Publiziert am: 11.12.2015

Perfekte Hülle für heute und morgen

SWISSBRICK.CH – Die Ziegelindustrie ist mit dem modernen und vielfältigen Berufsfeld des Industriekeramikers gut aufgestellt. Dank neusten Erkenntnissen und Innovationen ist die Branche nach wie vor ein gefragter Partner in der Bauwirtschaft.

Dachziegel prägen die Dächer unserer Dörfer und Städte seit Jahrtausenden. Das kommt nicht von ungefähr. Dachziegel sind UV-beständig, säurefest, farbecht und extrem langlebig. Sie gehören daher zu den nachhaltigsten Naturbaustoffen. Ebenso zeichnen sich Backsteine als nachhaltiges Baumaterial aus. Früher war die Ziegelindustrie weit verbreitet, fast jeder Bauer stellte Tonziegel her. Im Rahmen der Industrialisierung haben sich die Betriebe jedoch laufend konsolidiert. Während früher eher breiter gemauert wurde, setzte man in der Neuzeit auf eine schmalere, mehr gedämmte Bauweise. «Heute wird das Doppelschalenmauerwerk jedoch weniger gefragt, aber die Tendenz geht Richtung ‹back to the roots› – es werden also wieder breitere Mauern gebaut», erklärt Peter Burkhalter, Präsident von swissbrick.ch.

Das erbebensichere Bauen machte der Branche jahrelang zu schaffen: «Aufgrund des Übereifers bei der Erdbebensicherheit haben wir Marktanteile eingebüsst. Es wurde so mehr betoniert und weniger gemauert», betont Burkhalter. Eher abträglich war auch der Architekturtrend mit den Fensterfronten, die dazu führten, dass statt Wände Beton- oder Stahlstützen zum Einsatz kamen und so in den Aussenfassaden die massiven Wände fehlten. Es sei ein langer Weg gewesen bis bewiesen und auch akzeptiert war, dass Backsteinmauerwerke ebenso erdbebensicher seien. «Jetzt mit der Einführung der SIA Norm 266 wurde die Erdbebensicherheit von Mauerwerken auch in Fachkreisen anerkannt», so Burkhalter. Der Trend zum Flachdach sorgte zudem bei den Tonziegeln für eine Absatzreduktion.

«Wir können dem starken Franken nur mit Qualität und 
gutem Service 
entgegenhalten.»

Eine grosse Herausforderung für die Branche ist auch der Preisvergleich mit den ausländischen Produkten. «Aufgrund der günstigen Transportwege und des starken Frankens stehen die Unternehmungen der Ziegelindustrie auch im Wettbewerb mit internationalen Anbietern. Daher sollten vermehrt auch die Grundsätze der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden», betont Burkhalter. Konkret heisse dies, Baumaterialien möglichst lokal einzukaufen. Die schweren Produkte sollten über möglichst kurze Transportwege von maximal 50 km transportiert werden. «Unser Motto muss heissen ‹Aus der Region für die Region› – nur so können wir mit den ausländischen Produkten konkurrenzieren», sagt Burkhalter und er ergänzt: «Wir können dem starken Franken nur mit Qualität und gutem Service entgegenhalten.» Eine einwandfreie Qualität wird durch regelmässige Prüfungen des unabhängigen Prüf- und Forschungsinstituts p+f Sursee gewährleistet. Ebenso ist der Verband bezüglich Arbeitssicherheit mit einer Branchenlösung über EKAS gut organisiert. Auch hat die schweizerische Ziegelindustrie mit Unterstützung der EnAW die Treib­hausgase seit 1990 um über 15 Prozent senken können und somit einen wesentlichen Beitrag für das Erreichen der Zielsetzung der Schweiz geleistet.

Lehre mit vielfältigem Berufsfeld

Zu einem Hauptanliegen des Verbandes gehört die Aus- und Weiterbildung. Das Berufsfeld «Industriekeramiker/in EFZ» hat sich aus dem traditionellen Handwerk des Ziegelschlagens bzw. der Herstellung von Backsteinen entwickelt und blickt somit auf eine alte Tradition zurück. Durch die Industrialisierung und Mecha­ni­sierung ist die Ausbildung anspruchsvoller geworden. Da die Verwendung von Backsteinen am Bau eher abgenommen hat und heute auch andere Materialien zur Verfügung stehen, wurde die Herstellung den Marktanforderungen angepasst. Entsprechend niedrig ist deshalb die Zahl der Ausbildungsplätze in den Herstellerbetrieben. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, wurden im Zuge der neuen Bildungsverordnung unkonventionelle Bildungspartner gesucht. «Der Industriekeramiker hat sich zu einem Allrounder entwickelt. So kann er sich in den verschiedensten Bereichen, die über die Grobkeramik hinausgehen, betätigen und in artverwandten Berufsfeldern arbeiten», sagt Burkhalter.

«Der Industrie­­keramiker hat sich zu einem Allrounder entwickelt.»

In dasselbe Berufsfeld gehört der Modellbau, wie er angewendet wird, um Lavabos oder ähnlichen sanitären Einrichtungen eine Form zu geben. Eng damit verbunden ist die Feinkeramik. Als weiterer Schwerpunkt ist die Hartmetallproduktion zu nennen, deren Erzeugnisse im Flugzeugbau oder auch in der Entwicklung von Gerätschaften für die Zahnmedizin Anwendung finden. Weiter gibt es die technische Keramik. Sie umfasst die Herstellung von Katalysatoren für den Kraftfahrzeugbau oder auch für Schiffsmotoren und im Speziellen auch Produkte der Medizinaltechnik.

Noch viel Potenzial

Aktuelle Themen sind für swissbrick.ch zurzeit die Interessenwahrung in der Energiegesetzgebung sowie die Förderungen von Ersatzneubauten. Hier arbeitet der Verband eng mit greenbuilding.ch zusammen. Für die Zukunft sieht Burkhalter noch viel Potenzial in der Branche. «Der Backstein wie auch der Dachziegel gehören zweifellos zu den natürlichsten Baustoffen. Mit ihnen kann man allergiefrei, klimabewusst, energiesparend und ökologisch bauen», so Burkhalter. Der Präsident von swissbrick.ch wünscht sich, dass sich in der Bauwirtschaft künftig wieder ein grösseres Verständnis für die Vorzüge der Produkte der Ziegelindustrie entwickelt, werden doch in der Baustoffbranche wichtige Arbeitsplätze in der Region sichergestellt.

Corinne Remund

SWISSBRICK.cH

Historischer Verband mit neuem Namen

Der Verband Schweizerischer Ziegelindustrie wurde 1874 gegründet. Mit der Übernahme der Swissbrick AG seit dem 1. August 2013 hat sich der Verband neu unter der bewährten Marke swissbrick.ch positioniert. Damit will er eine marktnähere Präsenz erreichen, das technische Know-how breiter abstützen sowie die Ausrichtung der Ziegelindustrie verstärken. Der Verband dient den Mitgliedern als Informations- und Wissensplattform. Eine Beratungs- und Dokumentationsstelle, eine Rechtsabteilung, ein GAV sowie ein unabhängiges Forschungsinstitut mit hoher technischer Kompetenz sind weitere Dienst­leis­tungen für die Mitglieder. Zu den Aufgaben des innovativen Verbandes gehören ebenso Lobbying, Interessenswahrung gegenüber Bund, Kantonen, Gemeinden, Bundesämtern sowie das Mitwirken in Kommissionen von verschiedenen Organisationen und Verbänden.

Bildung als Hauptaufgabe

Als Branchenverband organisiert swissbrick.ch die Ausbildung «Industrie­kera­miker/in EFZ». Der Verband trägt dadurch wesentlich zur Gestaltung des neuen Berufsfeldes und der Umsetzung der aktuellen Bildungsverordnung bei. Seine neun Mitgliederfirmen produzieren an 18 Standorten in der Schweiz hochwertige Backsteine und Dachziegel sowie Sanitärkeramik und Tontöpfe. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um KMU. Die Branche generiert jährlich mit ihren verbundenen Produkten einen Umsatz von 300 Millionen Franken.CR