bern-Liebefeld pharmaSuisse. Der Verband betreibt ein grosses Netzwerk auf nationaler Ebene. Er schafft optimale Rahmenbe­dingungen für seine Mitglieder und engagiert sich auf politischer Ebene.

Ein zentrales Anliegen ist die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Apotheker. Dem Verband sind rund 6300 Einzelmitglieder und 1500 Apotheker ange­schlossen. Rund ein Drittel sind Kettenapotheken, zwei Drittel sind KMU. Über 21 000 Personen verdienen ihren Lohn in der Apotheke. Die Branche der öffentlichen Apotheken macht einen jährlichen Umsatz von knapp vier Milliarden Franken.

pharmaSuisse feiert dieses Jahr das 175-Jahr-Jubiläum. Dazu sind viele Jubiläumsaktionen geplant wie eine Jubiläumsbriefmarke. Die Kundinnen und Kunden erhalten ein Experimentierset und die ganz Kleinen ein Büchlein über die Apotheke. Höhepunkt ist die Jubiläumsfeier im Oktober in Montreux. Sie besteht aus einem internationalen Treffen mit Partnern aus Kanada, Australien, Portugal, Frankreich, Österreich und Deutschland, der ausser­ordentlichen Generalsversammlung sowie der Jubiläumsfeier. Dabei werden Lösungen für die Zukunft diskutiert, wie zum Beispiel die «Apotheke der Zukunft», die Digitalisierung und «Good Practice» aus dem Ausland. CR