Publiziert am: 21.09.2018

Orientierung für KMU

EXPORT – Sowohl neue Zölle oder Importkontingente als auch neue Frei­handels­abkommen: Schweizer Exporteure 
stehen im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Protektionismus. Doch welche aktuellen Bedrohungen 
erwarten international aktive Schweizer Firmen? Dazu eine Studie im Auftrag von Switzerland Global Enterprise (S-GE).

«Angesichts der Diskussionen um einen möglichen Handelskrieg und den steigenden Protektionismus in der Welt sind unsere international aktiven Unter­nehmen mit sehr viel Unsicherheit konfrontiert», so Daniel Küng, CEO von Switzerland Global Enterprise. «Mit dieser Studie können wir vor allem KMU eine Orientierung für ihre Exportstrategie geben.» Die Studie beschreibt weltweite Trends in der Handelspolitik, beleuchtet die Gegebenheiten in sieben wichtigen Ländern und Regionen und zeigt die Konsequenzen für Schweizer Unternehmen auf. Verfasst wurde sie von den Wirtschaftsprofessoren Simon Evenett (Universität St. Gallen) und Patrick Ziltener (Universität Zürich).

Marktzugangsbedingungen
verändern sich

Gemäss der Studie haben etwa die USA seit 2009, also bereits lange vor dem Amtsantritt von Donald Trump, jährlich über 100 neue handelshemmende Mass­nahmen eingeführt. Ungeachtet dessen, wuchsen Schweizer Exporte in die USA auf heute 34 Mrd. CHF von 22 Mrd. CHF im Jahr 2012. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit sich Zollerhöhungen negativ auswirken würden.

Konsequenzen könnten neue Abkommen der Europäischen Union haben. Die EU hat vor Kurzem ein Freihandelsabkommen mit Japan unterzeichnet. Die Verhand­lungen mit dem südamerikanischen Staatenverbund Mercosur stehen laut Medien­berichten kurz vor dem Abschluss. In Japan können sich vor allem für Lebens­mittel­produzenten Nachteile ergeben. In Südamerika sind die Auswirkungen noch unklar, jedoch gelten dort, zumal im wichtigsten Markt Brasilien, häufig hohe Einfuhrzölle. Würden diese für EU-Konkurrenten reduziert, hätten sie einen gewichtigen Vorteil im Wettbewerb. Die Schweiz verhandelt ebenfalls über ein Abkommen mit den Mercosur-Staaten.

Für Schweizer Exporteure gilt es ausserdem, die Entwicklung von Globalisie­rungs­projekten und Megaabkommen in Asien-Pazifik eng zu verfolgen. Die Compre­hensive and Progressive Agreement for Trans-
Pacific Partnership (CPTPP) und Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) haben das Potenzial, globale Handelsströme nachhaltig zu beeinflussen. Marktzugangsbedingungen werden sich für Schweizer Exporteure verändern, und die Unternehmen werden in manchen Bereichen allenfalls Wettbewerbsnachteile zu erleiden haben. Die beiden sogenannten «Megaregionals» zeigen, dass die Zeichen in der Region weiter auf Handelsintegration stehen.

Verstärkend kommt Chinas Belt-and-Road-Initiative hinzu. Das riesige Globalisie­rungs­projekt soll 
65 Länder stärker miteinander vernetzen, die zwei Drittel der Weltbevölkerung stellen und mehr als ein Drittel des globalen Brutto­inlands­produkts. In China sind Schweizer Unternehmen dank eines bilateralen Frei­handels­abkommens sehr gut positioniert. 2018 profitieren sie in dessen Rahmen von vielen neuen Zollsenkungen.

KMU: Einzelfall analysieren und Opportunitäten nutzen

Daniel Küng kommentiert: «Die Studie der beiden Experten zeigt: Exporteure sollten die grossen Schlagzeilen mit Vorsicht geniessen. Im Einzelfall könnten neue Abkommen im Asien-Pazifik-Raum oder in Lateinamerika vielleicht mehr Einfluss haben als die Zollpolitik der USA oder Chinas. Gleichzeitig schafft die Globa­li­sierung stets neue Opportunitäten. Es laufen Verhandlungen zu Frei­handels­ab­kommen, oder es treten Handelserleichterungen in Kraft, die Schweizer Firmen nützen könnten. Wir raten Exporteuren dazu, zu analysieren, was sich im Detail vor Ort für sie verändert – und weiter mutig ihr internationales Geschäft voran­zu­treiben!»

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