Publiziert am: 04.05.2018

Nicht nur ein «Lädeli» am Strassenrand

wert der kmu – Gerade in kleineren Gemeinden trägt das Gewerbe einen grossen Teil zur Gesellschaft bei. Arbeitsplatz, Stammtisch und das Milizsystem verschmelzen zu einer Gemeinschaft, die von der Flexibilität der KMU und ihren Fachkräften profitiert.

Münchenbuchsee, von den Einheimischen liebevoll Buchsi genannt, hat ein florierendes Gewerbe. Historisch gesehen ist das logisch, wurde mit Gottlieb Wüthrich 1879 doch ein angesehener Elektroingenieur (später Direktor der Londoner Niederlassung der Maschinenfabrik Oerlikon) hier geboren. Geographisch hingegen 
läge es doch nur auf der Hand, wenn die Menschen zwar in Buchsi wohnen, aber in die nahe gelegene Bundesstadt Bern zur Arbeit fahren würden. «Für Dienstleistungsbetriebe ist das sicherlich interessant», sagt Raphael Sangiorgio, Präsident von Buchsi KMU. «Gewerbe, zum Beispiel aus dem Bauwesen, brauchen aber andere Infrastrukturen und sind in Agglomerationen besser bedient.»

Taten statt Floskeln

Das Gewerbe scheint der Gemeinde gutzutun – und umgekehrt. Nicht umsonst feiert der Gewerbeverein Münchenbuchsee 2018 sein 100-jähriges Bestehen. Mit diversen Anlässen wird die Bevölkerung zum Mitfeiern eingeladen, und damit zeigen die KMU wieder einmal, welchen Wert sie in den Gemeinden haben. Das «Geben und Nehmen» ist hier nicht nur eine Floskel. Das Gewerbe ist im Dorf verwurzelt, es geht nicht nur um Steuerfüsse und Gewinn­maximierung, sondern auch um 
den persönlichen Kontakt und das Miteinander in einer funktionierenden Gesellschaft.

Sich präsentieren

Ausruhen ist für Raphael Sangiorgio und Buchsi KMU keine Option. 100 Jahre hin oder her. Er möchte Gewerbe und Dorf weiterbringen. «Gewerbler werden oft als die gesehen, die an der Hauptstrasse ein «Lädeli» haben. Die Bevölkerung weiss oft nicht Bescheid über die grosse Vielfalt an Unternehmen, die in Münchenbuchsee tätig sind.» Spezialanlässe im Jubiläumsjahr 2018 sollen dies ändern. Jeweils ein «Lädeler» und ein Unternehmen tun sich zusammen und präsentieren ihr Schaffen. Damit wird das Dorf belebt, Unternehmer und Gewerbeverein können Präsenz markieren. Die Reaktionen auf die bisherigen Anlässe seien positiv. «Die Idee war es ursprünglich, pro Monat einen Anlass zu organisieren. Jetzt gibt es bereits Monate, an denen zwei oder drei Anlässe geplant sind.»

Das Miteinander entscheidet

Damit es in einer Gemeinde gut läuft, braucht es selbstredend etwas mehr als innovative Unternehmen. In Buchsi funktioniere die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden sehr gut, wie Raphael Sangiorgio betont. Aus Sicht der Mitglieder gäbe es bei Bewilligungen, Baufragen oder den Sozialversicherungen noch Optimierungspotenzial, «doch dies hängt ja oft auch mit dem Inhalt zusammen», hält Sangiorgio fest. Einig sind sich die Gewerbler in der Parkplatz­problematik.

Heisse Parkplatzsituation

Im letzten Jahr hat die Gemeinde Münchenbuchsee eine Unternehmensbefragung durchgeführt. Die 
Ergebnisse stellen der Gemeinde ein gutes Zeugnis aus, womit auch bestätigt wird, dass Münchenbuchsee ein innovatives Wirtschaftsumfeld zu bieten hat. Eine Problematik sticht aber heraus: die Parkplatzsituation. «Das Thema Parkplätze ist seit Jahren eine heiss geführte Diskussion», bestätigt Sangiorgio. «Die Parkplätze sind nicht nur als Kundenparkplätze zu sehen, sondern sind auch ein wichtiges Anliegen der Mitarbeiter, und zwar unabhängig davon, ob sie in Münchenbuchsee wohnhaft sind oder nicht.» Hier wünscht sich der Buchsi-KMU-Präsident eine konstruktive Diskussion mit der Politik und der Gemeinde.Adrian Uhlmann