Publiziert am: Freitag, 22. Januar 2016

Produktivität unter der Lupe

Wachstum – Die Ergebnisse der aktuellen SECO-Ressortforschung mit dem Titel «Das schwache Wachstum der Arbeitsproduktivität in der Schweiz» sprechen für sich.

Die Schweiz bietet der Wirtschaft gute Rahmenbedingungen. In internationalen Rankings zu Standort­attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit nimmt sie regelmässig Spitzenplätze ein. Umso bemerkenswerter ist, dass die in Statistiken ausgewiesene Arbeitsproduktivität im Vergleich zu anderen Ländern unterdurchschnittlich ausfällt. Im Rahmen der Ressortforschung und zur Fundierung der Wachstumspolitik der Schweiz, welche der Bundesrat Anfang dieses Jahres verabschieden wird, ging das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) dem Phänomen mit einem Forschungsschwerpunkt auf den Grund und suchte Erklärungen für das schwache Produktivitätswachstum in der Schweiz.

Wie erklärt sich das schwache Wachstum?

Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz in den letzten zehn Jahren war in erster Linie ein qualitatives, welches auf einem erhöhten Arbeitsvolumen aufbaute. Zurückzuführen ist dies neben der starken Zuwanderung auch auf eine nochmalige Steigerung der bereits hohen Erwerbs­beteiligung. Doch die Qualität der Rahmenbedingungen spiegelt sich nicht – wie es zu erwarten wäre – in einem überdurchschnittlichen Wachstum der Produktivität. Im Gegenteil: Die Zunahme der Arbeitsproduktivität hat sich in den letzten Jahren, insbesondere seit der Finanzkrise, weiter verlangsamt.

Längerfristig wird das Wachstum 
der Arbeitsproduktivität durch die Produktionsseite der Wirtschaft bestimmt. Die Schweiz scheint aber sogar in manchen Bereichen der traditionell starken Segmente wie dem Bankensektor oder dem Maschinenbau den Anschluss verpasst zu haben. Auch die Produktivität im Dienstleistungssektor ist teilweise rückläufig.

Zudem zeigt sich auch in den verschiedenen Regionen eine unterschiedliche Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Urbane Zentren haben im Vergleich zu ländlichen Gebieten in den letzten Jahren profitiert, da der Anteil der produktiven Branchen gestiegen ist.

In Branchen viel Potenzial 
zur Steigerung vorhanden

Eine differenzierte Branchenanalyse zeigt: Das Schweizer Produktivitätswachstum ist wenig diversifiziert und wird von wenigen, zum Teil volatilen Branchen getragen. Zahlreiche Wirtschaftszweige, wie etwa die Infor­mations- und Kommunikationstechnologiebranche (ICT), die Konsum­güter- und Investitionsgüterindus-
trie sowie unternehmensbezogene Dienstleistungen liegen im internationalen Vergleich aus ganz unterschiedlichen Gründen deutlich zurück. Das Wachstum der Schweizer Arbeitsproduktivität wird seit Ende der 90er-Jahre hauptsächlich vom Finanzsektor, dem Handel – insbesondere dem Rohstoffhandel – sowie der Life-Sciences-Industrie und der darin enthaltenen Pharmaindustrie geprägt.

Messproblem im 
Dienstleistungssektor

Die Arbeitsproduktivität in den meisten wissensintensiven, marktorientierten Branchen des Dienstleistungssektors ist über längere Zeit deutlich gesunken. Dies erstaunt. Studien deuten aber darauf hin, dass die problemhafte Messung realer Grössen die Produktivitätsentwicklung in gewissen Branchen unterzeichnet. Da nur einzelne Branchen untersucht wurden, ist das Ausmass möglicher Messfehler auf Ebene der Gesamtwirtschaft jedoch schwer abzuschätzen, sodass weitere Forschung zu dieser Frage wünschenswert wäre. Zudem zeigt sich, dass die Schweiz zwar im Warenhandel stark mit dem Ausland verflochten ist, aber im Dienstleistungssektor durchaus Potenzial für eine weitere Öffnung besteht. Würden beispielsweise auch Computer- und Rechtsdiensleistungen stärker liberalisiert, könnte sich dies positiv auf Wachstum und Produktivität auswirken.

Auch würde das Produktivitätsniveau steigen, wenn die Schweiz wieder mehr investieren würde – denn: Der Rückgang der Investitionstätigkeit in der Schweiz ist zur Hälfte für den geringen Produktivitätszuwachs seit den Siebzigerjahren verantwortlich. Diese Minderinvestitonen sind auf drei Faktoren zurückzuführen: Bevölkerungsalterung, steigender Dienstleistungsanteil sowie die reale Frankenaufwertung.