Publiziert am: Freitag, 24. Februar 2017

«Ohne die Wirtschaft geht nichts»

INTERVIEW – Unternehmer Urs Schädler ärgert sich über die entstandene Unsicherheit nach dem Nein zur USR III. Wichtig sei nun, nicht vor den Linken zu kuschen, damit eine Lähmung der Volkswirtschaft verhindert und Innovationen gefördert werden.

Schweizerische Gewerbezeitung: Welche Konsequenzen hat das Nein zur USR III für Ihren Betrieb?

 Urs Schädler:In erster Linie ärgert mich die grosse Verunsicherung, die nun entstanden ist. Der Bundesrat, das Parlament und die Wirtschaft haben eine Vorlage ausgearbeitet, die internationalen Richtlinien nachkommt und verlässliche Leitplanken setzt. Das Abstimmungsergebnis, welches es selbstverständlich zu akzeptieren gilt, lässt nun aber ein gros­ses Fragezeichen zurück. Wie soll es weitergehen? Ich hoffe, dass die Unternehmungen die Nerven behalten und ihre Produktionen und Dienstleistungen nicht in andere Länder verlagern. Das wäre die schlimmste Konsequenz der aktuellen Unsicherheit und würde auch alle KMU hart treffen.

Die Linke will nun die Dividenden aller Unternehmen höher besteuern. Welche Folgen hätte das für Ihre Firma?

 Der Schuss ginge nach hinten los! Die Steuerlast würde ansteigen, dadurch würden zusätzliche Gelder aus dem Wirtschaftskreislauf zur öffentlichen Hand geleitet. Dies läuft einem gesunden Wirtschaftsklima entgegen und verhindert Investitionen und Innovationen.

 

Wieso sind Dividenden für KMU so wichtig?

Die Dividende ist das Blut in den Adern der Unternehmer. Aber dieses Blut wird abgeschöpft: zuerst als Gewinn im Unternehmen und dann als Dividende des Kapitalgebers. Schon heute liegt also eine Doppelbesteuerung vor. Eine Erhöhung dieser Ungerechtigkeit lähmt den Unternehmergeist und muss verhindert werden.

 

«BEI DEN DIVIDENDEN LIEGT SCHON HEUTE EINE UNGERECHTE DOPPELBESTEUERUNG VOR.»

«Die Dividende von heute ist die Investition von morgen»: Inwiefern trifft dieser Satz auch für KMU zu?

 Nur gesunde Unternehmen können Dividenden ausrichten und in die Zukunft investieren. Es darf deshalb nicht angehen, dass die Dividende als Steuerungsmittel für die Staatseinnahmen herhalten muss. Folge davon wäre das Zurückhalten von Investitionen – und damit die Lähmung der Volkswirtschaft.

«Es geht nicht an, dividenden als steuerungsmittel für die einnahmen des staats zu missbrauchen.»

Welche konkreten Innovations- und Investitionsanreize wünschen Sie sich für KMU?

 Konstanz und Vertrauen sowie eine gut verträgliche Steuerbelastung helfen den KMU, ihre Investitionsentscheide zu fällen und sich fit für die Zukunft zu machen. Innovationen dürfen nicht mit dem Giesskannenprinzip gefördert, sondern müssen mit einem Anreizsystem begünstigt werden. Weiter benötigen wir gut ausgebildeten Nachwuchs, um Innovationen zu lancieren und umzusetzen.

 

Was müsste die Politik Ihrer Meinung nach jetzt tun, um mit einer neuen Steuerreform zum Erfolg zu kommen?

 Die Politik darf nun nicht vor den Linken kuschen und überall nachgeben. Das Abstimmungsresultat war eindeutig, aber das Pendel der nötigen Steuerreform darf nun nicht in die andere Richtung schlagen. Es gilt, die Anliegen der Wirtschaft zu berücksichtigen und auf einem neuen Weg umzusetzen. Denn ohne die Wirtschaft geht nichts.

Interview: Gerhard Enggist

zur person

Urs Schädler (53) ist Präsident des Bündner Gewerbeverbandes und Inhaber eines Transport- und Logistikunternehmens mit Sitz in Chur und Niederlassungen in der Deutsch- und Westschweiz.

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