Publiziert am: 11.08.2017

Rückkehr zur Normalität?

NEGATIVZINSEN – Ab dem Moment, wo die Teuerung ­zurückkehrt, kann die Nationalbank ihre Politik ändern.

Der Negativzins gehört mittlerweile zur Normalität der Schweiz. Bis in zehn Jahren wird, wer dem Schweizer Staat in Form einer Bundesanleihe Geld ausleiht, dafür bezahlen müssen. Wörtlich. Denn Negativzinsen bedeuten: Wer spart, bezahlt; wer Schulden macht, erhält Geld.

Alle Sparguthaben werden bestraft – auch jene in der Altersvorsorge

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Negativzinsen eingeführt, um die Deflationsgefahr zu kontern. Die Überlegung dahinter: Die Preise gehen ständig runter – Deflation –, weil zu viel gespart wird. Oder weil ausländisches Geld in die Schweiz gebracht wird, um hier angespart zu werden. Als Gegenmittel belegt die SNB diese Sparguthaben mit Kosten. Damit geben die Leute mehr Geld aus, die Schweiz wird für ausländisches Geld weniger attraktiv und die Preise steigen wieder.

Doch diese Massnahme führt zu Kollateralschäden – und zwar unabhängig ihres Erfolgs. Erstens bestraft sie alle Sparguthaben. Das gilt auch für jene der Altersvorsorge – ganz egal, ob in der ersten, zweiten oder dritten Säule. Schon nur wenige Jahre Negativzins führen aufgrund des Zinseszinses zu grösseren Renteneinbussen.

Anreiz für Falschinvestitionen

Dann gibt es noch weitere Probleme. Der Negativzins verleitet zu Falschinvestitionen. Weil er die Kosten des Kapitals unabhängig vom Markt vergünstigt, verbilligt er auch die Investitionen. Er führt Menschen und Unternehmen dazu, zu viel Geld auszugeben – und dies auch noch für die falschen Dinge. In einem normalen Marktumfeld stehen Investitionen nämlich im Wettbewerb zueinander. Massstab dieses Wettbewerbs ist die Kapitalproduktivität. Dumm nur: Dieser Massstab funktioniert bei Negativzinsen nicht mehr, weil alle Renditen künstlich verbilligt sind.

Wann wirft die SNB das Steuer herum?

Wann wird die SNB ihre Negativzins-Politik ändern? Das kann nur sie beantworten, denn sie agiert ja unabhängig. Ab dem Moment aber, ab dem die Schweiz wieder eine Positivteuerung ausweisen kann, könnte auch die SNB über die Rückkehr in die echte Normalität ins Auge fassen.

Henrique Schneider, 
Stv. Direktor sgv