Publiziert am: 03.04.2020

Offene Ohren für Sorgen der KMU

FORDERUNGEN SGV – «KMU first» lautet die Devise des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv in der Corona-Krise. Neben den täglichen Koor­di­nationen mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO stellt der sgv viele Forderungen. Welche werden erfüllt?

Spätestens am 19. April 2020 wird der Bundesrat kommunizieren, wie es in der Corona-Krise in der Schweiz weitergeht. Schon heute lässt sich aber deutlich sagen: Die letzten Wochen waren hart. Sie haben Spuren hinterlassen. Und zwar nicht nur volkswirtschaftlich, sondern ganz entschieden auch betriebswirtschaftlich. Es ist nicht gewagt, zu behaupten: Alle Firmen sind einschneidend betroffen.

Über 99 Prozent der Unternehmen sind KMU. Gerade deswegen handelt der sgv nach der Devise «KMU first». In der Corona-Krise leiden die KMU in der Schweiz unter höchst einschneidenden Massnahmen. Und gerade weil sie die überwältigende Mehrheit der Firmen sind, müssen KMU im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Abfederungsmassnahmen stehen.

Erste wichtige Erfolge

Wie sieht es konkret mit den Forderungen des sgv aus? Seine allererste Forderung war die Flexibilisierung der Kurzarbeit. Den Unternehmen sollte schnell und ohne Prüfungen die Kurzarbeit genehmigt werden. Darauf ist der Bundesrat rasch eingestiegen – nach anfänglichen Friktionen haben auch die Kantone nachgezogen. Ebenso schnell hat der Bundesrat mit den Zahlungsaufschüben reagiert. Von der Krise betroffene Unternehmen können einen vorübergehenden, zinslosen Zahlungsaufschub für die Sozialversicherungen (AHV/IV/EO/ALV) beantragen. Ebenso können Firmen Zahlungsfristen für ihre Steuern zinslos strecken. Betroffen sind Mehrwertsteuer, Zölle, besondere Verbrauchssteuern und Lenkungsabgaben in der Zeit vom 21. März 2020 bis 31. Dezember 2020. Für die Direkte Bundessteuer gilt dieselbe Regelung ab dem 1. März 2020 bis zum 31. Dezember 2020.

Darlehen für mehr Liquidität

Als der Bundesrat wenig später entscheid, Tätigkeiten zu verbieten und ganzen Branchen faktisch Berufsverbote zu erteilen, erhöhte der sgv den Druck zugunsten von «KMU first». Auch dies zeigte Wirkung. Der Bundesrat fand Möglichkeiten für eine Entschädigung der Inhaberinnen und Inhaber für geschlossene Gesellschaften sowie für Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmer.

Der sgv pochte noch auf etwas Weiterreichendes: Die Wirtschaft braucht Liquidität (vgl. Seite 7). Um in Zeiten der Krise handlungsfähig zu bleiben und wieder an Fahrt zu gewinnen – wenn der gesundheitspolitische Ausnahmezustand einmal beendet wird –, ist die Schweiz auf möglichst viele KMU angewiesen. KMU bleiben nur am Markt, wenn ihre Liquidität sichergestellt wird. Daraufhin reagierten Bundesrat und Banken mit der Schaffung der verbürgten Darlehen zur Liquiditätsüberbrückung.

Die Lernkurve zeigt nach oben

Die Praxis hat gezeigt, dass diese Massnahmen gut funktionieren. Der sgv zieht aber auch Lehren und verlangt die Anpassung dieser Massnahmen gezielt in zwei Punkten. Stand heute werden die Einzelunternehmen und Kapitalgesellschaften unterschiedlich behandelt. Der sgv will eine Gleichbehandlung aller Unternehmen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollen nach den Taggeldern gemäss der Erwerbsersatzordnung entschädigt werden – unabhängig von der Rechtsform ihrer Firmen.

Der zweite Punkt betrifft den Kreis der Entschädigten. Heute werden nur jene Tätigkeiten mit faktischen Berufsverboten entschädigt. Doch es gibt eine ganze Wertschöpfungskette, die von den Schliessungen betroffen ist. Also auch solche Firmen, deren Tätigkeit zwar nicht direkt untersagt ist, die aber dadurch leiden, dass ihre Arbeit indirekt nicht mehr gefragt ist. Die Akteure in dieser Kette sollten ebenfalls entschädigt werden.

Diese Forderungen hat nicht nur der sgv gestellt. In einer konzertierten Aktion haben auch viele kantonale Gewerbeverbände bei den Regierungsräten in den Volkswirtschaftsdepartements der jeweiligen Kantone die Anliegen deponiert. Gerade diese Lernkurve zeigt: Die Forderungen des sgv kommen beim Bundesrat an. So sehr, dass die Regierung den sgv bat, die wirtschaftspolitischen Anliegen der Wirtschaft zu bündeln. Der Bundesrat hat erkannt: Gerade in der Krise gilt «KMU first».

Der sgv wird die weitere Entwicklung genau beobachten und seine Forderungen zum Wohl der KMU je nach Bedarf anpassen bzw. bekräftigen.Sc

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