Publiziert am: 10.06.2016

Perfekter Partner für alle

BENEDIKT KOCH – Der neue Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) setzt sich für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ein. Dazu bekämpft er unnötige Regulierungen.

Schweizerische Gewerbezeitung: Sie sind seit dem 1. Mai neuer Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV). Welche Ziele haben Sie sich für dieses neue Amt gesetzt?

n Benedikt Koch: Unser Ziel ist es, dass der Bau auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Als Verband setzen wir uns insbesondere für ideale Rahmenbedingungen für unsere Mitglieder ein. Das ist angesichts des politischen Trends zu immer mehr Regulierung und Bürokratie eine ­grosse Herausforderung.

Das Jahr 2015 war mit einer Umsatzeinbusse von knapp neun Prozent im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahr ein schwieriges Baujahr. Was unternehmen Sie dagegen?

n  Die Zahlen von 2015 sind auch deswegen deutlich tiefer, weil 2014 als Vergleichsjahr ausserordentlich stark war. Das Baugewerbe selbst kann die Auftragslage kurzfristig kaum beeinflussen; wir leben von den Aufträgen der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand.

«Durch Ersatzneubauten kann der Gesamtverbrauch an Energie um einen Drittel reduziert werden.»

Wie wirken sich die tiefen Hypozinsen auf das Baugewerbe aus?

n  Sie fördern selbstverständlich den Wohnungsbau, werden als Faktor aber etwas überschätzt – das Bevölkerungswachstum ist mittelfristig der stärkere Treiber der Wohnungsnachfrage. Tiefe Hypozinsen führen eher zu grösseren und besser ausgestatteten Wohnungen als zu einer höheren Zahl an Wohnungen.

Welche Rolle spielen Ersatz­neubauten im Hinblick auf die Energiestrategie 2050?

n  Knapp die Hälfte des Energieverbrauchs der Schweiz geht auf das Konto der Gebäude. Durch konsequenten Ersatzneubau der sanierungsbedürftigen Gebäude liesse sich der Gesamtenergieverbrauch an Energie in der Schweiz um rund einen Drittel reduzieren. Womit wir den Zielen der Energiestrategie 2050 einen wesentlichen Schritt näher kommen würden.

«Die Digitalisierung löst auf dem Bau sowohl Ängste als auch Hoffnungen aus.»

Inländervorrang und Fachkräftemangel sind ein grosses Thema des Baugewerbes. Wo liegen die grössten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

n  Das Baustellenpersonal in der Schweiz setzt sich zu rund zwei Dritteln aus Ausländern, vornehmlich aus EU-Staaten, zusammen. Das Bauhauptgewerbe ist dementsprechend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Bei der Umsetzung des Inländervorrangs muss deshalb eine KMU-taugliche Lösung, also ohne bürokratischen Mehraufwand, gefunden werden. Eine Baufirma muss innert nützlicher Frist die benötigten Fachkräfte anstellen können. Ansonsten werden Bauaufträge in der Schweiz vermehrt an ausländische Unternehmen gehen.

«Das Bauhauptgewerbe ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen.»

Die Digitalisierung macht auch vor der Baubranche nicht Halt. Was bedeutet diese Entwicklung konkret für das Baugewerbe?

n  Die Digitalisierung löst auf dem Bau sowohl Ängste als auch Hoffnungen aus. Ich sehe viele Chancen, zum Beispiel bei der Optimierung der Bauprozesse oder bei der Vorfabrikation von Bauteilen. Bei allem Interesse an der Digitalisierung hat für die Bauunternehmen immer noch höchste Priorität, was der Auftraggeber bestellt hat. Und das sind nicht digitale Modelle, sondern Gebäude, Strassen oder Tunnels, gebaut aus Beton, Backstein oder Asphalt.

Eröffnet die Digitalisierung neue Märkte?

n  Die Digitalisierung ist ein Mittel zum Zweck. Damit wird aber kein einziges zusätzliches Gebäude und kein einziger zusätzlicher Tunnel gebaut.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, wo liegt das grösste Potenzial im Baugewerbe?

n  Bei allem technischen Fortschritt ist ein Projekt immer noch dann am erfolgreichsten, wenn auf der Baustelle alle Beteiligten konstruktiv und mit gegenseitigem Vertrauen zusammenarbeiten: Bauherren, Planer und Unternehmer. Die Verantwortlichen sollten lieber gemeinsam Projekte erfolgreich zum Abschluss bringen, statt Anwälte zu beschäftigen.

«Wir wollen uns mit klaren Botschaften für das Wohl der Branche einsetzen.»

Zum Abschluss noch eine persön­liche Frage: Wo möchten Sie als neuer Verbandsdirektor Akzente setzen?

n  Für mich steht im Zentrum, dass der Baumeisterverband für alle der perfekte Partner bleibt. Im Kontakt mit unseren Mitgliederfirmen wollen wir ein zuverlässiger Dienstleister sein, der wertvolle Hilfsmittel für den Arbeitsalltag auf der Baustelle bietet. In der Politik wollen wir ein kompetenter Partner für Parlamentarier und andere Verbandsorganisationen sein, um der Überregulierung entgegenzutreten. Und in der Öffentlichkeit wollen wir als engagierter Interessensvertreter des Bauhauptgewerbes wahrgenommen werden, der sich mit klaren Botschaften für das Wohl der Branche einsetzt.

Interview: Corinne Remund

ZUR PERSON

Benedikt Koch (44) ist seit Mai Direktor des Schweizerischen Baumeister­verbands (SBV). Er war von 2007 bis 2016 Geschäftsführer des Fachverbands Infra (seit 2016: Infra Suisse). Davor arbeitete er als Assistent des CEO bei der Batigroup Holding und – nach deren Fusion mit Zschokke – als Projektleiter bei der daraus hervorgegangenen Implenia. Benedikt Koch ist promovierter Ingenieur-Agronom und hat sich zum Projektmanager Bau weitergebildet (dipl. Ing.-Agr. ETH/SIA und Dr. sc. techn.). Er ist verheiratet und hat einen Sohn.