Publiziert am: 10.04.2015

Neue Welt nach Entscheid der SNB Dienstleistung: Ertragslage Industrie: Ertragslage Dienstleistung: Geschäftslage Industrie: Auftragslage

KMU-Barometer – Das Barometer der UBS hat sich bei den Grossunternehmen und den KMU auf breiter Front verschlechtert. Auch KMU erlitten Einbrüche. Ihre Lage verbesserte sich im Januar aber bereits wieder.

Die Aufgabe der Kursuntergrenze hat bei den Industrieunternehmen deutliche Spuren hinterlassen. Das Barometer für die kleinen und mittleren Industrieunternehmen ist im Februar deutlich von minus 0.46 auf minus 1.29 Punkte gesunken. Bei den Grossunternehmen war der Einbruch des Barometers viel weniger stark, es fiel von minus 0.34 auf minus 0.73 Punkte. Der SNB-Entscheid dürfte sich aber nicht nur auf die eher export­orientierte Industrie negativ auswirken, auch die binnenorientierten Unternehmen dürften unter der Frankenaufwertung leiden. Im Vergleich zum Dezember verbesserten sich die beiden Barometer im Januar leicht. Es gilt aber zu beachten, dass fast alle Unternehmen die KOF-Umfrage vor dem Wegfall der Kursuntergrenze beantwortet hatten und die schlechteren Aussichten deshalb nicht in den Resultaten reflektiert sind.

Grossunternehmen leiden auch unter Frankenaufwertung

Das Barometer hat sich bei den Grossunternehmen und den KMU auf breiter Front verschlechtert. Besonders stark war der Rückgang der Bestellungseingänge im Vergleich zum Vorjahr bei den Grossunternehmen. Während sonst die schlechtere Beurteilung im Gegensatz zum Januar bei den Grossunternehmen moderat ausfiel, war der Einbruch bei den KMU vor allem punkto Bestellungseingänge, dem Produktionsniveau und allgemeiner Beurteilung der Geschäftslage zu beobachten. Insgesamt dürften die grösseren Unternehmen mit Blick auf die Währungen und die Produktpalette breiter diversifiziert sein als die KMU oder bereits einen Teil der Produktion ins Ausland verlagert haben.

Das eher binnenorientierte Baugewerbe dürfte direkt eher wenig von der Aufhebung der EUR-CHF-Kursuntergrenze betroffen sein. In einem Zweitrundeneffekt dürften sich aber die höheren Arbeitslosenzahlen und ein geringeres Lohnwachstum negativ auf die Dynamik des Baugewerbes auswirken. Während in den vergangenen Quartalen die Grossunternehmen ihre Auftragsbestände im Baugewerbe stets besser beurteilten als die KMU, veränderte sich diese Situation im ersten Quartal des laufenden Jahres. Die Auftragsbestände der Grossunternehmen blieben nahezu unverändert zum Vorquartal, wohingegen sich diejenigen der KMU stark verbesserten. Auch bei der Geschäftslage drehte sich das Bild, und die KMU beurteilten ihre allgemeine Geschäftslage im ersten Quartal besser als die Grossunternehmen.

Dienstleistungsunternehmen ­indirekt negativ betroffen

Auch die binnenorientierten Dienstleistungsbranchen dürften sich mittelfristig nicht den Effekten entziehen können, die aus der Aufhebung der Kursuntergrenze resultieren. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum, das unter anderem eine schwächere Konsumentenstimmung verursacht hat, dürfte sich auch auf die Dienstleistungsunternehmen auswirken. Im ersten Quartal war aber die Nachfrage nach Dienstleistungen immer noch stabil, wobei in diesem Bereich die Grossunternehmen besser abschnitten als die KMU. Bei den Grossunternehmen hat die Dynamik in den letzten Quartalen zugenommen, bei den KMU hingegen hat sie sich etwas abgeschwächt. Im ersten Quartal beurteilten die meisten Grossunternehmen im Dienstleistungssektor die Ertragslage als besser als im Vorquartal. Bei den KMU war dieser Indikator unverändert.

Der Tourismus gehört wohl zu denjenigen Branchen, die am stärksten unter der Frankenaufwertung leiden werden, ist er doch sehr stark export­orientiert. Rund 55 Prozent der Logiernächte wird von Gästen aus dem Ausland gebucht. Der Tourismus hat bereits sehr stark unter der Frankenaufwertung im Jahr 2011 gelitten und hat sich seither nicht mehr richtig erholt. Die Anzahl der Logiernächte lag zwar in den Jahren 2013 und 2014 leicht höher als 2011, als der Franken innerhalb eines Jahres um 22 Prozent aufwertete. Doch wurde dieser Anstieg der Logiernächte vor allem durch Gäste aus den Arabischen Emiraten und China getrieben, sind doch die Logiernächte von Gästen aus diesen Ländern zwischen 2011 und 2014 um 70 bis 100 Prozent gestiegen. Der grösste Anteil der Logiernächte, die von ausländischen Gästen gebucht werden, fällt immer noch auf deutsche Gäste. Und diese blieben der Schweiz auch im Jahr 2014 immer noch fern. Die Anzahl der Logiernächte deutscher Gäste war auch im Jahr 2014 immer noch rund 16 Prozent tiefer als im Jahr 2011.

Die schwierige Lage der Tourismusbranche zeigte sich nicht nur bei der Entwicklung der Hotellogiernächte, sondern auch in der Entwicklung der Ertragslage. Ausser ein paar wenigen Lichtblicken sinkt sowohl bei den Grossunternehmen wie auch bei den KMU die Ertragslage seit Jahren.

Kommentar

Indikator für Stärke der Schweizer Wirtschaft

Zunächst einmal eine gute Nachricht: Die Stärke des Frankens ist eine Folge der Stärke der Schweizer Wirtschaft. Nirgends auf der Welt findet sich eine so innovative, wettbewerbsfähige und anpassungsfähige Wirtschaft. Das ist die Leistung der Unternehmerinnen und Unternehmer. Wenn die Schweiz Schwierigkeiten erfolgreich meistern will, muss sie weiter auf diesem Fundament bauen. Nun erwarten aber viele eine Konjunkturabkühlung. Die Intuition sagt: hoher Franken – teure (Export-)Preise – weniger Umsatz. Ob das aber der Fall sein wird, wissen wir noch nicht. Das Ausmass einer möglichen Konjunkturabkühlung ist derzeit noch schwierig abzuschätzen. Wie stark sich die Aufwertung des Schweizer Frankens auf BIP-Wachstum und Arbeitsmarkt auswirken wird, hängt erstens von Ausmass und Dauer der Aufwertung ab, zweitens vom Zusammenspiel mit anderen Faktoren. Umgekehrt könnte eine wachsende Weltwirtschaft, namentlich eine Konjunkturerholung in Europa, die schweizerische Wirtschaft stützen und die Wechselkurseffekte mildern. Für eine umfassende Konjunkturbeurteilung oder Prognose soll die Wechselkurssituation nicht isoliert betrachtet werden, sondern in der Gesamtschau mit anderen Faktoren. Von allen den Faktoren werden die eigene Innovationskraft und die Flexibilität der Schweizer Wirtschaft die wichtigsten sein. Über die Zukunft kursieren verschiedene Prognosen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft sagt: «Ein schwerwiegender Abschwung – mit deutlich rückläufiger Wirtschaftstätigkeit und stark steigender Arbeitslosigkeit – ist im aktuellen Umfeld nicht absehbar. Für die Jahre 2015 und 2016 wird demzufolge ein BIP-Wachstum von +0,9 Prozent bzw. +1,8 Prozent mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote erwartet.» Selbst die Pessimisten rechnen derzeit nicht mit Rezession. Es kann sein, dass die Erwartungen deutlich negativer ausfallen, als die Realität es zeigen wird; doch das Unbehagen ist ernst – und muss ernst genommen werden.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv