Publiziert am: 09.11.2018

Regionale Früchte im Trend

SCHWEIZER OBSTVERBAND – Der Verband setzt sich für eine nachhaltige Schweizer Obstwirtschaft ein. Dabei ist er bestrebt, mit guten Leistungen bestehende Mitglieder zu begeistern und neue zu gewinnen. Herausforderungen für die Branche sind die beiden Pflanzenschutz-Initiativen, die der Verband vehement bekämpft.

Obst ist gesund, zwei Portionen pro Tag sollten es mindestens sein. Herr und Frau Schweizer befolgen diese Regel. Von der reichen Auswahl an verschiedenen inländischen Früchten und Beeren essen sie allein 16 Kilogramm Äpfel pro Kopf und Jahr. Damit ist der Apfel die beliebteste Schweizer Frucht. Rund 250 000 Tonnen Äpfel wurden dieses Jahr geerntet, wovon 100 000 Tonnen Tafelobst und ca. 150 000 Tonnen in Mostereien und Brennereien verarbeitet oder in Produktionsbetrieben zur Herstellung von Konfitüren, Dörrobst und Essig etc. verwendet werden.

Die Schweizer Obstwirtschaft hat sich in den letzten Jahren verändert. «Es hat eine Professionalisierung stattgefunden. Produzenten wollen mit vernetzten Anlagen, Bewässerungen, laufenden Optimierungen im Bereich Pflanzenschutz – so wenig wie möglich, so viel wie nötig – kein Risiko eingehen und zuverlässig liefern können», erklärt Beatrice Rüttimann, Fachmitarbeiterin Kommunikation beim Schweizer Obstverband. Das Ziel ist, Früchte in höchster Qualität zu produzieren. Aber auch das Ernährungsverhalten der Konsumenten ist bewusster geworden. «Wir beobachten eine Konsumsteigerung bei den Beeren, besonders Heidelbeeren sind im Trend. Bei Stein- und Kernobst ist der Konsum stabil. Beim Kaufentscheid spielt die Herkunft eine wichtige Rolle, besonders beliebt sind Produkte aus der Region», so Rüttimann.

«Es hat eine Professionalisierung stattgefunden.»

Die ganze Obstbranche spürt die Auswirkungen des Jahrhundertfrostes vom April 2017 immer noch. Dazu Rüttimann: «Rund 100 Millionen Franken an Ertragsausfall entstanden allein auf Stufe Produktion. Über ­alle Obstarten hinweg betrugen die Erntemengen nur 57 Prozent im Vergleich des Vierjahresschnitts. Dies hat zum Teil bis jetzt finanzielle Auswirkungen.» Dafür hat der diesjährige heisse und trockene Sommer für eine mehrheitlich gute bis sehr gute Ernte in der Branche gesorgt. «Die Früchte waren von ausgezeichneter Qualität. Die Produzenten hatten ­jedoch Mehraufwand für die Bewässerung der Kulturen», weiss Rüttimann.

Den Nachwuchs fördern

Als eine wichtige Aufgabe erachtet der Verband, das Image heimischer Früchte und Obstprodukte mit gezielten Werbe- und Kommunikationsmassnahmen zu fördern. Bekannt und beliebt sind die beiden Kampagnen «Barry & Hans» sowie «Apfelsaft wirkt fabelhaft», die im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt werden. Aber auch mit Onlineauftritten auf verschiedenen Kanälen macht der Verband Werbung. «Gerade Videos und die sozialen Medien werden immer wichtiger, wir nutzen auch diesen Kanal für unsere Botschaften», so Rüttimann. Messeauftritte, Sponsoring, Print-Inserate und Radio-Sponsoring runden den Auftritt von Schweizer Früchten und Apfelsaft ab.

Dem Verband liegt auch die ­Zukunft der Branche am Herzen, darum fungiert er als Drehscheibe zwischen Lernenden, Lehrbetrieben und Schulen und ist mitverantwortlich für den Inhalt und die Qualität der Ausbildungen. Er bietet auch praxisorientierte Weiterbildungen an. Angeboten werden die dreijährige Lehre zum Obstfachmann EFZ sowie die vierjährige Lehre Lebensmitteltechnologe EFZ. «Jährlich absolvieren 8 bis 10 Lebensmitteltechnologen und 10 bis 15 Obstfachleute ihre Ausbildung. Diese können sich dann via Meisterprüfung, Fachhochschule oder sogar ETH weiterbilden. Für unsere Branche ist es wichtig, dass wir künftig gut ausgebildete Fachkräfte haben», betont Rüttimann.

Ein grosses Anliegen auf politischer Ebene ist für den Verband, die guten Rahmenbedingungen für den einheimischen Obstbau beizubehalten, insbesondere den Grenzschutz. In einer Gesamtschau der Agrarpolitik schlägt der Bundesrat eine weitere Öffnung der Grenzen für Landwirtschaftsprodukte vor. Die Obstbranche würde damit in ihrem ­Lebensnerv getroffen. «Unsere Betriebe sind strukturell gut aufgestellt und produzieren mit viel Know-how auf einem hohen Qualitätsniveau», so Rüttimann. Im Schweizer Kostenumfeld ist aber eine Produktion zu Weltmarkt- oder EU-Preisen nicht möglich. Eine weitere Grenzöffnung hätte dramatische Marktanteilverluste zur Folge. «Der heutige Grenzschutz ist moderat, der Schweizer Obstmarkt ist bereits zur Hälfte von Importen geprägt», stellt Rüttimann fest.

Pflanzenschutz-Initiativenablehnen

Eine Herausforderung für die Branche sind die beiden Pflanzenschutz-Initiativen. Die Trinkwasser-Initiative will, dass Bauern, die Pestizide oder vorbeugend Antibiotika einsetzen, keine Direktzahlungen mehr erhalten. Die Initiative zum Verbot synthetischer Pestizide von Bio Suisse will den Einsatz von synthetischen Pestiziden im Inland verbieten und auch den Import von Produkten, die mit solchen Mitteln produziert wurden. Dazu Rüttimann: «Mit hohen Auflagen und Verboten würde bis auf einige Nischen die ganze Wertschöpfungskette ins Ausland verlagert. Wir setzen uns vehement für eine Ablehnung der beiden Initiativen ein.»

«Die Obstbranche würde mit der Auf­hebung des Grenzschutzes in ihrem Lebensnerv getroffen.»

Für die Zukunft soll der Absatz von Schweizer Früchten erhalten bleiben und sogar noch gesteigert werden. «Die Konsumenten wollen sichere und ressourcenschonend hergestellte, qualitativ hochwertige Produkte. Wir nehmen dieses Bedürfnis ernst und engagieren uns für eine Schweizer Obstbranche, die auch in zehn Jahren noch gewinnbringend wirtschaften kann», so Rüttimann.

Corinne Remund

www.swissfruit.ch

Nationaler Brenntag

«Die Schweiz brennt»

Am Nationalen Brenntag, dem ­10. November 2018, öffnen 42 Brennereien ihre Türen und laden ein, die Tradition und Kultur des Brennens zu erleben. Dabei erfahren Interessierte, was es heisst, zu brennen, wie und was gebrannt wird und wie die typischen Düfte eingefangen werden. Die Brennmeister geben Einblick in ihr Handwerk. Tradition, Vielfalt, gute Zutaten und das fachliche Können spielen bei den Destillaten eine entscheidende Rolle und führen zu einem einzigartigen Genuss.

www.die-schweiz-brennt.ch

Das macht der Obstverband

Die Bedürfnisse der Mitglieder im Zentrum

Der Branchenverband der Schweizer Obstproduzenten und -verarbeiter wurde 1911 gegründet. Der Verband setzt sich für die Interessen der Obstbranche, für gute Rahmenbedingungen in der Produktion und der Verarbeitung sowie für eine nachhaltige Schweizer Obstwirtschaft ein. Der Verband vertritt bei Behörden und Ämtern seine politischen Anliegen. Der Schweizerische Obstverband ist gut vernetzt und pflegt einen regen Austausch mit anderen Verbänden, Organisationen und Institutionen. Der Verband ist auch aktiv in der Aus- und Weiterbildung. Der Verband zählt rund 13 000 Mitglieder. Dies sind Obstproduzenten und -verarbeiter in der ganzen Schweiz. Der durchschnittliche Umsatz der Obstproduktion beläuft sich auf rund 350 bis 400 Millionen Franken. Ausgenommen davon ist die Verarbeitung. CR