Publiziert am: Freitag, 16. Juni 2017

«Nur gemeinsam sind wir stark»

GEWERBE THURGAU – Der Verband setzt sich seit 125 Jahren hartnäckig und vehement für die Anliegen seiner Mitglieder ein. Künftig will der TGV seine politische Einflussnahme noch mehr verstärken und für KMU-freundliche Rahmenbedingungen sorgen.

Mitte Mai feierte der Thurgauer Gewerbeverband TGV mit einem grossen Fest für Gewerbler und Gäste sein 125jähriges Bestehen: Hartnäckigkeit, Durchhaltewille und Engagement auf breiter Front ziehen sich wie ein roter Faden durch die Verbandsgeschichte. Damit hat der Verband schon einiges erreicht. «Wenn Diplomatie und Argumente nichts nützten, war man immer auch bereit, kämpferisch und unnachgiebig für die Anliegen des Gewerbes einzu­stehen», sagt Hansjörg Brunner, seit 2013 Präsident des TGV. Mit Fleiss und Durchhaltewillen und der Gewissheit, gemeinsam stark zu sein, hat der Verband immer wieder wirtschaftlich schwierige Jahre gemeistert.

«Für jedes neue muss ein altes Gesetz 
abgeschafft werden.»

Zu schnell vergisst man, wie schwer die Rezessionen und wie gravierend die wirtschaftlichen Einbrüche in den letzten 25 Jahren waren und welche enormen Anstrengungen es gerade seitens der KMU-Wirtschaft bedurfte, um immer wieder Arbeitsplätze zu halten oder gar neue zu schaffen. Die Thurgauer Binnenwirtschaft lief Anfang der Neunzigerjahre nicht gut. Der TGV erhöhte zusammen mit anderen Wirtschaftsverbänden den Druck auf die Politik und insbesondere auf die Regierung. Mit einem noch heute visionär anmutenden Programm «Chance Thurgau» forderten sie in 38 Punkten Verbesserungen für die Wirtschaft. Der damalige TGV-Präsident und spätere Nationalrat Werner Messmer war einer der Treiber für einen modernen, der Wirtschaft gegenüber aufgeschlossenen und effizienten Kanton. Auch unter seinem Nachfolger Peter Schütz agierte der Verband mit seinen rund 6500 Mitgliedern als starke Stimme zugunsten der mittelständischen Unternehmerschaft.

Beschaffungsfreiheit der
KMU verbessern

Doch nicht nur das Programm «Chance Thurgau», das dem Kanton verhalf, steuergünstig zu agieren und KMU mit viel Innovationskraft und unternehmerischem Know-how anzusiedeln, gehört zu den Leucht­türmen der Verbandsgeschichte. So schnürte der Verband in jüngster Zeit zusammen mit den vier benachbarten kantonalen Gewerbeverbänden St. Gallen, Zürich, Schaffhausen und Graubünden ein Massnahmenpaket gegen den starken Franken: «Die mittelständischen Unternehmen, oft wichtige Zulieferer der Exportindustrie, kämpfen mit den gravierenden Folgen der aktuellen Währungssituation und auch die Tourismus- und Gastrobranche sucht verzweifelt nach Lösungen», so Brunner und er ergänzt: «Unser Positionspapier umfasst 25 zum Teil sehr konkrete Forderungen an die nationalen, kantonalen und kommunalen Politiker. Neben einem Moratorium für weitere Belastungen und Regulierungen, fordern wir auch Reduktionsziele in der Gesetzgebung.» Für jedes neue müsse ein altes Gesetz abgeschafft werden und die Beschaffungsfreiheit der KMU im In- und Ausland müsse ebenfalls verbessert werden.

Auf politischer Ebene kämpft der Verband immer wieder dagegen, dass der Staat der KMU-Wirtschaft neue unsinnige Abgaben und Regelungen aufs Auge drückt. Dafür braucht es gemäss Brunner KMU, die bereit sind, sich aktiv in den Behörden auf allen Stufen zu engagieren. «Wir brauchen in der Politik bodenständige Gewerbler mit Vernunft und Weitsicht», weiss Brunner. Gerade auch in der Politik arbeitet der Verband eng mit der Industrie- und Handelskammer IHK sowie mit angrenzenden Kantonalverbänden zusammen: «Gemeinsam haben wir einen starken Einfluss auf die Politik. Wenn wir alle am gleichen Strick in die gleiche Richtung ziehen, können wir jeweils einiges erreichen», so Brunner. So ist es dem engagierten Verband immer wieder gelungen, «politische Angriffe», die die Wirtschaft geschwächt hätten, abzuwehren. Der TGV setzte sich beispielsweise dafür ein, dass die Erhöhung der Kinderzulagen gestoppt wurde.

«Miteinander statt 
gegeneinander»

Neben der Politik engagiert sich der TGV stark in der Berufsbildung und in der beruflichen Begleitung junger Erwachsener. Im Herbst 2011 fand zum ersten Mal die Berufsmesse Thurgau statt, ein durch den TGV lanciertes Projekt mit grosser Ausstrahlungskraft. «Die Berufsmesse hat sich zur wichtigsten Informationsplattform für künftige Lernende entwickelt», sagt Brunner. Im Jahr 2006 wurde der TGV vom Kanton mit der Durchführung des Programmes Mentoring betreut. Dieses Programm verfolgt das Ziel, Jugendliche zu begleiten, die den Übergang von der Schule in den Beruf aus eigener Kraft oder wegen mangelnder Unterstützung aus dem Elternhaus nicht alleine schaffen. Dazu Brunner: «Seit Beginn des Programms profitieren über 700 junge Menschen. Die Mentorinnen und Mentoren unterstützen die Jugend­lichen, die oftmals aus schwierigen Verhältnissen stammen, mit viel Geduld, Erfahrung und Geschick.»

«Wir brauchen bodenständige Gewerbler mit Vernunft und Weitsicht.»

Ein zentrales Element für Brunner ist, in der Berufsbildung «miteinander statt gegeneinander» zu agieren. «Wir müssen damit aufhören, die verschiedenen Bildungswege gegeneinander auszuspielen. Wir brauchen Studienabsolventen genauso wie Handwerker», hält Brunner fest. Es sei äussert wichtig, den jungen Menschen wie auch ihren Eltern die zahlreichen Möglichkeiten einer Berufslehre und damit des dualen Bildungssystems aufzuzeigen.

Politisch noch aktiver sein

Weiterhin eine grosse Herausforderung ist der starke Franken und der damit einhergehende Einkaufstourismus. «Die Herausforderungen werden in Zukunft nicht kleiner. Der TGV ist jedoch ein starker Verband. Ich bin mir sicher, dass wir sämtliche Hürden gemeinsam meistern werden», ist Brunner zuversichtlich. Für die Zukunft will der grösste Wirtschaftsverband des Kantons Thurgau noch stärker als Dienstleister für seine Mitglieder wirken. «Jedes KMU, unabhängig von seiner Tätigkeit und seiner Grösse, soll von einer Mitgliedschaft bei uns einen Nutzen haben.» Gegen aussen will der Verband seine politische Einflussnahme und Präsenz weiterhin hochhalten, damit sich das Unternehmertum im Thurgau weiterhin entfalten und entwickeln kann, zum Wohle aller.

Corinne Remund

DER TGV KURZ ERKLÄRT

Die starke Stimme der KMU

Der Thurgauer Gewerbeverband TGV wurde am 2. Oktober 1892 in Frauenfeld gegründet – damals allerdings unter dem Namen «Thurgauischer Gewerbeverein». Die Gründung war ein Zusammenschluss örtlicher Gewerbevereine und kantonaler Berufsverbände. Bald darauf ging in der Kantonshauptstadt erfolgreich eine kantonale Gewerbeausstellung über die Bühne. Dabei wurde die Idee der Gründung – gemeinsam mit eigenen Leistungen Pfuschertum und ausländischen Einflüssen entgegenzuwirken – in die Praxis umgesetzt. Der TGV setzte damals schon auf eine starke Gemeinschaft, um so dem Zeitgeist und seinen Problemen zu entsprechen. Der Verband machte sich immer schon für seine Mitglieder stark.

Gebündelte Kräfte

Er setzt sich als grösster Wirtschafts-und Arbeitgeberverband im Kanton Thurgau für eine KMU-freundliche Politik und bessere Rahmenbedingungen für Gewerbe und Handel ein. Der TGV ist das Dienstleistungszentrum für die Thurgauer KMU und bietet seinen Mitgliedern einen gut ausgebauten Service. Zu den Dienstleistungen gehören unter anderem ein Informationsservice rund um aktuelle gewerbliche Anliegen, Rechtsauskünfte, Informationsbeschaffung etc. Der Verband bearbeitet Vernehmlassungen, ist im Dialog mit anderen Wirtschaftsorganisationen und gut vernetzt mit anderen Verbänden. Ein zentrales Anliegen ist ihm die Berufsbildung. Der Verband vertritt die Interessen des Gewerbes gegenüber Behörden sowie in Wirtschaft und Politik. Das Engagement des TGV in Abstimmungskämpfen, ob auf kantonaler oder eidgenössischer Ebene, gehört zu seinen Grundaufgaben.

Der Thurgauer Gewerbeverband setzt sich einerseits aus örtlichen Gewerbevereinen, derzeit 27, und den kantonalen und regionalen Berufsverbänden, derzeit 37, zusammen. Ende 2016 gehörten rund 6500 Mitglieder dem TGV an. CR

Ja zu No Billag - SRG, wir müssen reden.
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Die Schweizerische Gewerbekammer, das Parlament des sgv, hat die Ja-Parole zur No Billag Initiative beschlossen. Die Billag-Mediensteuer ist eine willkürliche und ungerecht­fertigte Doppelbesteuerung der Unternehmen. Medien­ministerin Leuthard und die SRG-Repräsentanten lassen nichts unversucht, um den Souverän davon zu überzeugen, dass nicht nur die Existenz der SRG, sondern jene der ganzen Schweiz durch diese Initiative bedroht wird. Dies ist völliger Unsinn. Vielmehr macht ein Ja zu No Billag den Weg frei, dass endlich die seit der RTVG-Abstimmung 2015 verwehrte Diskussion über den Service Public stattfinden und die Verstaatlichung der schweizerischen Medienlandschaft verhindert werden kann.

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