Publiziert am: Freitag, 12. August 2016

Produktivität muss erhöht werden

WETTBEWERBSFÄHIGKEIT – Zum Wirtschaftsgang gehören Zyklen dazu. Mit verhaltener Geld­politik und disziplinierter Fiskalpolitik hat es China in der Hand, wettbewerbsfähiger zu werden.

China ist in vielen Bereichen eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Wenn es weiterhin so bleiben will, kommt es nicht darum herum, die Produktivität aller Branchen zu erhöhen. Das ist aber schwierig, weil dafür Reformen notwendig sind. Diese Reformen widersprechen oft propagierten Gesellschaftsbildern.

Dort, wo Produktivitätsgewinne heute erzielt werden – vor allem in privat dominierten Sektoren, wie beispielsweise bei den sogenannten Schattenbanken, aber auch bei vielen lokalen Handels- und Produktionswirtschaften – ist die Risikosymmetrie vorhanden. Sowohl Investoren als auch Institute partizipieren am Erfolg und am Misserfolg von Anlagen; beinahe nicht abgefedert.

Verhaltene Geldpolitik

Natürlich ist es problematisch, wenn es Verluste gibt oder gar Unternehmen geschlossen werden. Aber nur diese Symmetrie garantiert, dass Produktivitätsdruck gemacht wird, Produktivitätsgewinne erreicht werden, Innovationen entstehen und Expansionen getätigt werden. Ebenfalls positiv werden die Voraussetzungen von einer Zentralbank beeinflusst, die sich vorrangig sogenannt «orthodoxer» Instrumente betätigt, beispielsweise Zinsen und Mindestreservevorschriften. Das sind einfache Instrumente, die von verschiedenen Akteuren verstanden werden. Vor allem aber wirken sie sich dämmend auf Wirtschaftszyklen aus. Anders ist es mit vielen Instrumenten, die oft zur «unorthodoxen Geldpolitik» gezählt werden. Diese haben oft prozyklische Auswirkungen, die entweder stark verzerrend – quantitative easying – oder extrem verzerrend – foreward guidance – sind.

Um in der Logik der Mindestreservevorschriften und Zinsen zu verbleiben: Sollte China die Leverage – das Verhältnis von Geld zum Bruttoinlandprodukt (vgl. Haupttext) – als zu hoch erachten, kann dem relativ einfach mit einer Erhöhung der Reservevorschriften Abhilfe geleistet werden. Vor nicht allzu langer Zeit hat die chinesische Zentralbank bewiesen, dass sie mit diesem Instrument die Inflation problemlos bekämpfen konnte; fast ohne Zyklusverzerrung und insbesondere ohne strukturelle Verzerrung.

Im Gegenteil: Gerade die produktiveren Sektoren profitieren von diesem Steuerungsmechanismus. Sollte China das eigene Länderrisiko als zu hoch einschätzen, kann es die Zinsen anheben. Die Leitzinsen eines Landes sollten ohnehin nichts anderes als das Länderrisiko abbilden. Bei einer Symmetrie von Risiken und Leitzinsen korrigieren sie sich gegenseitig.

Disziplinierte Fiskalpolitik

Das derzeitige globale Umfeld macht es der Zentralbank leicht, Zinsen anzuheben. China ist wirtschaftlich wettbewerbsfähiger als die USA und als Japan – und natürlich auch als die EU. Diese komfortable Position ermöglicht es, Zinsen anzuheben, ohne den Vorsprung einzubüssen. Falls die USA ihre eigenen Zinsen anheben sollten, wird der chinesische Spielraum dafür noch grösser. Freilich ist die kurzfristige Auswirkung einer Zinsanhebung, die konsistent mit dem Landesrisiko ist, nicht immer positiv. Aber gerade davon gehen Impulse aus für Produktivitätssteigerung, Innovation und Expansion.

Überhaupt: Zum Wirtschaftsgang gehören Zyklen dazu. Eine Volkswirtschaft frei von Verlangsamungen halten zu wollen, ist nicht nur unrealistisch, es ist auch gefährlich. Denn dieser Wille treibt Staaten und Regulatoren in Aktionismus, und dieser wirkt sich immer prozyklisch und verzerrend aus. Gerade in Phasen der Verlangsamung werden oft die Grundlagen für Phasen erneuten Wachstums gelegt.

Eine Verlangsamung, die aus Strukturwandel, Sparen und Bildung entsteht, ist auf jeden Fall viel wünschenswerter als ein Boom, der auf billigem Geld, Regulierung und expansiver Staatsbetätigung beruht. Vor allem, weil langfristiges Wachstum mit Partizipationsmöglichkeiten für alle aus ersterem entstehen, während zunehmende Ungleichheit, Kollusion und Krise die sehr wahrscheinlichen Ergebnisse des zweiteren sind.

Mit verhaltener Geldpolitik und disziplinierter Fiskalpolitik hat es China in der Hand, wettbewerbsfähiger zu werden. Bis hin zum «supercompetitive China».

Sc

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