Publiziert am: 12.12.2014

Noch viel Potenzial für die Zukunft

SCHWEIZER VERBAND DER ORTHOPÄDIE-TECHNIKER – Der SVOT bewegt sich in einem äusserst anspruchsvollen und vielseitigen Umfeld. Ein grosses Ziel des engagierten Verbandes ist ein betriebswirtschaftlich korrekter Tarifvertrag.

Die 8-jährige Tina hat schmerzhafte Spreizfüsse, Herr Ziegler Diabetes, die Oma leidet an Osteoporose und Michael hat die Bänder am Knöchel gerissen. Ein Arbeitsunfall, Durchblutungsprobleme in den Beinen, ein chronischer Tennisellbogen und ein Schleudertrauma sind weitere Beschwerden, die einen Gang zum Orthopädisten unumgänglich machen. Knieschiene für Eishockeyspieler, Einlagen für Langstreckenläufer oder eine spezielle Knöchelbandage für Handballer sind orthopädische «Requisiten» für Profisportler. Vielseitig

wie seine Kunden ist der Arbeitsalltag des Orthopädisten: Die kompetente Beratung sowie das individuelle Anfertigen des passenden Hilfsmittels, wie beispielsweise Einlagen, Spezialschuhe, Prothesen, Schienen, Kompressionsstrümpfe, Stützkorsette, Bandagen, Rollstühle und vieles mehr, erfordern von ihm ausgewiesenes Fachwissen sowie eine gute Vorstellungskraft für das Problem des Kunden.

«Know-how, handwerkliches Geschick und das Gespür für den Menschen auf einem Nenner.»

«Der Beruf des Orthopädie-Technikers hat sich vom Handwerk zu einer interdisziplinären Tätigkeit entwickelt», betont Ulrich Wanner, Sekretär des SVOT. Mit modernen Geräten werden Fehlstellungen festgehalten und mit unterschiedlichen orthopädischen Hilfsmitteln Korrekturen vorgenommen. Auch im Rehabereich werden moderne, elektronisch gesteuerte Hilfsmittel verwendet. In der Prothetik gehören zahlreiche neue Errungenschaften mit elektronisch gesteuerten Prothesen, reibungslos funktionierenden Gelenken und anderen fortschrittlichen Entwicklungen zum Angebot. «In der Orthopädie bewegen wir uns in einem äusserst breitgefächerten Berufsfeld. Das Entwickeln, Herstellen und Anpassen von orthopädischen Hilfsmitteln verlangt Kreativität, hohes technisches Wissen und Know-how, handwerkliches Geschick und ein Gespür für den Menschen», konkretisiert Adrian Bosshard, Geschäftsführer des Ortho-Teams in Bern.

«Wir sind auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen.»

Die Kunden bräuchten aus den verschiedensten Gründen – Unfall, Lähmungen, körperliche Behinderungen, zerebrale Bewegungsstörung oder Sportverletzungen – eine orthopädische Behandlung. Dabei sind klare Tendenzen zu beobachten: «Die Gefäss- und Diabetespatienten haben deutlich zugenommen. Dies ist zum Teil auf mangelnde Bewegung unserer Zivilisation und Gesellschaft sowie unser Essverhalten zurückzuführen», so Bosshard. Mit den vielen Frühgeburten sei auch die Kinderorthopädie leicht angestiegen. Auf dem Vormarsch seien des Weiteren Sportverletzungen, besonders bei den sogenannten «Wiedereinsteigern» zwischen 50 und 60. «Unsere Branche boomt und hat grosses Zukunfts­potenzial», stellt Bosshard fest.

Ein Schwerpunkt des Verbandes ist die Aus- und Weiterbildung. Von den 96 Mitgliedbetrieben zählen mehr als die Hälfte zu den aktiven Ausbildnern. «Momentan absolvieren 81 Lernende die vierjährige Lehre. Die überbetrieblichen Kurse sind teilweise zusammengelegt und finden an der Berufsschule in Zürich und an der EPSIC Lausanne statt», erklärt Wanner. «Da es uns eher an ausgelernten Fachkräften mangelt, sind wir auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen», sagt Bosshard und ergänzt: »Das Interesse an diesem Beruf scheint bei den Jungen da zu sein. Momentan haben wir noch genug Lernende. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn noch mehr Betriebe ausbilden würden.»

«Wir fordern einen wirtschaftlich und unternehmerisch vertretbaren Tarifvertrag.»

Der SVOT legt grossen Wert auf eine Ausbildung, die nicht nur fachtechnisches Wissen, sondern auch den Umgang mit dem Patienten und Kunden vermittelt. «Wir widersetzen uns einer Akademisierung des Berufes des Orthopädisten wie dies in Frankreich oder Italien der Fall ist. Die Orthopädie-Technik muss praxisnah erlernt werden können», betont Wanner. Mit einer spezifischen Weiterbildung bestehen in der Orthopädie interessante Karrieremöglichkeiten. «Die höchste Ausbildung in unserem Beruf ist in der Schweiz die Höhere Fachprüfung HFP für Orthopädisten mit der Berufsbezeichnung eidg. ­dipl. Orthopädist», erklärt Wanner. Eine weitere Möglichkeit ist eine Weiterbildung an den anerkannten Instituten SIU oder der BAFU.

Qualitätssicherung und 
Arbeitssicherheit

Ein grosses Thema bei der Weiterbildung sind die Qualitätssicherung sowie die Arbeitssicherheit. Bei Letzterem hat der Verband bereits 1999 eine eigene Branchenlösung entwickelt. «Diese Branchenlösung, die demnächst eine Rezertifizierung erfährt, wird laufend den Sicherheitsbeauftragten in praktischen Einführungs- und Wiederholungskursen vermittelt. Die Unternehmer werden zudem in regelmässigen Abständen für die Arbeitssicherheit sensibilisiert», erklärt Wanner. Die alljährlich durchgeführte Unfallstatistik zeige allerdings ein klares Bild: Stetige Abnahme der Berufsunfälle, aber eine erhebliche Zunahme der Nichtberufsunfälle.

Zu den täglichen Herausforderungen des SVOT gehören wie bei vielen Verbänden Regulierungen und Bürokratie. Eine etwas grössere Hürde ist das Tarif-Handling, das den Orthopädisten nicht unnötig von der produktiven Arbeit im Atelier abhalten darf. Der Sozialversicherer beansprucht einen Anteil von rund 49 Prozent am Gesamtumsatz der Branche ( IV 40 Prozent, UV/MV 7 Prozent). Mit den Krankenversicherern besteht keine tarifliche Regelung. Die KVG-Patienten gelten somit als Selbstzahler. Seit Jahren kämpft der Verband mit der SUVA um neue Tarife. Dabei hat er allerdings eine klare Vorstellung: «Der anvisierte Tarifvertrag soll in erster Linie betriebswirtschaftlich korrekt gerechnet sein und Klarheit gegenüber den Interpretationsunterschieden auf Kostenträger- und Leistungserbringerseite schaffen. Des Weiteren soll ein neuer Tarifvertrag innovative Versorgungsmöglichkeiten im Interesse der Patienten und Behinderten keinesfalls einschränken», betont Wanner.

Corinne Remund

SVOT KURZ ERKLÄRT

Ein aktiver Verband

Der Schweizer Verband der Orthopädie-Techniker SVOT ist die zuverlässige und leistungsfähige Berufs- und Branchenorganisation in der Orthopädie-Technik. Der Verband wurde 1912 als Schweizer Verband der Orthopädisten und Badagisten SVBO gegründet und 1948 in den SVOT umbenannt. Seine Hauptaufgaben sind der Produktionstarif und dessen Anwendungshilfen, die Berufs-, Fort- und Weiterbildung sowie Rechtsberatung und Interessenwahrung der Mitglieder bei Behörden, Kostenträgern und Verbänden. Der Verband zählt 96 Mitglieder. Dies sind alles KMU unterschiedlichster Grösse, vom Einmannbetrieb bis zum grösseren Unternehmen mit über 60 Angestellten. Der Verband tauscht sich auch regelmässig mit interessensverwandten Verbänden und Institutionen aus und pflegt Beziehungen zu Sozialversicherungen sowie Patienten- und paramedizinischen Organisationen. Die eigene Sicherheits-Branchenlösung EKAS wird laufend der technischen Entwicklung angepasst.

ORTHO-TEAM BERN

Grenzen überwinden

Das grösste Verbandsmitglied ist die Ortho-Team Gruppe mit ihren Standorten in Bern, Adliswil, Luzern, Thun, Basel, Zürich, Winterthur, Solothurn, St. Gallen und Schaffhausen. Sie zählt zu den Marktführern in der Herstellung von Hilfsmitteln der Orthopädie und Rehatechnik. Sie beschäftigt schweizweit 220 Mitarbeiter. Dies sind alles bereichsübergreifende Spezialisten vom Orthopädietechniker, Bandagisten, Bewegungswissenschafter über Autosattler, Orthopädieschuhmacher bis hin zum Elektroingenieur. Die Ortho-Team Gruppe ist auch eine der grössten Ausbildnerinnen in der Branche. «Zurzeit bilden wir gesamtschweizerisch 19 Lernende aus, darunter auch zahlreiche Frauen», betont Adrian Bosshard, Geschäftsleiter des Mutterhauses in Bern. Dort werden jährlich 80 000 bis 90 000 Kunden betreut. «Mit viel Gespür und Fachwissen suchen wir die für den Kunden individuell beste Lösung. Dazu setzen wir auch modernste Technik und hauseigene Innovation ein», erklärt Bosshard. Mittels Teamarbeit zwischen Arzt, Orthopädiemechaniker, Physiotherapeut und Patient werden passendgenau Produkte angefertigt, um so die Lebensqualität zu steigern und die eingeschränkte Mobilität in Selbstständigkeit umzuwandeln.