Publiziert am: 11.12.2020

Nicht nur Geld zählt

FLEXIBLE ARBEITSFORMEN – Corona hat die Digitalisierung beschleunigt. Neue Arbeitsmodellehaben in kürzester Zeit Anwendung gefunden. Damit erfüllte sich auch ein von Arbeitgeber- wie vonArbeitnehmerseite her bestehender, lange gehegter Wunsch nach mehr Flexibilität.

Also doch: In der Krise geht es nicht nur um Geld. In der Krise werden auch andere «Benefits» wichtiger – oder aber, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben.

Erst noch im Oktober meldete der Personendienstleister Robert Half, dass sich Führungskräfte vor dem Verlust wertvoller Mitarbeiter fürchten. Und das aus dem einzigen Grund, dass coronabedingt Gehälter entweder gekürzt oder zumindest nicht erhöht wurden und dass allfällige Boni-Zahlungen ganz oder teilweise ausfallen würden. Schon damals fragte die Schweizerische Gewerbezeitung sgz (vgl. sgz vom 6. November), ob denn die Arbeitsplatzsicherheit keine Rolle spiele. Zumal die Konkurrenz oftmals in der gleichen Branche unterwegs ist und ebenso mit der Krise konfrontiert ist. Und siehe da, eine neue Studie von Robert Half zeichnet nun ein anderes Bild. Fazit: Nicht nur Geld zählt.

Nach der Krise ist nicht mehr (wie) vor der Krise

Die Krise hat natürlich einen Einfluss auf den Arbeitsmarkt, innovative Lösungen sind gefragt. Das gilt nicht nur für Produkte und Dienstleistungen, sondern auch bei den eigenen Mitarbeitern. Flexiblere Arbeitsformen halten Einzug und werden, sollte denn das Virus einmal tatsächlich verschwinden, nicht einfach so mit ihm wieder verschwinden. Den Unternehmen ist längst klar, dass nicht nur Geld, sondern auch das Umfeld, Arbeitsformen und ein ganzheitliches Workplace Environment wichtig sind, um Fachkräfte zu finden und an sich zu binden. Gemäss der Arbeitsmarktsstudie des Personaldienstleisters Robert Half bieten 61 Prozent der Führungskräfte ihren Mitarbeitern seit Beginn der Pandemie neue Zusatzleistungen an. Dabei spielten alternative Arbeitsmodelle «eine grosse Rolle».

Ist Zeit jetzt wirklich Geld?

Wie aber lässt sich denn bei gleichbleibender Arbeitsleistung Zeit gewinnen? Ein mögliches Modell ist eine verkürzte Arbeitswoche. Statt die Arbeitszeit auf fünf Tage zu verteilen, wird diese in vier Tagen erledigt, woraus ein zusätzlicher freier Tag entsteht. 52 Prozent der Befragten Führungskräfte würden so ein Modell anbieten. Gleichzeitig sind aber auch 40 Prozent diesem Modell gegenüber kritisch eingestellt.

Job-Sharing löst bei den Befragten fast gleich viel Befürwortung (46 Prozent) wie Ablehnung aus (47 Prozent).

Home-Office steht nach wie vor hoch im Kurs, wobei natürlich die aktuelle epidemiologische Lage noch mitberücksichtigt werden muss. Langfristige Prognosen zur Beliebtheit sind schwer zu machen. In 71 Prozent der befragten Unternehmen ist die Telearbeit möglich. Ein bewährtes Mittel sei auch die Gleitzeit. Damit könnten die Angestellten entlastet werden und flexiblere Arbeitszeiten ermöglicht werden. «Home-Office ist durch die Pandemie in vielen Unternehmen zur Notwendigkeit geworden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten», sagt Zerrin Azeri, Associate Director bei Robert Half. Die Bedenken hätten sich nicht bestätigt. «Im Gegenteil, es führte zu zufriedeneren Mitarbeitern und höherer Produktivität.» Auch im Recruiting wirke sich dieses Angebot positiv aus.

Für 37 Prozent aller befragten Führungskräfte sind zusätzliche bezahlte Urlaubstage eine Möglichkeit, ihre Mitarbeiter enger an die Firma zu binden und die Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten. Und auch eine nicht an den Arbeitsplatz gebundene Kinderbetreuung gehört gemäss der Studie inzwischen zu den gängigen Benefits.

Mehr Flexibilität gefragt – nicht nur in Krisenzeiten

Ganz klar rückt das Gehalt durch all die möglichen Benefits nicht stark in den Hintergrund. Und mehr als die Hälfte der Befragten glaubt auch, dass die Gehälter weiterhin stabil bleiben. Es wird also sicher keine Revolution im Arbeitsmarkt geben. Aber flexibler und vielseitiger werden nicht nur die Arbeitsformen, sondern auch die Arbeitsverträge. Mit vielfältigen und individuelleren Möglichkeiten zur Ausgestaltung der Arbeit und damit verbunden letztlich auch mit der Freizeit.

Adrian Uhlmann

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