Publiziert am: Freitag, 20. Januar 2017

«Persönlich gewachsen»

EUROSKILLS 2016 – Yvan Fässler aus Hütten gewinnt in Göteborg als bester Elektroinstallateur. Damit ist er ein grosses Vorbild in der Branche und ein Aushängeschild für das duale System.

Die Teilnahme an den Berufs-Europameisterschaften Anfang Dezember in Schweden hat sich für Yvan Fässler mehr als gelohnt. In seinem Gepäck bringt er gleich zwei Goldmedaillen mit nach Hause. Er ist somit nicht nur der beste Elektroinstallateur Europas, sondern bekommt auch noch den Titel «Best of Nation» verliehen. Damit erreichte er zusätzlich die höchste Punktzahl der gesamten Schweizer Delegation. Der junge Zürcher hat für dieses Spitzenresultat hart gearbeitet. «Die Vorbereitungszeit war intensiv und dauerte rund zwei Jahre», so Fässler. Fachmännisch begleitet wurde der junge Berufsmann dabei vom Experten Adrian Sommer vom Verband Schweizer Elektroinstallationsfirmen VSEI. «Diese Zusammenarbeit war für mich sehr wertvoll. Ich habe viel gelernt. Auch zwischenmenschlich verstanden wir uns sehr gut», zieht Fässler Bilanz. Dabei löste der junge Berufsmann praktische Aufgaben, besuchte Kurse und bildete sich zum Gebäudeautomatiker weiter. «Das letzte Halbjahr vor den EuroSkills im Dezember war besonders anstrengend», so Fässler. Mehrmals pro Woche übte er in einem Trainingsraum der Firma Feller in Horgen. «Ich trainierte fast jede freie Minute.» Zur Vorbereitung gehörte auch ein Trainingscamp, bei dem er sich mit den Kandidaten aus Deutschland, Russland und Österreich messen konnte. Zudem wurde der junge Elektroinstallateur für ein Spezialtraining nach Jekaterinburg in Russland eingeladen. «Dieser Aufenthalt war ein wichtiger Teil in der Vorbereitung, weil ich so die Wettkampfbedingungen hautnah erleben konnte.» Ebenso wichtig erachtet er die Teamweekends und das Mentaltraining, organisiert von der Stiftung SwissSkills.

Grossen Beistand erfuhr er auch von seiner Familie, die ihn vor Ort kräftig anspornte und mitfieberte. Unterstützung erhielt Fässler von seinem Arbeitgeber EKZ Eltop und von seinen Teamkollegen, die ihm am Flughafen in Kloten einen unvergesslichen Empfang bereitet hatten. So durfte er diverse Vorbereitungsstunden während der Arbeitszeit absolvieren. Claudio Gallo, Leiter des Geschäftsbereiches Eltop, freut sich ebenfalls riesig über die Goldmedaille: «Uns ist wichtig, unsere Talente zu unterstützen und zu motivieren. Es macht mich ausserordentlich stolz, dass Yvan Fässler den ersten Platz an den EuroSkills belegt hat. Zudem beweist dieser Erfolg, dass unser Ausbildungssystem stark ist.»

Die Konkurrenz schläft nicht

Der grosse Aufwand lohnte sich. Während der drei Wettkampftage löste Fässler gelassen, aber mit der nötigen Anspannung die gestellten Aufgaben. «Mein Ziel war es, meine Bestleistung abzurufen, und das erreichte ich auch», so Fässler. Am Ende des Wettkampfes sei er zufrieden gewesen. «Ich hatte ein gutes Gefühl und dachte schon, dass ich vorne dabei war. Doch der erste Platz war im ersten Moment eine Überraschung», strahlt Fässler. Er hätte sicher auch ein Quäntchen Glück gehabt, denn die Konkurrenz schlafe nicht, und das Niveau sei sehr hoch gewesen. «Die grösste Herausforderung war sicher, 100 Prozent konzentriert zu sein und so über jeden Arbeitsschritt nachdenken zu können, obwohl der Zeitdruck enorm gewesen war.» Ein Zeitfenster von 13 Stunden standen dem Schweizer Kandidaten und seinen Konkurrenten an den EuroSkills 2016 in Göteborg zur Verfügung, um eine komplexe Elektroinstallation mit integrierter Gebäudeautomation zu montieren. In den vier restlichen Stunden galt es zu programmieren.

«ich habe jede freie Minute trainiert.»

Die Vorbereitungszeit, aber auch der Wettkampf selber waren für den 22-Jährigen ein grosses Erlebnis, das er nicht missen möchte. Es seien Freundschaften entstanden, die weit über den Wettkampf hinausreichten. «Wir sehen uns jetzt noch. Der Zusammenhalt der Kandidaten im Swiss Team ist gross. Gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, sich gegenseitig unterstützen und motivieren und miteinander die unterschiedlichsten Emotionen durchleben – das verbindet», sagt Fässler. Er hätte sich dabei persönlich wie beruflich weiterentwickelt. Ich habe ein grosses Netzwerk aufgebaut und durfte dadurch einen tiefen Einblick in die Branche erhalten», ist Fässler überzeugt.

Fässler hat 2014 seine Lehre als Elektroinstallateur bei EKZ Eltop in Wädenswil als Kantonsbester abgeschlossen und vor kurzem in die Gebäudeautomatik an den Hauptsitz der EKZ Eltop in Dietikon gewechselt. Er hätte sich schon immer für Gebäude und die damit verbundene Technik interessiert. «Die Gebäudeautomatik ist sehr schnelllebig, und man kann immer viel Neues lernen. Zudem macht es einfach Spass», sagt der Star der Schweizer Elektro­branche. Auch über die Zukunft 
hat er sich schon Gedanken gemacht. Die Meisterprüfung oder eine Aus­bildung zum Elektrotechniker via ­höhere Fachschule sind da mögliche Optionen. Corinne Remund