Publiziert am: Freitag, 6. März 2015

Nicht jammern – viel besser aktiv werden!

Sportferienzeit – landauf, landab sind Skibegeisterte, Schnee-Enthusiasten und Erholungsbedürftige unterwegs. Auch ich. Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle «Schimpfis» erhalten, weil ich mich in der Kolumne verschwätzt habe. Tatsächlich hatte ich im nahen Ausland eine entspannende Woche genossen. Im Ausland?! Nein aber auch!

Dieses Jahr ist also die Schweiz angesagt. Und erst noch eines der – wie man sagt, denn ich als Nicht-Wintersportbetreiberin kann das nicht recht beurteilen – attraktivsten Skigebiete: ein breites, hochgelegenes Tal, tiefverschneit und sonnenbeschienen. Herrlich. Wir bekamen ein wunderhübsches Chalet von einer Freundin offeriert und konnten nicht widerstehen. Allerdings sagte ich erst unter den vereinigten Schwüren meiner Familie zu, dass wir abends jeweils auswärts essen gehen würden – «Du sollst es doch auch schön haben!» Dies dürfte in einer Region, die fast ausschliesslich vom Tourismus lebt, wohl kein Problem sein. War es auch nicht; Angebote waren zuhauf vorhanden. Die Bilanz nach einer Woche Restaurantbesuchen ist allerdings nicht zufriedenstellend; und ich erlaube mir, ein paar Punkte mit Verbesserungspotential aufzuzählen.

Erstens. Der erste Eindruck: überdurchschnittlich viele Betriebe strahlen den Charme eines Siebzigerjahre-Wartesaals auf. Wenig anmächelige Räume, unschöne, einst vielleicht moderne, aber nie stilvolle Materialien. Viel praktisches Plastik. Die Beleuchtung ist zweckmässig, aber nicht mehr.

Zweitens. Der Empfang: ein schweizweites Phänomen, hier in fast jedem Lokal zu erleben. Der eintretende Gast ist nicht König, sondern Bittsteller. Oft säuerliches Personal, besonders schlimm, wenn es der Patron oder die Patronne ist, die einem das Gefühl vermitteln, doch bitte so schnell wie möglich wieder zu verschwinden.

Drittens. Dekoration: mir gefällt das Bemühen nicht, nur weil grad wildes Treiben ist, ein paar lieblose Fasnachtsschlangen um Lampen und Bilderrahmen zu wickeln. Wenn aber Ende Februar immer noch Krippenfiguren und Weihnachtssterne in Nischen und Ecken zu sehen sind, zeugt das nicht vom aufmerksamen Blick des Besitzers. Viel Dekomaterial, das wohl Stimmung vermitteln soll, aber tatsächlich nur den Wunsch weckt, eine Mulde zu bestellen und gründlich aufzuräumen.

Viertens. Das Essen: vieles kann man verzeihen, wenn das Essen qualitativ zu überzeugen vermag. Die Fertigsalate und -saucen («Wänd Sie s‘Frentschdressing oder Itäliän?») kennt man aber zur Genüge. Im besten Haus im Tal, das für seine Küche bekannt sein soll, ist der Schnittsalat so welk, wie er es daheim nach zwei Wochen im Kühlschrank ist. Die Tomaten sind faul. Das kann passieren, und ich wies sehr diskret darauf hin. Nichts passierte. Ellenlange Speisekarten zeigen, dass Fertigprodukte verwendet werden, und zwar überall die gleichen. Regionale Küche? Ausschliesslich Raclette und Fondue, was sehr gut ist, nicht aber mit harten Kartoffeln. Vieles liesse sich noch anfügen. Aber, dass wir uns recht verstehen, ich kenne natürlich auch viele Restaurants und Gastbetriebe, die eine ausgezeichnete und abwechslungsreiche Küche bieten, eine tolle Atmosphäre kreieren, Gastfreundschaft ausstrahlen, Genuss vermitteln. Nur eben leider dort, im Tal, fand ich das nicht. Warum? Weil «die Zeiten schlecht sind»? Weil der Euro eingebrochen ist? Weil, weil, weil… Courage! rufe ich den Gastwirten zu. Fertig mit Jammern! Aktiv werden – Verbesserungen anstreben! Sonst passiert’s, dass sich die Feriengäste lieber mit den Fertigprodukten aus dem Dorfladen eindecken und auf Restaurantbesuche verzichten. Schade wär’s!

*Babette Sigg ist Präsidentin des Konsumentenforums kf, der einzigen liberalen Konsumentenorganisation.

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.

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